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18.02.10

Lufthansa-Streik

Montag droht auch bei der Bahn das große Chaos

Deutschland steht vor einem Verkehrskollaps: Weil ab Montag die Lufthansa-Piloten streiken, droht auch Bahnreisenden Ungemach. Gewerkschaften und Fahrgastverbände erwarten knallvolle Züge und verpasste Anschlüsse. Grund sind eine Kooperation der beiden Unternehmen – und die ICE-Probleme.

© dpa
S-Bahn-Chaos in Berlin: Sieht es so bald auch an anderen deutschen Bahnhöfen aus?
S-Bahn-Chaos in Berlin: Sieht es so bald auch an anderen deutschen Bahnhöfen aus?

Deutschland droht am Montag ein Verkehrschaos. Der Lufthansavorstand rechnet fest damit, dass die Piloten am kommenden Montag fast den gesamten Flugbetrieb lahm legen werden. Die Lufthansa hat täglich 700 Piloten im Einsatz und deshalb reicht es laut Passagevorstand Christoph Franz aus, "wenn nur 350 der Lufthansa-Piloten am Montag streiken, um den ganzen Konzern lahm zu legen."

Viele Geschäftsleute werden deshalb versuchen auf die Bahn auszuweichen, da dort die bereits bezahlten Lufthansa-Tickets gelten oder Bahnkarten von der Fluggesellschaft bei Annulierung des Fluges erstattet werden.

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, erwartet deswegen ein "Chaos im Schienenverkehr". "Wir pfeifen schon jetzt personell und technisch auf dem letzten Loch. Da nutzt die beste Kooperation von Bahn und Lufthansa nichts, wenn die Züge bereits jetzt übervoll sind." Die Bahn müsse nun "alles unternehmen, um diesen Ansturm zu bewältigen", vor allem müsse sie zusätzliches Personal einsetzen. "Entsprechende Pläne müssen innerhalb von 48 Stunden auf den Weg gebracht werden, damit ab Wochenbeginn reagiert werden kann", sagte Hommel.

Auch Karl-Peter Naumann, der Vorsitzende des Fahrgast-Verbandes Pro Bahn, rechnet ab Montag mit knallvollen Zügen, Stehplätzen und verpasste Anschlüssen. "Normalerweise kann die Deutsche Bahn derartige Situationen stemmen, aber derzeit geht dort selbst alles drunter und drüber."

Vor allem auf den Strecken Hamburg-München und Köln-Frankfurt kann es eng werden. "Zwischen Hamburg und München fährt nur jeder zweite Zug in voller Länge. Und im Fall von Köln-Rhein-Main kann die Bahn nur ICE-3-Züge einsetzen", sagt Naumann. Aufgrund der vom Eisenbahnbundesamt (EBA) angeordneten verkürzten Prüfintervallen bei den Achsen fehlen der Bahn derzeit besonders ICE-3-Züge. "Man kann nur hoffen, dass die Bahn die Lufthansa-Kunden nicht auf die ohnehin überfüllten Züge verteilt", sagte der ProBahn-Chef.

Dass sich die Situation so schnell zuspitzen könnte, damit hat auch Lufthansa-Arbeitsdirektor Stefan Lauer überrascht. "Mit einem viertägigen Streik hat keiner in der Geschäftsleitung gerechnet." Lauer hält die Streikandrohung der VC für rechtlich fragwürdig und lässt gerade die Verhältnismäßigkeit prüfen. Das Ergebnis wird aber erst am Montagmittag erwartet.

Sollten die Piloten wirklich für vier Tage die Lufthansa lahm legen, würde dies nach Angaben von Passagevorstand Franz zu direkten Einnahmeausfällen von rund 100 Mio. Euro führen.

Laut Arbeitsdirektor Lauer geht es in dem Tarifkonflikt nicht primär um Geld. "Es geht der VC um unternehmerischen Einfluss. Arbeitsplatzsicherheit wäre ein legitimes Anliegen und wäre auch verhandelbar. Die VC möchte aber unternehmerisch mitentscheiden." Dies könnte die Geschäftsführung nicht zulassen, weil es der LH wichtige Wachstumsmöglichkeiten verbauen würde.

Die Pilotengewerkschaft wies dies zurück. Dies sei eine Behauptung, die jeder Grundlage entbehre, sagte Ilona Ritter, Vorsitzende Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit. Zu keinem Zeitpunkt habe die Gewerkschaft solche Forderungen aufgestellt.

In einem Brief an ihre Mitglieder, der Morgenpost Online vorliegt, bekräftigte die VC-Führung allerdings noch einmal ihre Forderung nach weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Entscheidungen. So solle "die Beteiligung an einer ausländischen Fluggesellschaft unter der Dachmarke Lufthansa zur vollumfänglichen Integration in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrages unter den jeweils gültigen Tarifbedingungen der Passage oder der Fracht" führen. Das heißt übersetzt: Alle Piloten in ausländischen Tochtergesellschaften würden künftig wie ihre Kollegen in Deutschland bezahlt werden.

Quelle: ddp/dpa/lw
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