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04.02.10

Vorlage der Bilanz

Josef Ackermann umarmt seine Kritiker

Josef Ackermann wusste, wie wichtig sein Auftritt für das Image der Branche sein würde. Und dieses Mal gab er sich große Mühe, seine Kritiker nicht zu erzürnen. "Banken müssen Menschen dienen", sagte er. Auch die Boni werden künftig niedriger ausfallen. Einen freiwilligen Boni-Verzicht lehnt er jedoch ab.

Josef Ackermann wusste um den Ernst der Lage. Wie wichtig dieser Auftritt für sein Image in der deutschen Öffentlichkeit sein würde. Ungewohnt steif trat der Vorstandschef der Deutschen Bank auf die Bühne, und man konnte ihm ansehen, wie er seine Gesichtszüge kontrollierte.

Es kostete die Fotografen große Mühe, wenigstens zwischendurch das typische Ackermann-Lächeln mit den leicht gebleckten Zähnen herauszukitzeln. Die ernste Miene hellte sich auch während seiner halbstündigen Rede kaum auf. Vor allem aber vermied er peinlichst das böse Wort mit Ü, das ihm in den vergangenen Tagen so oft vorgehalten worden war: Überregulierung.

Ackermanns Beitrag zur Debatte um Exzesse im Bankensystem hatte zuletzt viele erzürnt. Politiker und Industriemanager sahen seine Auftritte als einen Beleg dafür, wie sehr sich das Bankensystem vom Rest der Wirtschaft entfernt habe. Denn Ackermann war zuletzt vor allem damit aufgefallen, vor zu strenger Regulierung zu warnen.

Bei der Vorlage der Bilanz gab sich der Deutsche-Bank-Chef ganz anders. Nur in einem Halbsatz erwähnte er, dass man die richtige Balance zwischen Stabilität und Leistungsfähigkeit des Finanzsektors finden müsste. Ansonsten bemühte er sich, seinen Kritikern die Hand zu reichen.

Er nehme es sehr ernst, wenn ein Manager wie Bosch-Chef Franz Fehrenbach die Banken kritisiere. "Wir wissen, Banken können in einer Parallelwelt nicht gedeihen, sie brauchen die Zustimmung der Menschen", sagte Ackermann. Deshalb müssten sie nicht nur der so genannten realen Wirtschaft dienen, "nein, mehr noch: Sie müssen den Menschen dienen". Dazu müsse die Deutsche Bank aber wettbewerbsfähig bleiben. Nur so könne man Steuern zahlen und für soziale Zwecke spenden.

Allerdings: Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank nur 200 Mio. Euro Steuern gezahlt – Gutschriften für frühere Jahre machten es möglich.

Das Bemühen der Deutschen Bank, den Eindruck neuer Exzesse zu vermeiden, schlägt sich auch in den Zahlen nieder – wenn auch stärker bei den Ausschüttungen für die Aktionäre als bei denen für die Mitarbeiter. Trotz eines Gewinns von fünf Mrd. Euro hebt das Geldhaus die Dividende gegenüber dem Verlustjahr nur um 25 Cent an und zahlt nun 75 Cent pro Aktie. Analysten hatten sich wenigstens einen Euro erhofft. "Derzeit steht nicht die Dividende im Zentrum, sondern die Kapitalstärke einer Bank", sagte Ackermann.

Die Deutsche Bank kommt nun auf eine Kernkapitalquote von 12,6 Prozent und steht damit im Vergleich zu vielen Konkurrenten gut da. Damit sieht Ackermann sein Haus für die absehbare schärfere Regulierung gerüstet. Er deutete jedoch zugleich an, dass diese Ausschüttungspolitik nicht von Dauer sein werde: "Wir müssen auch die Investoren bei Laune halten." Die Aktionäre akzeptierten die vorübergehende Durststrecke: Die Aktie legte um rund ein Prozent zu.

Die Mitarbeiter profitieren dagegen vom höheren Gewinn. Der Personalaufwand stieg 2009 um 18 Prozent auf 11,3 Mrd. Euro. Die variablen Vergütungen legten angesichts des guten Ergebnisses zu.

Zwar kündigte Ackermann an, das Bonussystem den neuen internationalen Richtlinien anzupassen, so dass die Boni künftig geringer ausfallen werden. Im Gegenzug sollen jedoch ebenso wie bei anderen Banken die Fixgehälter steigen.

Auch einen freiwilligen Bonus-Verzicht der Vorstände wie im vergangenen Jahr lehnte Ackermann ab. Der Verzicht nach dem Verlustjahr sei für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen, sagte er mit der für diesen Tag so typischen ernsten Miene. "Ich finde es aber auch eine Selbstverständlichkeit, dass wir in einem Jahr mit guten Gewinnen so bezahlt werden, wie es uns vertraglich zusteht."

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