Hotels
Mittelständischen Hotels geht die Luft aus
Donnerstag, 7. Januar 2010 12:43 - Von Ernst August GintenDie Hotelbranche steht vor großen Umwälzungen. Vielen Privathoteliers droht die Pleite. Eine dünne Finanzdecke und Buchungsrückgänge machen ihnen schwer zu schaffen. Gleichzeitig expandieren Budgethotels von Ketten wie Ibis, Etap und Motel One – und weitere Ketten planen den Markteinstieg in Deutschland.

In der deutschen Beherbergungsbranche droht eine Pleitewelle. Vor allem kleine und mittelständische Hotels, Pensionen und Gasthöfe leiden vielfach unter einer dünnen Kapitaldecke und großem Investitionsstau. Oftmals fehlt auch ein Nachfolger. Angesichts geringer finanzieller Ressourcen verfügen diese Betriebe „häufig über keinerlei Puffer, um Nachfrage- und damit Ertragseinbrüche auszugleichen. Daher geraten sie schnell in finanzielle Schieflagen“, heißt es in einer Untersuchung der Unternehmensberatung Treugast Solutions Group, die Morgenpost Online exklusiv vorliegt.
Ein Hauptgrund für den Erfolg der Ketten ist das gute Preis-Leistungsverhältnis und Macht der Marke. Neben einer designorientierten, standardisierten Innenausstattung erwartet die Gäste oftmals eine moderne technische Einrichtung der Zimmer und öffentlichen Bereiche, die laut der Untersuchung „alle Anforderungen an eine komfortable Wohn- oder auch Arbeitsumgebung erfüllen“. Motel One punktet zudem vor allem bei sparsamen Geschäftsreisenden mit zentral gelegenen Standorten.
Treugast rechnet damit, dass der deutsche Markt noch erhebliche Wachstumsmöglichkeiten für die Kettenbetreiber birgt. Während hierzulande nur etwa sechs Prozent der Anbieter im Null bis Zwei-Sterne-Segment zu einer Kette gehören, sind es in Frankreich 60 Prozent und in Großbritannien rund die Hälfte aller Betriebe. Die Hotelberater erwarten angesichts der geringen Marktdurchdringung, dass in den kommenden Jahren noch mehr Anbieter aus dem Ausland mit neuen Konzepten auf den deutschen Markt drängen werden.So erprobt die britische Hotelgruppe Travellodge gerade ein Containerhotel mit 120 Zimmern, die zwischen 15 und 21 Quadratmeter groß sind. Eine Übernachtung kostet zwischen 30 und 60 Euro.
Der Budgethotelbetreiber Qbic Hotels aus Maastricht hat ein innovatives Hotelkonzept für Bestandsimmobilien entwickelt – beispielsweise leer stehende Bürogebäude. Diese werden in Hotelzimmereinheiten umfunktioniert. In einem Raum werden dann Wohnelementen zusammengestellt: Dusche, Toilette, Bett, Kitchenette oder Kleiderschrank. Der vorgefertigte Kubus wird dann in einem bestehenden Raum platziert und an die Sanitär- sowie technische Anlagen angeschlossen.
Im kommenden Jahr ist zudem in Frankfurt Baubeginn für das erste „Tokyo-Inn“ in Deutschland geplant. Die japanische Gruppe, die in ihrer Heimat weit über 100 Hotels betreibt, will in Europa aktiv werden. In Japan bietet die Kette bei einem Zimmerpreis ab rund 5000 Yen (40 Euro) ein 1,40 Meter breites Bett, Gratis-Zeitung, Internet-Zugang, Hosenbügler und Frühstück.
Gegen solche Angebote haben viele deutsche Privat-Hoteliers nur geringe Chancen. Sie können sich laut Treugast nur noch gegen die Ketten wehren, wenn sie ihre Gäste künftig noch mehr durch „individuelle Gastgeberqualitäten überzeugen“.Erschienen am 30.12.2009
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