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Edelmetalle

Die Suche nach der größten Goldmünze der Welt

Eine Edelmetallagentur aus Frankfurt will ein 103,6 Kilo schweres Goldstück als "größte Münze der Welt" vermarkten. Experten sprechen von schlechtem Marketing-Gag. Denn dieses fast drei Millionen Euro teure Goldstück ist keine Münze. Die größte echte Goldmünze stammt aus Kanada und ist heiß begehrt.

Gold
Foto: Promo
Goldmedaillen werden in Kürze bei den Olympischen Spielen in Vancouver gefragt sein - diese allerdings sorgt für Stirnrunzeln bei Münzexperten

77,2 Kilo – so schwer muss der Klumpen aus Gold gewesen sein, den Hans im Glück nach sieben Jahren treuer Arbeit als Lohn von seinem Herrn bekam. Das haben findige Mathematiker ausgerechnet, die dem Kopf des Märchenhelden – so groß wie der war der Schatz ja angeblich – ein Volumen von vier Kubikdezimetern zugestanden. Kein Wunder, dass Hans das Gold, kaum dass er seinen Weg nach Hause angetreten hatte, entnervt gegen ein Pferd tauschte.

Wie weit Hans es wohl geschafft hätte, wäre sein Arbeitgeber bereits im Besitz jenes Goldschatzes gewesen, den jetzt eine Frankfurter Firma namens „Global Metal Agency“ auf den Markt zu gedenken bringt? Die Fakten jedenfalls sprechen dafür, dass Hans dem Reiter, mit dem er schließlich handelseinig wurde, womöglich gar nicht erst begegnet wäre. Denn das gute Stück mit dem Namen „Global Liberty“, das dem Anbieter zufolge die „größte Goldmünze der Welt“ werden soll, wiegt mit 103,6 Kilogramm noch mal satte 26,4 Kilo mehr als Hans’ Klumpen. Und dürfte zudem mit 50 Zentimetern Durchmesser deutlich unhandlicher sein als dieser.

Die GMA, nach eigenen Angaben „eine Agentur zur Vermittlung von Edel- und Industriemetallen“, will das überdimensionale Goldstück aus 999-er Feingold auf eine Auflage von drei Exemplaren limitieren und nimmt ab sofort Bestellungen entgegen. Als Motive hat das Haus für die Vorderseite eine Abbildung der Weltkarte gewählt, auf der Rückseite soll das Brandenburger Tor zu sehen sein, das, so die Anbieter, „wie kaum ein anderes Symbol die Freiheit und den ewig menschlichen Drang danach“ verkörpere. Ach ja, und dann wäre da noch der Preis. 2,99 Millionen Euro soll das Prachtexemplar kosten – macht heruntergerechnet auf die 3333 Unzen, aus denen der Riesentaler bestehen soll, satte 897 Euro pro Feinunze (31,1 Gramm). Das ist noch mal ein satter Aufschlag auf den aktuellen Marktpreis, der bei knapp unter 800 Euro liegt. Exklusivität hat eben ihren Preis.

Doch damit nicht genug. Denn die „größte Goldmünze der Welt“ ist der Definition nach überhaupt keine Münze. „Eine Münze ist in der Regel offizielles Zahlungsmittel eines Landes und besitzt grundsätzlich einen aufgeprägten Nennwert“, sagt Joachim Schwiening, Geschäftsführer des Online-Münzportals MA-Shops.

Von einem Nennwert, dessen Angabe die Münze als „von offizieller Stelle ausgegeben“ ausweist, ist allerdings auf der Münze trotz ihrer Größe nichts zu erkennen. Damit ist der Riesentaler keine Münze, sondern eine Medaille. „Ein Anbieter auf diesem Feld sollte diesen Unterschied schon kennen“, sagt Schwiening, der die Aktion denn auch für einen „nicht besonders guten PR-Gag“ hält. Das mag der „Global Metal Agency“ auch aufgegangen sein – der Bitte um einen Rückruf jedenfalls kam die GMA bis Redaktionsschluss nicht nach.

Die wahrhaft größte Goldmünze der Welt, eine 100-Kilo-Prägung des kanadischen Maple Leaf aus dem Jahr 2007, muss sich denn auch um ihren Rekordstatus keine Sorgen machen. Sie war im Mai 2007 von der Prägeanstalt Royal Canadian Mint als Einzelstück angefertigt worden, um sie als Eyecatcher für den Vertrieb der motivgleichen Ein-Unzen-Ausgabe der Münze einzusetzen. Doch schon kurz nach der Vorstellung der Mammutmünze liefen bei der Prägeanstalt die Telefone heiß – das drei Zentimeter dicke Stück aus 24-karätigem Gold war sofort in aller Welt begehrt und wurde entsprechend rege geordert.

Wer sich dagegen wirklich für eine der drei „größten Goldmedaillen der Welt“ interessiert – so sie denn tatsächlich entstehen sollten – informiert sich vorher am besten noch einmal sehr gründlich. Nur um sicherzugehen, dass es ihm nicht ergeht wie Hans im Glück. Der stand bekanntlich am Ende, jedenfalls rein materiell betrachtet, mit leeren Händen da.



Erschienen am 09.02.2010

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