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24.02.10

Globales Währungssystem

Ökonomen rechnen mit Aufwertung des Yuan

Statt nur auf Euro und Dollar zu schauen, sollten sich die Augen stärker auf Chinas Währung richten: Volkswirte halten den Yuan für erheblich unterbewertet. Zwar wird der Yuan-Kurs staatlich festgelegt, aber jetzt gibt es erste Zeichen für eine deutliche Aufwertung der chinesischen Währung.

AFP

Am 1. Oktober 2009 hat China die Gründung der Volksrepublik vor 60 Jahren gefeiert. WELT ONLINE gibt einen Überblick über die Geschichte des Riesenreichs.

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Viel ist in den vergangenen Monaten geschrieben worden über das Abrutschen des Euro zum Dollar. Dabei ist der Wechselkurs zwischen europäischem und amerikanischem Geld keineswegs der allein bestimmende Faktor im globalen Währungssystem. Mindest ebenso wichtig ist das Verhältnis des chinesischen Yuan zum Dollar.

Da Amerika der größte Importeur, China seit 2009 der größte Exporteur ist, haben Verschiebungen zwischen beiden Devisen größte Auswirkungen auf den globalen Handel und die Kapitalmärkte. In den letzten Tagen hat es im Verhältnis der beiden Währungen zu knirschen begonnen. Der Yuan gewann gegenüber dem Doller binnen kurzer Zeit 0,1 Prozent an Wert. Zwar ist die Schwankung minimal, ja winzig. Experten vergleichen sie jedoch mit dem ersten Ausschlagen auf der Richter-Skala vor einem großen Erdbeben.

"Die Spekulationen über eine bevorstehende Aufwertung intensivieren sich", sagt Richard Yetsenga, Währungsanalyst bei HSBC. Seit Juni 2008 hat Peking den Kurs des Renminbi, so die offizielle Bezeichnung, bei 6,83 Dollar eingefroren. Während Yetsenga mit einer graduellen Verteuerung rechnet, erwartet Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O'Neill eine ruckartige Aufwertung um mindestens fünf Prozent.

Anders als der Euro oder der japanische Yen ist der Yuan nicht frei handelbar. Mittels Devisenbewirtschaftung übt Peking eine rigide Kontrolle über den Wechselkurs aus. Zwischen 2005 und 2008 ließ es die Währung um 21 Prozent zum Dollar steigen. In der sich zuspitzenden Finanzkrise fror es den Kurs dann aber wieder ein.

Volkswirte halten den Yuan für unterbewertet. Experten der Investmentbank Credit Suisse haben zuletzt ausgerechnet, dass das chinesische Geld 44 Prozent unter seinem fairen Wert notiert. Der Kalkulation lagen Kaufkraftparitäten zugrunde, also ein Vergleich dessen, was mit einem bestimmten Betrag in dem jeweiligen Land erworben werden kann. Allerdings gibt es auch Stimmen, denen zufolge die Unterbewertung nicht so eklatant ist: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kam im November zum Ergebnis, dass die chinesischen Währung nur rund zehn Prozent zu niedrig notiert.

Die Wissenschaftler der OECD rekurrierten auf den Balassa-Samuelson-Effekt, benannt nach Béla Balassa und Paul Samuelson. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler entwickelten ein alternatives Modell, um den fairen Wert einer Währung einzuschätzen. Demnach kann der Kaufkraftvergleich bei Schwellenländern wie China in die Irre führen. Emerging Markets sind häufig durch eine Zweiteilung des Preisniveaus gekennzeichnet.

International handelbare Güter wie Automobile oder Fernseher kosten in den Schwellenländern etwa genau so viel wie in den entwickelten Ökonomien. Andere, nicht handelbare Güter, wie beispielsweise Mieten, Taxifahrten oder Lebensmittel, werden dagegen auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau angeboten. So kann man in Peking oder Shanghai eine halbe Stunde mit dem Taxi durch die Stadt fahren und zahlt dennoch selten mehr als fünf Euro. Ein gutes Mittagessen ist für drei oder vier Euro zu bekommen. Nach Balassa und Samuelson sind die Resultate konventioneller Kaufkraftvergleiche verzerrt, da sie meist nur auf handelbaren Gütern basieren.

Selbst wenn der Balassa-Samuelson-Effekt einkalkuliert wird, bleibt das Ergebnis, dass Peking seine Währung künstlich niedrig hält, wenn auch nicht so stark wie manchmal angenommen:

Für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte ist das trotzdem ein Problem: Aus chinesischer Sicht erschwert der günstige Yuan Einfuhren und erleichtert Ausfuhren. Vordergründig hat die Volksrepublik davon nur Vorteile. Allerdings steht dem Überschuss in der chinesischen Handelsbilanz ein beträchtliches Defizit in der amerikanischen entgegen. Die USA sind dadurch auf Kapitalimporte angewiesen, die meistens aus Asien stammen.

Peking seinerseits hat durch seine Devisenmarktinterventionen gewaltige Währungsreserven angehäuft. Ende 2009 war dieser Staatsschatz 2,4 Billionen Dollar schwer. Soviel Geld kann jedoch kaum irgendwo sinnvoll angelegt werden, außer in amerikanischen Bundesanleihen. So wurde die Volksrepublik zusammen mit Japan zum größten Gläubiger der Vereinigten Staaten. Jeder Wertverlust des Dollar, jeder Börsencrash in China könnte dieses fragile Gleichgewicht zerstören. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären kaum zu ermessen.

Der an den Dollar gezurrte Yuan hat noch weitere Nachteile: Zum einen fördert die systematische Unterbewertung die Inflation im Lande, die Peking ohnehin schon Kopfzerbrechen bereitet: Vor allem die Immobilienpreise in den Küstenmetropolen gehen durch die Decke. Zum Teil stiegen die Preise 2009 um 30 Prozent. Zum anderen hindert die Devisenkontrolle China daran, einen international konkurrenzfähigen Kapitalmarkt aufzubauen. Die Volksrepublik will Shanghai bis 2020 als internationales Finanzzentrum etablieren. Um ausländisches Kapital anzuziehen, muss der Yuan jedoch zuerst konvertibel gemacht werden.

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