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Investments

Anleger tasten sich an deutsche Fonds heran

Das Vertrauen in die Anlageform Fonds kommt langsam zurück. Allerdings setzen immer mehr Anleger auf ETFs statt auf gemanagte Fonds. Die Fondsbranche reagiert mit zusätzlichen "Erfolgsgebühren" für erfolgreich gemanagte Fonds. Anlegerschützer kritisieren die neuen Gebühren.

Von einer neu entdeckten Liebe zu sprechen, wäre übertrieben. Doch zumindest laufen Anleger nicht mehr in Scharen davon, wenn sie nur das Wort Fonds hören. "Das Vertrauen ist gewachsen", sagte Wolfgang Mansfeld, scheidender Präsident des Bundesverbandes Investment und Assetmanagement (BVI).

Nach Abzug des Wertzuwachses durch die positive Börsenentwicklung flossen 2009 in Publikumsfonds 2,1 Mrd. Euro an neuen Mitteln. Das ist zwar eine deutliche Steigerung gegenüber 2008, als die Sparer 28 Mrd. Euro abzogen. Zwischen 2005 und 2007 verzeichnete die Branche allerdings noch Zuflüsse von durchschnittlich gut 30 Mrd. Euro.

Über frisches Geld konnten sich vor allem Anbieter von Aktienfonds freuen. Die Produkte waren im Vorjahr so stark gefragt wie zuletzt auf dem Höhepunkt des Börsenbooms 2000. Knapp 15 Mrd. Euro zahlten Anleger ein. Allerdings wird bei der Verteilung auf die Anlageregionen auch hier die noch weit verbreitete Risikoscheu deutlich. Sparer bevorzugten vertraute Gefilde.

Rund die Hälfte der neuen Mittel floss in Regionen, die Anleger glauben, gut einschätzen zu können: in Fonds mit Schwerpunkt Deutschland und Europa. Dagegen mussten Produkte, die sich auf die großen, fernen Volkswirtschaften USA und Japan konzentrieren, Abflüsse im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen.

Bei der regionalen Verteilung verzeichneten lediglich Schwellenländerfonds ebenfalls Zuflüsse von mehr als einer Milliarde Euro. Vermögensverwalter kritisieren seit langem, dass viele Depots hierzulande ein zu hohes Gewicht auf Deutschland und Europa haben und so unnötige Klumpenrisiken entstehen.

Neben Aktienfonds waren Mischfonds gefragt, die in Anleihen und Aktien investieren. Hier lag das Mittelaufkommen bei 6,4 Mrd. Euro. Offene Immobilienfonds liegen mit 3,2 Mrd. Euro auf Rang drei. Dem stehen minus 30 Mrd. Euro bei Geldmarktfonds gegenüber.

Immer wichtiger für die Fondsbranche werden passive Indexprodukte, sogenannte ETFs, die ein Börsenbarometer eins zu eins abbilden. Ohne ETFs hätten die Anbieter von Publikumsfonds auch 2009 mehr Abflüsse als Zuflüsse zu verkraften gehabt. Indexprodukte steuerten 10,4 Mrd. Euro zum Mittelaufkommen bei. "ETFs haben sich damit zu einem wichtigen Segment der Investmentfondsbranche entwickelt", sagte Mansfeld.

Der wirtschaftliche Druck auf die Branche wird durch die Entwicklung allerdings nicht kleiner, sondern eher größer. Denn an ETFs verdienen die Gesellschaften weniger als an den von einem Manager aktiv verwalteten Fonds. Als Ausweg verlangen die Anbieter bei klassischen Investmentfonds neben den ohnehin anfallenden Kosten vermehrt erfolgsabhängige Gebühren. Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) erhöhen sich dadurch nicht nur die Fondskosten, die Lage wird auch immer undurchsichtiger. "Intransparente Kostenstrukturen und das Abkassieren beim Privatanleger scheinen immer mehr in Mode zu kommen", so die SdK.

Der Lobbyverband BVI will unter dem neuen Präsidenten Thomas Neiße, dem obersten Fondsmanager der Sparkassen-Organisation Deka, am Image der Fonds arbeiten. "Die Bedeutung dieser Branche wird unterschätzt, für die Altersvorsorge, aber auch als Eigenkapitalbeschaffer der Unternehmen und Arbeitgeber", sagte er. Noch sind die Ansätze vage. Unter anderem soll der Druck auf die Politik durch eine stärkere Verbandspräsenz in Berlin erhöht werden.

"Wir wollen nicht immer erst ankommen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist", so Neiße. In der Vergangenheit fühlten sich die BVI-Mitglieder gerade im Vergleich zu den Versicherungen nicht immer gut vertreten. Die Niederlage im Rahmen der Abgeltungsteuer schmerzt viele noch heute. Anders als für Lebensversicherungen gibt es für Fondssparpläne keine Sonderregel. Neiße schloss nicht aus, dass der bislang in Frankfurt sitzende Verband komplett nach Berlin zieht. "Fragen Sie mich in zwei Jahren noch einmal", sagte er.

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