01.01.10

Analysten-Prognose

Dax wird in diesem Jahr noch weiter steigen

Im vergangenen Jahr verzeichnet der Dax einen Zuwachs von fast 24 Prozent, im Jahr 2008 gab es dagegen einen Absturz von mehr als 40 Prozent. Was wird das neue Jahr bringen? Morgenpost Online hat 30 Experten befragt, was sie vom Börsenjahr erwarten und wo sie den Leitindex am Ende sehen.

Foto: dpa
Bär und Bulle - sie stehen an der Börse für fallende oder steigende Kurse
Bär und Bulle - sie stehen an der Börse für fallende oder steigende Kurse

Als Kollektiv scheint Analysten eine ausgeprägte Sehnsucht nach Normalität auszuzeichnen. Nach den Extremjahren 2008 und 2009 sagen sie für 2010 ein "normales" Aktienjahr voraus. Vergangenes Jahr war der Index um 23,9 Prozent geklettert, 2008 um 40,4 Prozent abgestürzt. Geht es nach 30 von Morgenpost Online befragen Experten führender Institute wird der Deutsche Aktienindex (Dax) 2010 um knapp neun Prozent zulegen. Das europäische Gegenstück des Dax, der EuroStoxx-50, soll am Ende des Jahres rund acht Prozent höher stehen. Damit würden die Indizes so gut abschneiden wie im Schnitt der vergangenen 40 Jahre. 2010 wäre ein 0815-Aktienjahr.

Aber ob 2010 wirklich ein langweiliges Aktienjahr wird, wie es sich die Experten wünschen, darf bezweifelt werden. Echte Pessimisten sind zwar bei den großen Banken nicht zu finden, doch selbst die Optimisten räumen ein, dass den Kapitalmärkten eine Gratwanderung bevorsteht. "2010 muss die Erholung den Härtetest bestehen", sagt Kenneth Liew, Experte bei der Schweizer Bank UBS. Liew gehört zu jener Gruppe von Auguren, die glauben, dass die Wirtschaft dieses Jahr wieder wächst, ohne dass die Zentralbanken die Leitzinsen deutlich anheben.

Im Schnitt prognostizieren die Experten ein Wachstum von 1,7 Prozent in Deutschland. Die Frage ist jedoch, wann die Zentralbanken dazu übergehen, die Leitzinsen hochzuschrauben. Fangen sie damit schon gegen Jahresmitte damit an, könnte das die Kapitalmärkte verunsichern: Aktien- und Rentenkurse kämen frühzeitig unter Druck. An der Frage, ob Wachstum ohne Zinsanhebungen möglich ist, scheiden sich die Analysten in zwei Gruppen: in "Sonnenscheiner" und "Dachdecker".

Ein ausgeprägtes Sonnenschein-Szenario haben sich die Experten der britischen Großbank HSBC zurechtgelegt: Nach ihrer Einschätzung kann der Dax bis Ende Jahr des Jahres auf 7500 Stellen klettern. Das wäre ein Plus von mehr als einem Viertel. Gleichzeitig soll die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf 3,1 Prozent fallen, 0,2 Prozentpunkte niedriger als derzeit. Der Durchschnitt der Analystenprognosen für die Rendite liegt bei 3,88 Prozent. Dieses Plus von 0,5 Prozentpunkten würde erhöhte Inflationsrisiken anzeigen.

Ähnlich optimistisch für den Aktienmarkt wie HSBC sind nur noch die Experten von Bank of America Merrill Lynch, die einen Anstieg des Leitindex auf 7300 Punkte für möglich halten. Als Argumente für ein sehr gutes Aktienjahr führen die "Sonnenscheiner" eine günstige Bewertung (Anfang des Jahres liegt das Kurs/Gewinn-Verhältnis bei 13) und ein erwartetes Ertragsplus der Unternehmen von 47 Prozent an.

Den "Sonnenscheinern" widersprechen die "Dachdecker", die ihren Namen daher tragen, dass ihr erwarteter Jahreschart des Dax der Form eines Dachs ähnelt. Zu den profiliertesten "Dachdeckern" gehören Teun Draaisma von Morgan Stanley und Andrew Garthwaite von Credit Suisse, die in der Vergangenheit mit ihren Prognosen oft richtig lagen. Draaisma sieht bis zur Jahresmitte knapp zehn Prozent Potenzial beim Dax, prognostiziert für die zweite Jahreshälfte aber einen Absturz, sodass der Index an Silvester 2010/11 unter dem heutigen Stand liegt. "Wir sind optimistisch für das Wirtschaftswachstum, aber nicht so sehr für die Börse", sagt er. Die Rückführung der Konjunkturprogramme werde den Aktienmärkten zu schaffen machen.

Zu den Dachdeckern gehören auch Société Générale, Unicredit, MM Warburg, Landesbank Berlin und nicht zuletzt die Deutsche Bank, die den Dax Ende des Jahres bei 5860 Punkten verortet. "Niedrigzinsen sind für die Finanzwelt eine Art Heroin geworden", sagt Don Coxe, Stratege beim BMO Capital Markets. Werde ihr dieses Rauschgift entzogen, müssten sich Entzugserscheinungen einstellen.

Keine Einigkeit erzielen die Experten, einmal mehr, beim Euro. Zwar sieht "der Konsens" die Gemeinschaftswährung Ende 2010 bei 1,44 Dollar praktisch unverändert. Hinter dem "Konsens" verbergen sich aber große Gegensätze: Die Bank of America erwartet einen Einbruch des Euro-Kurses auf 1,28 Dollar, während Nomura und Morgan Stanley eine Befestigung auf 1,60 Dollar vorhersagen. Bei Währungen gibt es keine Normalität.

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