Drohende Staatspleite
Juncker droht Griechenland-Zockern mit "Folter"
Jean-Claude Juncker hat Spekulanten mit scharfen Sanktionen gedroht, wenn sie auf eine Pleite von Griechenland wetten. Der Chef der Euro-Gruppe sagte, man habe die "Folterwerkzeuge im Keller" und werde diese zeigen. Gleichzeitig forderte er aber auch, das "Primat der Politik" zu stärken, um die Finanzmärkte stoppen zu können.
Der luxemburgische Ministerpräsident und Euro-Gruppen-Chef, Jean-Claude Juncker, hat den Finanzmarktsakteuren kurz vor der Umschuldung griechischer Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe staatliche Sanktionen angedroht. "Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist", sagte Juncker dem "Handelsblatt". Wie genau diese Instrumente aussehen, wollte er allerdings nicht verraten.
"Wir müssen das Primat der Politik wieder stärken, sie muss die Finanzmärkte stoppen können", so Juncker. Die Politik sei nur soweit erpressbar, wie sie sich erpressen lasse.
Zugleich forderte Juncker eine Reform der europäischen Wirtschaftspolitik. Nötig sei eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, die vor allem in der Eurozone die Wirtschaftspolitik verstärkt koordiniere.
Der frühere Chef der Wirtschaftsweisen Bert Rürup warnt unterdessen vor den Folgen einer möglichen Staatspleite Griechenlands. "Die europäische Staatengemeinschaft muss Griechenland bei der Bewältigung seiner Schuldenkrise helfen – und zwar im eigenen Interesse. Denn im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands – also eines Staatsbankrotts – würden rasch Länder wie Portugal, Spanien, Italien und Irland finanziell in die Knie gehen. Diese Länder müssten dann aufgrund des gestiegenen Misstrauens sehr viel mehr bezahlen, um Kredite zu bekommen," sagte der Ökonom sagte "Bild-Zeitung". Der Euro wäre dann als gemeinsame europäische Währung gefährdet.
Nach Ansicht Rürups wird Griechenland nicht alleine die Schuldenkrise bewältigen können: "Griechenland wird zwar radikal sparen müssen, aber die solider finanzierten Euro-Staaten werden sich zum Beispiel vor Bürgschaften für das Land nicht drücken können. Was aber nicht passieren darf, sind direkte Zahlungen oder eine teilweise Übernahme der griechischen Schulden." Griechenland hat einen Schuldenberg von rund 300 Milliarden Euro. Allein in diesem Jahr braucht das Land 50 Milliarden Euro frisches Geld vom Kapitalmarkt für Zinsen und Tilgung.
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