Jahresbilanz
Berlins Börsen-Firmen schlagen den Dax
Mittwoch, 30. Dezember 2009 23:39 - Von Nando Sommerfeldt und Holger ZschäpitzWer hoch fliegt kann auch tief fallen. Diese Volksweisheit kommt der Wirtschaft Berlins in Krisenzeiten zu Gute. Während die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach einer Schätzung der Bundesregierung in diesem Jahr um 4,5 Prozent geschrumpft sein dürfte, hat es die Firmen der Hauptstadt nicht ganz so stark erwischt. Die Gewinner und Verlierer.

Der Berlin-Index der Morgenpost hat den Deutschen Aktienindex Dax in diesem Jahr um mehr als fünf Prozentpunkte abgehängt. Während der Leitindex der 30 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands in den vergangenen zwölf Monaten um 23,8 Prozent zulegen konnte, weist der Berlin-Index ein Plus von 29,5 Prozent auf. Der regionale Index bildet ab, wie die Aktien der 40 börsennotierten Berliner Firmen seit Jahresanfang im Schnitt gelaufen sind. Damit hat der Berlin-Index das deutsche Börsenbarometer zum zweiten Mal in Folge geschlagen.
Doch nicht nur die konjunkturelle Situation kam dem hiesigen Barometer zu Gute. Es profitierte auch von einer anderen Ausgangslage der Hauptstadt – dem Umstand, dass in Berlin mittlerweile keine großen Konzerne mehr beheimatet sind. Denn die Aktien kleiner Unternehmen haben sich in diesem Jahr deutlich besser entwickelt als Papiere der Großkonzerne. Seit der Übernahme von Schering durch Bayer vor mehr als zwei Jahren gibt es in Berlin kein einziges Unternehmen, das in der ersten Börsenliga, dem Dax, mitspielt.
Börsenbilanz der Einzeltitel könnte für Berlin typischer nicht sein
Die größten hiesigen börsennotierten Unternehmen sind die Landesbank Berlin und der Medienkonzern Axel Springer („WELT“, „Bild“, Berliner Morgenpost) mit einer Marktkapitalisierung von 3,3 beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das kleinste Dax-Unternehmen, der Medizintechnikhersteller Fresenius, besitz einen Börsenwert von rund vier Milliarden Euro.
Berliner-Börsenkrösus ist der Internetspiele-Entwickler Frogster Interactive. Die Aktie legte in diesem Jahr um 194 Prozent zu. Das Erfolggeheimnis war die Einführung des Spieles „Runes of Magic“, welches der Firma ungeahnte Umsätze im Ausland bescherte. Eine ähnlich gute Wertentwicklung weisen die Softwarefirma PSI und der Medienkonzern Deutsche Entertainment (Deag) auf. Der Deag kam zu Gute, dass der Musikkonzern Sony Music beim internationalen Klassikgeschäft der Berliner einstieg. Die Deag hat jetzt wesentlich bessere Chancen in diesem Geschäftsfeld. Klassik gilt in der Musikbranche als gewinnträchtiges Geschäft – im Gegensatz zum Pop.
Zu den größten Verlierern gehören Aktien einer Immobilienfirma
Zu den größten Verlierern gehören hingegen die Aktien der Immobilienfirma Grueezi Real Estate, deren Wert sich mehr als halbiert hat. Auch die Papiere der Solarfirma Solon und von Marseille-Kliniken haben ein verkorksten Börsenjahr hinter sich. Solon litt vor allem unter der Krise am Solarmarkt. Die Konkurrenz ist groß, die Subventionen sinken.
Insgesamt begann das Jahr denkbar schlecht für Anleger. Wegen der Finanzkrise und der düsteren Konjunkturaussichten verlor der Dax bis Mitte März fast 23,8 Prozent und notierte am Tiefpunkt im März bei 3666 Zählern. der Berlin-Index gab nicht so stark nach, lag aber dennoch auch im Minus. Der deutsche Leitindex startete dann durch – um 67,5 Prozent. Und statt eines Crashs, wie befürchtet, konnten die Börsen sogar einen Teil der herben Verluste des Vorjahres aufholen.
Der MDax der mittelgroßen Werte stieg um 34 Prozent, der Technologieindex TecDax um 84 Prozent – das beste Jahr in seiner knapp siebenjährigen Geschichte.
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