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26.02.10

Einstiegschance

Dividenden machen Aktien für Einsteiger attraktiv

Als "verblüffend und eine historisch einmalige Chance" bezeichnet der Chef einer Fondsgesellschaft ein neues Phänomen: Aktieninvestoren können oft mehr Rendite erzielen als jene, die Zinsen für an Unternehmen geliehenes Geld kassieren. Bei ausgewählten Aktien ist das eine Option für vorsichtige Anleger.

© dpa
Telekom Aktie über 5 Deutsche Mark. Gegenwärtig übertreffen die Dividenden die Anleihenrendite - eine Einstiegschance für vorsichtige Anleger
Telekom Aktie über 5 Deutsche Mark. Gegenwärtig übertreffen die Dividenden die Anleihenrendite - eine Einstiegschance für vorsichtige Anleger

Viel Erfreuliches hatte die Deutsche Telekom ihren Anlegern nicht mitzuteilen. Der Gewinn ist drastisch eingebrochen, und die Aussichten sind recht unsicher. Doch in einem Punkt versöhnte sie die Investoren: die Dividende bleibt auf Vorjahresniveau, bei 78 Cent je Aktie. Und noch wichtiger: Bis 2012 garantiert das Unternehmen eine Mindestausschüttung von 70 Cent pro Jahr.

Noch vier weitere Firmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax und dem MDax, in dem die mittelgroßen Unternehmen notiert sind, überraschten gestern ihre Anleger mit Ankündigungen zur Dividende. Allianz und Fielmann planen, die Ausschüttung zu erhöhen, Bayer will seine Dividende stabil halten, und BASF zahlt zwar etwas weniger als im Vorjahr, aber mehr als vom Markt erwartet. Auch viele andere europäische Firmen wollen mehr auszahlen, von Nestlé über den Versicherer Zürich bis zu den Pharmafirmen Novo Nordisk und Roche.

Weitere könnten folgen, glaubt Inigo Fraser-Jenkins von der Investmentbank Nomura. Viele Firmen hätten überreagiert, als sie die Dividenden im vergangenen Jahr europaweit im Schnitt um 29 Prozent kürzten. Sie hielten ihr Geld damals lieber zusammen als es auszuschütten. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet. "Die Angst um die Liquidität bei Firmen außerhalb der Finanzindustrie scheint überwunden und die Gewinne steigen wieder", so Fraser-Jenkins.

Doch die absolute Höhe der Dividende sagt recht wenig. Entscheidend ist letztlich die Höhe der Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs, also die Dividendenrendite, die Anleger erzielen. Und hier ist derzeit etwas Erstaunliches zu beobachten: Bei einer ganzen Reihe von Titeln ist die Dividendenrendite inzwischen höher als die Anleihenrendite, sprich, jene Investoren, die sich über Aktien an einem Unternehmen beteiligen, erzielen mehr Rendite als jene, die dem gleichen Unternehmen ihr Geld leihen und dafür Zinsen kassieren.

"Das ist verblüffend und eine historisch einmalige Chance", sagt Klaus Kaldemorgen, Chef der Fondgesellschaft DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. "Dies bietet risikoscheuen Anlegern eine gute Chance, mit einer risikoarmen Anlagestrategie am Potenzial der Aktienmärkte teilzunehmen." Das Beispiel der Telekom-Aktie macht es deutlich. Die Dividendenrendite beträgt hier rund acht Prozent. Besitzer von Telekom-Anleihen kommen dagegen nur auf 3,2 Prozent.

Die Aktienbesitzer haben jedoch nicht nur die höhere Rendite, sie können zusätzlich von Kurssteigerungen profitieren - die Anleihenbesitzer nicht. Sollte die Telekom-Aktie andererseits verlieren, so würden Anleger erst Verluste machen, wenn die Kurse mehr als acht Prozent pro Jahr nachgeben, auch für diesen Fall besitzen sie also einen komfortablen Puffer.

"Wenn ich zwischen Anleihen und Aktien wählen kann, dann würde ich derzeit Aktien vorziehen", sagt auch Franz Wenzel, zuständig für die Anlagestrategie bei Axa Investment Managers. Denn das seltene Phänomen, dass die Dividendenrendite über der Anleihenrendite liegt, erscheint nicht nur bei der Telekom-Aktie. In einer Reihe von Branchen ist es derzeit zu beobachten, außer bei Telekommunikationsunternehmen auch bei Versorgern, Medienunternehmen und Energie-Produzenten.

Diese Tatsache könnte viele Anleger dazu bewegen, in den kommenden Wochen verstärkt von Unternehmensanleihen in Aktien umzuschichten. Denn im vergangenen Jahr waren Zinspapiere der Unternehmen der große Renner. Viele Anleger waren im Frühjahr aufgesprungen, als die Kurse dieser Titel extrem tief lagen. Die Angst um die Weltwirtschaft hatte auch hier zu einem wahren Kursmassaker geführt. Anschließend floss aber so viel Geld wie noch nie in diese Papiere, was ihren Kursen wieder Auftrieb gab und im Gegenzug deren Rendite auf die aktuellen Tiefs drückte. Nun könnte die Gegenbewegung folgen.

Dies wiederum würde dann den entsprechenden Aktien auf die Beine helfen. Und dies entspräche auch der Beobachtung der vergangenen Jahre. Denn für Anleger zahlt es sich in der Regel aus, auf substanzstarke Unternehmen mit kontinuierlicher Dividendenpolitik zu setzen. Diese Firmen zahlen nicht nur jedes Jahr eine nette Summe aus, ihre Aktien, sie entwickeln sich meist auch noch besser als jene von Unternehmen, die keine oder nur wenig Dividende bezahlen.

Der DivDax, der die 15 dividendenstärksten Unternehmen des Dax vereint, entwickelt sich regelmäßig besser als der Gesamt-Index. Der Grund ist leicht gefunden: Das Potenzial eines Konzerns, eine stabile Dividende zu zahlen, ist ein Indikator für wirtschaftliche Solidität und ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Das belohnen die Anleger. Und die Firmen belohnen ihre Investoren im Gegenzug ebenso.

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