Emnid-Umfrage
Deutsches Gesundheitswesen ist gut, aber zu teuer
Donnerstag, 11. Februar 2010 09:38 - Von Stefan von BorstelNoch vor der Ankündigung der Zusatzbeiträge durch die Krankenkassen hat Emnid die Bürger nach ihrer Zufriedenheit mit dem Gesundheitswesen befragt. Rund drei Viertel der Befragten halten das die medizinische Versorgung für gut, ein fast gleich großer Anteil klagt aber über Verschwendung.

Die gestern angekündigte Erhebung eines Zusatzbeitrages durch erste Krankenkassen habe in dieser Umfrage noch nicht berücksichtigt werden können, sagte Schöppner weiter. 46 Prozent der Befragten fürchten, dass der Krankenkassenbeitrag in den nächsten Jahren noch weiter steigen wird. Der gleiche Prozentsatz spricht sich für eine Reform des Gesundheitsfonds aus, 25 Prozent sind sogar für seine Abschaffung.
Überraschenderweise ist die Reformbereitschaft der Deutschen, denen oft eine Reformmüdigkeit nachgesagt wird, der Umfrage zufolge recht hoch. 62 Prozent sind für Reformen im Gesundheitswesen. Nur bei der Bildung (73 Prozent) und am Arbeitsmarkt (64 Prozent) sehen sie einen noch höheren Reformbedarf. 70 Prozent rechnen damit, dass ihnen eine Reform eher nützt als schadet. „Nach der Reform ist vor der Reform“, kommentierte Schöppner das Stimmungsbild zur Gesundheitspolitik. Die große Koalition hat sich die Einführung einer einkommensunabhängigen Prämie im Gesundheitswesen vorgenommen. Für Geringverdiener soll es einen sozialen Ausgleich aus dem Steuersystem geben. Der Gesundheitsökonom Bert Rürup kritisierte, die Zusatzbeiträge seien nur der Einstieg in die einkommensunabhängige Kopfpauschale. Eine solche Umstellung sei zwar richtig, mache aber einen Ausgleich für Einkommensschwache in Höhe „von mindestens 25 Milliarden Euro pro Jahr“ notwendig, sagte Rürup dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. So ein Betrag sei nicht aus der Portokasse zu finanzieren.Nach den von mehreren Krankenkassen angekündigten Zusatzbeiträgen werden die Forderungen nach Einsparungen lauter. Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) forderte von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ein Sparpaket. „Ich würde mir wünschen, dass er endlich Vorschläge zur Reduzierung des Defizits in der gesetzlichen Krankenversicherung macht“, sagte Söder der „Süddeutschen Zeitung“. Rösler müsse vor allem die überbordende Bürokratie angehen: „Da liegen die größten Reserven.“ Die Honorare der Ärzte sollten nicht sinken.
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig warf Rösler fehlende Sparbemühungen vor. Rösler habe „einfach die Kosten laufen lassen“ und scheue sich vor allem vor Sparmaßnahmen im Arzneimittelbereich, sagte die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern dem Fernsehsender N24. Die Kassen erwartet in diesem Jahr ein Defizit von 7,8 Milliarden Euro. Die Hälfte davon wird durch zusätzliche Steuerzuschüsse ausgeglichen. Die andere Hälfte müssen die Kassen selbst tragen. Versicherte, die den Zusatzbeitrag nicht zahlen wollen, müssen mit Gehaltspfändungen rechnen. „Bei Nichtzahlern leiten wir ein Mahnverfahren ein“, sagte Helmut Wasserfuhr, der Vorsitzende der Kasse GBK, der „Bild“-Zeitung. „Das geht gegebenenfalls bis zur Pfändung von Gehalt oder Rente.“Erschienen am 26.01.2010
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