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13.01.10

Solon-Chef

"Die Kunden werden verunsichert"

Der Solarmodulhersteller Solon steht sinnbildlich für die Krise der Branche. Durch üppige Subventionen wuchs das Unternehmen rasant und stürzte 2009 ebenso rasant ab. Derzeit macht Solon weniger Geschäft mit internationalen Großprojekten. Dafür profitiert das Unternehmen von der starken Nachfrage in Deutschland.

© Krauthoefer/Morgenpost
Solon-Chef Thomas Krupke: 2009 war eine Herausforderung für Solartechnik-Firmen
Solon-Chef Thomas Krupke: 2009 war eine Herausforderung für Solartechnik-Firmen

Morgenpost Online: Herr Krupke, die vergangenen Monate waren hart für Solon. Haben Sie oft geflucht?

Thomas Krupke: Nein.

Morgenpost Online: Immerhin beutelte die Finanzkrise Ihr Geschäft, Solon verbuchte hohe Verluste und ist aus dem Börsenindex TecDax geflogen.

Krupke: Jedes Jahr hat neue Herausforderungen. 2009 bestanden sie unter anderem darin, dass es infolge der Finanzkrise keine Finanzierung für Solarkraftwerke gab. Das gilt für die gesamte Branche und hat deswegen alle irgendwie getroffen. Solon vielleicht etwas mehr. Aber das ist es auch schon.

Morgenpost Online: Eine besondere Herausforderung müssen Sie demnächst meistern. Es geht um knapp 200 Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten. Wann steht die Umschuldung?

Krupke: Wir sprechen mit den Banken und werden sehen, wann es eine Lösung gibt. Wir haben keine Bedenken, dass es nicht klappt.

Morgenpost Online: Angeblich haben Sie beim Deutschlandsfonds um eine Staatsbürgschaft in Höhe von 180 Millionen Euro nachgesucht…

Krupke: … wozu ich Ihnen nichts sagen kann. Dazu gibt es von uns keine Stellungnahme.

Morgenpost Online: Ihr Unternehmen profitiert wie die gesamte Branche in hohem Maße von Subventionen. Nun gibt es Überlegungen, diese zu kappen.

Krupke: Das EEG, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, wurde geschaffen, um alternative Energien zu fördern. Darin ist unter anderem vorgesehen, dass die Einspeisevergütung für Solarstrom ab 2010 um neun beziehungsweise elf Prozent sinkt. Das ist in Ordnung. Doch nun plötzlich weitere Absenkungen zu fordern ist kontraproduktiv. Wir in der Branche brauchen eine verlässliche Planung für Investitionen. Wir sollen Arbeitsplätze schaffen und Technologie voranbringen. Wenn wir jedes Jahr eine Diskussion um die Einspeisevergütung haben, verunsichern wir damit den Markt und letztlich die Kunden.

Morgenpost Online: Zuletzt haben Sie wie viele deutsche Hersteller die Kapazitäten erweitert. Wurde die technologische Weiterentwicklung vernachlässigt?

Krupke: Wir haben viele Aufgaben, die wir gleichzeitig meistern müssen: Forschung und Entwicklung vorantreiben, investieren, Arbeitsplätze schaffen, internationalisieren und zudem noch Kosten senken. Das ist eine ganze Menge auf einmal. Mal hat man in einem Jahr ein bisschen mehr von dem einen, mal von dem anderen. Deshalb ist es so wichtig, dass uns das EEG eine mittelfristige Planbarkeit bietet. Es kann doch nicht angehen, dass man einerseits eine Zukunftsbranche fördern und einen neuen Industriezweig aufbauen soll. Und auf der anderen Seite werden dann in jedem Jahr die politischen Rahmenbedingungen verändert.

Morgenpost Online: Warum sollen Leute mehr für Strom zahlen, weil der Nachbar eine Solaranlage auf dem Dach hat?

Krupke: Ich nenne die Subvention erneuerbarer Energien sozialisierte Technologieförderung.

Morgenpost Online: Das heißt?

Krupke: Das heißt: Wir müssen – im gesamtgesellschaftlichen Interesse – unseren Energiemix ändern. Wir wollen das Klima schützen und brauchen eine Alternative zu fossilen Brennstoffen, denn die Lagerstätten von Kohle, Gas und Öl sind irgendwann erschöpft. Für diesen Energiewandel zahlen die Verbraucher, ja. Aber überlegen Sie, über welche Summen wir hier reden. Einen Drei-Personen-Haushalt in Deutschland kostet das rund 23 Euro mehr im Jahr. Das ist der Gegenwert von fünf Schachteln Zigaretten, um den Energiemix nachhaltig zu ändern. Ich finde nicht, dass das zu teuer ist. Und die meisten Leute wissen noch nicht einmal, wie viel sie pro Monat für Strom zahlen.

Morgenpost Online: Windenergie wird nicht so üppig gefördert, erzeugt dabei aber mehr Strom.

Krupke: Wird aber auch schon 15 Jahre länger gefördert, deshalb der Vorsprung.

Morgenpost Online: Ist Wind in Deutschland nicht vielversprechender als Sonne?

Krupke: Allein 2009 wurden hierzulande Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als 2,5 Gigawatt installiert, das ist die Hälfte eines Kohlekraftwerks. Installieren wir in diesem Jahr dieselbe Menge, haben wir ein klimaschädliches Kohlekraftwerk ersetzt. Und wenn wir dieses Tempo beibehalten, schaffen wir mittelfristig einen neuen Energiemix.

Das Gespräch führte Hans Evert

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