Bilanz
RWE sieht für Kohlekraftwerke kaum noch Zukunft
Montag, 19. April 2010 08:34 - Von Daniel WetzelDer Energiekonzern RWE hat seinen Gewinn auch im Krisenjahr und trotz sinkender Energienachfrage gesteigert. Bei der Vorstellung der Vorjahresbilanz kündigte RWE an, den Anteil von Kohlekraftwerken an der Energieerzeugung bis 2025 zu halbieren. Das knüpft RWE-Chef Jürgen Großmann aber an eine Bedingung.

Der größte deutsche Stromproduzent RWE will den Anteil umweltschädlicher Kohlekraftwerke in den nächsten Jahren dramatisch reduzieren. Das geht aus Planzahlen hervor, die der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann bei der Bilanzpressekonferenz am Konzernsitz in Essen präsentierte. Demnach sollen die Stromerzeugungskapazitäten der RWE bereits im Jahr 2025 zu 75 Prozent CO2-frei oder CO2-arm sein. „Voraussetzung ist, dass die Laufzeit der Kernkraftwerke in Deutschland verlängert wird und dass es für die EU auch nach 2020 bei klaren Zielen der Minderung der CO2-Emissionen bleibt“, sagte Großmann.
Großmann fordert eine Laufzeitverlängerung für alle 17 deutschen Atomkraftwerke. „Wir brauchen die Kernenergie, um die Stromversorgung sicherzustellen - erst recht in einer Zeit, in der zahlreiche geplante Kohlekraftwerke nicht gebaut werden.“ Sollte die Laufzeit nicht verlängert werden, müsste RWE noch in diesem Jahr sein Atomkraftwerk Biblis A in Hessen abschalten. Nach Ansicht von Großmann steht die Kernenergie dem Ausbau von Ökostrom nicht im Weg. „Anders als oft behauptet sind Kernkraftwerke flexibel genug, um sich schwankenden Stromeinspeisungen aus erneuerbaren Energien anzupassen.“
Die RWE AG konnte auch im Krisenjahr 2009 das Ergebnis steigern, weil ein Großteil der Stromproduktion der Jahre 2009 und 2010 bereits vor dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu relativ hohen Preisen auf Termin verkauft wurde. Der Umsatz ging zwar wegen sinkender Energienachfrage der Kunden leicht auf 47,7 Mrd. Euro zurück. Der betriebliche Gewinn stieg aber um 3,9 Prozent auf knapp 7,1 Mrd. Euro. Das für die Dividendenberechnung wichtige um Sonder- und Bewertungseffekte bereinigte „nachhaltige“ Nettoergebnis wuchs um 4,9 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro.Trotzdem soll die Dividende von 4,50 auf 3,50 Euro je Aktie sinken, weil RWE in diesem Jahr nur 53 Prozent des bereinigten Gewinns ausschütten will. Grund: Der Energieriese muss wegen der Wirtschaftskrise und Verzögerungen bei Kraftwerksprojekten seine Gewinnerwartungen für die kommenden Jahre herunterschrauben. Beim betrieblichen Ergebnis werde nun mit einer jährlichen Steigerung „am unteren Ende“ der Bandbreite von fünf bis zehn Prozent gerechnet, hieß es.
Das nachhaltige Nettoergebnis solle um durchschnittlich etwa fünf Prozent steigen – bislang waren zehn Prozent erwartet worden. Ab 2013 rechnen die Energiekonzerne mit zusätzlichen Kosten für den Kauf von CO2-Verschmutzungsrechten, die dann versteigert werden. Trotzdem erwartet RWE auch für 2013 ein Ergebnis über dem Niveau von 2009. .Erschienen am 25.02.2010
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