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24.12.09

Trotz Krise

Abfindungen deutscher Manager erreichen Rekord

Managerabfindungen in Deutschland haben trotz der Wirtschaftskrise 2009 neue Rekordhöhen erreicht. Dazu tragen die goldenen Handschläge für den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking oder Karl-Gerhard Eick, einst Chef des pleite gemeldeten Handelskonzerns Arcandor, bei. Mancher Top-Manager verzichtet auch.

© dpa
Wendelin Wiedeking

Deutschlands Unternehmen haben im Krisenjahr 2009 die Gürtel enger schnallen müssen. Hunderttausende Kurzarbeiter spürten die Wirtschaftsflaute schmerzhaft im Portemonnaie. Doch an einer Gruppe scheint die Krise finanziell fast spurlos vorbeigegangen zu sein: Die Abfindungen ausscheidender Manager erreichten 2009 trotz Krise neue Rekordhöhen.

Der scheidende Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erhielt bei seinem Abgang eine Rekordabfindung von 50 Millionen Euro. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick wurde nach nur sechs Monaten Arbeit mit 15 Millionen Euro ausgezahlt. Und der Chef des Reifenkonzerns Continental kassierte bei seinem Ausscheiden 7,4 Millionen Euro - nur um drei Monate später einen neuen Topjob bei VW anzutreten.

Das Jahr 2009 zeigte deutlich wie selten: Der Chefsessel ist häufig genug ein Schleudersitz für Manager. Doch es ist in aller Regel ein Schleudersitz mit einem goldenen Fallschirm.

Am spektakulärsten war 2009 wohl der Abgang von Porsche-Chef Wiedeking. In den 17 Jahren seiner Amtszeit machte er den Sportwagenhersteller vom Pleitekandidaten zu einem der lukrativsten Autobauer der Welt. Doch dann übernahm er sich bei dem Versuch, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken.

Milliardenschulden drohten das Familienunternehmen plötzlich zu erdrücken. Porsche musste sich unter das Dach von VW flüchten, statt den Konzern zu übernehmen - und für Wiedeking war plötzlich kein Platz mehr an Bord. Doch der Manager fiel weich: Porsche versüßte Wiedeking den eher unrühmlichen Abgang mit der höchsten je in Deutschland bekannt gewordenen Abfindung: 50 Millionen Euro.

Großzügig kündigte der Manager an, die Hälfte der Summe zu spenden. Doch war Wiedeking nicht der einzige Topmanager, der plötzlich vor einem Scherbenhaufen stand. Der frühere Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernahm im März den Chefsessel bei dem ums Überleben kämpfenden Touristik- und Handelskonzern Arcandor.

Doch seine Hoffnungen, das angeschlagenen Unternehmen in letzter Minute retten zu können, erfüllten sich nicht. Inzwischen ist der insolvente Konzern in seine Einzelteile zerschlagen worden. Tausende Beschäftigte erhielten bereits die Kündigung.

Eick hatte sich von Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim schon vor Amtsantritt auch für den Fall einer Pleite eine Abfindung von 15-Millionen-Euro garantieren lassen. Das sorgte für Empörung sogar bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe absolut kein Verständnis dafür, "wenn jemand, der ein insolventes Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt", schimpfte die CDU-Politikerin.

Eick verteidigte dagegen seinen goldenen Fallschirm. Schließlich habe er für den riskanten Job bei Arcandor einen sicheren Posten bei der Telekom aufgegeben. "Ich bin nicht gierig, aber ich bin auch nicht blöd", meinte der Manager. Eick kündigte an, er wolle bis zu einem Drittel der Abfindung für die Arcandor-Mitarbeiter spenden, "um soziale Härten wegen der Insolvenz abzufedern".

Doch auch etliche andere Manager konnten sich über üppige Abfindungen freuen. Der Chef des Autozulieferers Conti, Karl-Thomas Neumann, erhielt nach elfmonatiger Amtszeit eine Abfindung von 7,4 Millionen Euro, als er wegen der Übernahme des Konzerns durch den Konkurrenten Schaeffler im August seinen Hut nehmen musste. Nur drei Monate später hatte er schon einen neuen Topjob als Konzernbeauftragter für Elektroautos bei VW.

Bahnchef Helmut Mehdorn konnte sich nach Medienberichten mit einer Abfindung in Höhe von 4,9 Millionen Euro trösten, als er im März 2009 wegen der Datenaffäre den Chefsessel räumen musste.

Dass es auch anders geht, zeigte im Mai der Chef der angeschlagenen WestLB in Düsseldorf. Nach nur einem Jahr trat Heinz Hilgert, Manager der drittgrößten deutschen Landesbank, zurück, weil er nach eigenen Worten für die nötigen Sanierungsschritte, "nicht die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung der maßgeblichen Eigentümer der Bank" erhalten habe.

Bei seinem Rücktritt verzichtete der Manager ausdrücklich auf "sämtliche zukünftigen Gehaltszahlungen und Pensionsansprüche".

Quelle: AP
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