Zertifikate
Diese Airbags schützen vor dem Börsencrash
Die Skepsis ist an die Börsen zurückgekehrt, immer mehr Börsianer fürchten deutliche Kursverluste für die kommenden Monate. Wer daran glaubt, kann die eigenen Depots aber absichern. So können sogenannte Put-Optionsscheine und Short-Turbos die Kassen klingeln lassen – auch in einem schwierigen Börsenumfeld.
Von Ralf Andreß
Die im März vergangenen Jahres gestartete Erholungsrallye ist endgültig ins Stocken geraten. Und der damit einhergehende Optimismus wandelt sich in Absturzpanik. Der Dax hat seit den Zwischenhochs Anfang Januar schon mehr als 500 Punkte und damit beinahe zehn Prozent an Wert eingebüßt. Bei anderen großen Indizes sieht es noch schlimmer aus. Vor allem an den zuvor besonders starken asiatischen Börsen geht es derzeit zur Sache. So hat der Hang Seng China Enterprise, ein Index für chinesische Unternehmen, deren Aktien an der Börse in Hongkong gehandelt werden, seit den Jahreshochs bereits mehr als 15 Prozent nachgegeben. Seit dem Zwischenhoch im November sind es sogar 20 Prozent.
Wie es weitergeht, ist ungewiss. Zumal die Störfeuer von ganz unterschiedlicher Seite kommen. Die in vielen Indizes hoch gewichteten Aktien von Finanzwerten leiden unter den Regulierungsplänen der US-Regierung. Der Gesamtmarkt blickt sorgenvoll nach Griechenland, Portugal und Spanien, deren Schulden aus dem Ruder laufen und das Gefüge des Euro ins Wanken bringen könnten. Zur Vorsicht mahnen aber auch charttechnische Analysten. Die Techniker der DZ Bank sehen den Dax in einem "signifikant intakten Abwärtstrend" und machen vorerst ein weiteres Rückschlagspotenzial bis in den Bereich von 5180 Punkten aus.
Anleger, die ihr Depot angesichts der beunruhigenden Rahmendaten gegen Verluste absichern wollen, stehen mit Put-Optionsscheinen und den sogenannten Short-Turbos zwei unterschiedliche Produkttypen zur Verfügung. Beide profitieren im Gegensatz zu "Calls" und "Long"-Papieren von fallenden Dax-Kursen. Sie funktionieren allerdings sehr unterschiedlich.
Einfacher zu verstehen ist die Funktionsweise der auch als Knock-Outs oder Mini Futures bezeichneten Turbo-Papiere, wie einem von der Deutschen Bank angebotenen Dax-Short mit Basispreis bei 6010,6 Punkten (WKN: DB5H5S). Der aktuelle Wert des Hebelpapiers errechnet sich relativ genau, indem der derzeitige Dax-Stand von 6010,6 abgezogen und das Ergebnis durch 100 geteilt wird. Bei aktuellen Kursen um 5430 Punkte ergeben sich so Preise um 5,80 Euro je Schein. Bei einem Absturz des Dax um 1000 Punkte bleibt die Mathematik die gleiche, sodass der Wert des Short-Papiers auf rund 15,80 Euro in die Höhe schnellt. Bei stärkeren Dax-Verlusten entsprechend mehr.
Knackpunkt der Turbo-Investition ist, dass diese Papiere trotz einer im Prinzip unbeschränkten Laufzeit (Open end) sofort wertlos verfallen, sobald der Dax ein einziges Mal die sogenannte Stop-Loss-Marke erreicht, die in diesem Fall ebenfalls bei 6010,6 liegt. Zu beachten ist aber, dass der Basispreis täglich abhängig vom Zinssatz geringfügig nach oben oder unten angepasst wird und sich über die Zeit verändert. Diese Anpassungen bewegen sich allerdings nur im Zehntel oder Hundertstel Prozentbereich, sodass vor allem auf kurze Sicht keine nennenswerten Negativeffekte dadurch zu befürchten sind.
Etwas komplizierter ist die Wertermittlung bei klassischen Put-Optionsscheinen. Hier ist ein vorzeitiger Verfall generell ausgeschlossen und auch der Basispreis bleibt über die Zeit konstant. Dafür ist die aktuelle Preisbildung nicht ohne weiteres zu erfassen, weil in den Produktpreis nicht nur der Indexstand, sondern auch schwer fassbare Faktoren wie etwa die Marktvolatilität einfließen. Dies kann für Anleger allerdings auch positive Auswirkungen haben, was insbesondere für Put-Spekulationen gilt.
Denn der Wert klassischer Optionsscheine steigt bei anziehender Volatilität grundsätzlich an, selbst wenn sich der Kurs des Dax überhaupt nicht verändern würde. Dies gilt für beide Sorten von Optionsscheinen, also für Calls ebenso wie für Puts. Hilfreich ist dies bei Depotabsicherungen, weil es bei einem Börsencrash in der Regel immer zu einem deutlichen Anstieg der Volatilität kommt, die letztlich so etwas wie der Gradmesser für die Angst der Profi-Anleger am Terminmarkt ist.
Indirekt profitiert der Put-Besitzer dann zum einen von sinkenden Dax-Kursen und zum anderen vom Anstieg der im sogenannten VDax abgebildeten Volatilität. Bei einem derzeit zu 4,99 Euro angebotenen Dax-Put der BNP Paribas (WKN: BN1H86, Basis: 5500) würde ein Indexeinbruch um zehn Prozent per Mitte Juni nach Berechnungen des Szenariorechners auf Onvista.de bei unveränderter Volatilität zu einem Kursplus von knapp 44 Prozent auf etwa 7,15 Euro führen. Wenn die Volatilität - was nahezu sicher ist - gleichzeitig um zehn Prozent ansteigt, dann erhöht sich der mögliche Gewinn auf beinahe 70 Prozent (Kurswert: 8,43 Euro).
Fazit : Hebelprodukte eignen sich sehr gut, um sich für vorübergehende Rückschläge zu wappnen oder diese gezielt für sich zu nutzen. Aufgrund des Hebeleffekts können zudem schon mit vergleichsweise geringen Stückzahlen relativ hohe Gewinne erzielt werden.
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