Hauptstadtflughafen BBI
Easyjet setzt weiter auf Liebesaffäre mit Berlin
Als internationale Drehscheibe sieht Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber Berlin noch lange nicht. Billigflieger Easyjet setzt hingegen auf den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld. Mit Morgenpost Online sprach Easyjet-Deutschlandchef Thomas Haagensen über die Pläne seines Unternehmens in Berlin.
Von Katrin Schoelkopf
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber nannte Berlin diese Woche eine "hochattraktive Metropole". Den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld aber sieht der Manager mangels Wirtschaftskraft vorerst nicht als bedeutende Drehscheibe. Bis es internationale Langstrecken am BBI gebe, werde es noch "lange dauern". Bei der Entwicklung des Punkt-zu-Punkt-Verkehrs innerhalb Europas sehen die Chancen dagegen gut aus, heißt es beim britischen Billigflieger Easyjet. Dieser richtete 2004 seine erste deutsche Basis in Schönefeld ein und wuchs seitdem kräftig: von damals 13 Strecken auf heute 31. Über die Pläne von Easyjet in Berlin und die Bedeutung des neuen Hauptstadtflughafensfür den Billigflieger sprach Katrin Schoelkopf mit Easyjet-Deutschlandchef Thomas Haagensen (37).
Morgenpost Online: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sieht den neuen Hauptstadtflughafen BBI mangels Wirtschaftskraft vorerst nicht als internationale Drehscheibe. Welche Bedeutung hat der Flughafen für Easyjet?
Thomas Haagensen: Erst einmal haben wir ein ganz anderes Geschäftsmodell als die Lufthansa. So ist die Langstrecke für uns kein Thema. Wir setzen auf den Punkt-zu-Punkt-Verkehr innerhalb Europas. Während die Lufthansa ihren Fokus auf die Drehscheiben München und Frankfurt legt und keine neue Drehscheibe in Berlin braucht, liegt unser Fokus in Deutschland auf Berlin. Hier liegt noch ein großes Potenzial, denn Berlin ist außerordentlich interessant für die Europäer. Und auch die Berliner schätzen die sogenannten Sommerstrecken. So eröffnen wir in diesem Sommer zwei neue Strecken: nach Split und Korfu. Damit bieten wir dann 31 Destinationen von Berlin aus an.
Morgenpost Online: Zurück zum BBI. Werden Sie Ihr Angebot dort aufrechterhalten? Schließlich setzt Easyjet als Billigflieger auf niedrige Flughafengebühren. Am BBI aber wird es sicher nicht günstiger.
Thomas Haagensen: Wenn wir am Gate 25 Minuten brauchen, um 130 Passagiere durchzubringen, während Konkurrenten doppelt so viel Zeit für die Hälfte der Fluggäste brauchen, dann muss sich das natürlich auch in den Gebühren niederschlagen. Wir warten darauf, dass die Flughafengesellschaft zur Frage der Gebühren Verhandlungen mit uns aufnimmt.
Morgenpost Online: Könnte es sein, dass Sie wegen zu hoher Gebühren den BBI nicht mehr anfliegen?
Thomas Haagensen: Wir bleiben auf jeden Fall am BBI und wollen dort der Home Carrier...
Morgenpost Online: Sie stationieren dort also Flugzeuge.
Thomas Haagensen: ... werden. Es ist uns wichtig, an großen zentralen Flughäfen zu sein, auch weil wir damit zunehmend Geschäftsreisende als Kunden gewinnen. Deren Anteil an unserem Passagieraufkommen liegt mittlerweile europaweit bei 20 Prozent. Am BBI werden wir ins Nordpier ziehen. Es geht uns gut in Berlin. Wir lieben Berlin und wollen, dass diese bereits Jahre währende Love Affair weitergeht.
Morgenpost Online: Werden Sie mit Start des BBI im Herbst 2011 Ihr Angebot erweitern?
Thomas Haagensen: Wir sehen noch Potenzial, weil immer noch viele Europäer nach Berlin wollen. Sehen Sie, ich habe heute wegen der Grünen Woche kein Taxi gefunden. Das zeigt doch, dass viele Gäste nach Berlin kommen, sei es geschäftlich oder nur für einen Short Break. Es ist wichtig, dass wir auf den europäischen Strecken noch stärker werden. Welche neuen Ziele wir noch anbieten werden, kann man heute noch nicht sagen. Dazu ist es zu früh.
Morgenpost Online: Gegen die Nachtflugregelung für den BBI wird geklagt. Erlaubt sind bis zu 103 Flüge von 22 bis 24 und fünf bis sechs Uhr. Haben Sie Verständnis für die klagenden Anwohner?
Thomas Haagensen: Seit 60 Jahren sind die Flugzeuge immer leiser geworden und hat sich auch der C0*-Ausstoß reduziert. Unsere Maschinen haben ein Durchschnittsalter von drei Jahren.
Morgenpost Online: Sie halten die Regelung für verträglich?
Thomas Haagensen: Sie ist ein guter Kompromiss zwischen Wirtschafts- und Anwohnerinteressen.
Morgenpost Online: Wie viel Nachtflug braucht Easyjet?
Thomas Haagensen: Wir müssen, so wie wir es heute auch schon dürfen, bis 23.30 Uhr fliegen können. Sollte das nicht möglich sein, ist das ein Problem für uns.
Morgenpost Online: Easyjet hat mit dazu beigetragen, dass die Tourismuszahlen in Berlin hochgeschnellt sind. Woher kommen die meisten Fluggäste, die mit ihnen in die deutsche Hauptstadt fliegen?
Thomas Haagensen: Die kommen vor allem aus der Schweiz, aus Basel und Genf. Die zweitstärkste Gruppe kommt aus Großbritannien, besonders aus London. Die Schweizer und Briten kommen, weil Berlin nach London und Paris Topziel in Europa ist und weil die Preise in Berlin attraktiv sind. Viele entdecken Berlin an einem Wochenende und fliegen dann erneut in die Metropole.
Morgenpost Online: Und in Zahlen? Wie viele Passagiere hat Easyjet im vergangenen Geschäftsjahr von und nach Berlin geflogen?
Thomas Haagensen: Das waren drei Millionen Fluggäste. Wir haben gemeinsam mit Berlin Tourismus Marketing errechnet, dass unsere Passagiere eine Milliarde Euro nach Berlin gebracht haben. Wir sind für die Hauptstadt interessant, weil wir viele Europäer nach Berlin bringen.
Morgenpost Online: Wie viele Arbeitsplätze haben Sie in Schönefeld geschaffen?
Thomas Haagensen: Wir haben mit 200 direkten und indirekten Arbeitsplätzen 2004 begonnen und verzeichnen jetzt 400.
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