Hacker-Attacke
Twitter bestätigt Hacker-Angriff auf DNS-Server
Eine Gruppe namens Iranian Cyber Army rühmt sich eines Hacker-Angriffs auf Twitter. Biz Stone, Mitgründer des Kurznachrichtendienstes, bestätigt die Attacke. Er erklärt, warum die Startseite von Twitter zeitweise nicht erreichbar war. Das Unternehmen könnte auf eine Phishing-Mail hereingefallen sein.
Von Oliver Haustein-Teßmer
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat eine Störung nach einem Hacker-Angriff bestätigt. "Die DNS-Records von Twitter waren zeitweise beeinträchtigt, aber sind nun wieder hergestellt", schrieb Mitgründer Biz Stone im Twitter-Blog
. Für eine Weile seit twitter.com umgeleitet worden.
Mit anderen Worten: Den Hackern war es zeitweise gelungen, die Hauptadresse twitter.com auf eine andere, von ihnen kontrollierte Website umzuleiten, so dass dort ein anderer Inhalt zu sehen war als die übliche Twitter-Startseite.
Jedem Websitename wird im Domain Name System (DNS) in eine bestimmte, aus Ziffernfolgen bestehende IP-Adresse aufgelöst. Verwaltet werden solche Namen auf DNS-Servern, in denen Anfragen der Internetnutzer nach Websites wie in einem Telefonbuch abgelegt sind. Werden die dort hinterlegten Einträge von Dritten gefälscht, sind solche Umleitungen möglich.
Eine Gruppe namens Iranian Cyber Army bezichtigte sich selbst des erfolgreichen Hacker-Angriffs auf Twitter. Twitter-Konten waren jedoch weiterhin zugänglich, Nutzer konnten sich weiterhin anmelden. Dennoch berichteten Twitterfans über Probleme. "Bei mir ist alles eingefroren", schrieb ein Twitterer. "Twitter ist beinahe down", hieß es in einem anderen Tweet.
Ein Angriff auf die Server von Twitter selbst lag laut Biz Stone nicht vor. "API und Anwendungen auf der Plattform funktionierten", erklärte der Twitter-Chef. Die application programming interfaces (API) sind Schnittstellen der Website zu den Programmen, über die Nutzer zum Beispiel ihre Twitter-Konten bedienen.
Vielleicht, so mutmaßte der deutsche Online-Dienst Heise, war es den Eindringlingen gelungen, die Zugangsdaten von Twitter abzufischen und mithilfe des Phishing bei der für die Registrierung von twitter.com zuständige Firma die Einträge zu verändern.
Laut der Internetverwaltung ICANN ist es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass Administratoren von Websites wie Twitter auf Phishing-Mails hereinfielen. Sie wurden so auf eine gefälschte Registrarseite geführt – jemand gab sich als Domainverwalter-Firma aus. Gaben sie dann auf der falschen Website ihr Passwort und den Benutzernamen ein, konnten sie Opfer von DNS-Crackern werden. So geht es Internetprofis manchmal nicht anders als normalen Nutzern, die zu falschen Online-Banking-Seiten gelockt werden.
Laut dem Online-Magazin "TechCrunch" meldeten Internetnutzer gegen 22 Uhr abends in den USA den angeblichen Hacker-Angriff. Die Angreifer lenkten demnach die Twitter-Startseite auf eine Seite mit einer Inschrift auf Persisch und einer Flagge vor schwarzem Hintergrund um. "TechCrunch" zeigte online einen Screenshot der Hackerseite.
Die Hacker hätten die folgende Botschaft verbreitet: "USA. Sie glauben, dass sie das Internet kontrollieren und im Griff haben. Aber sie tun es nicht, wir kontrollieren und managen das Internet selbst (...)." Außerdem soll mindestens eine weitere Seite in den USA Opfer des Hacker-Angriffs geworden sein.
Twitter war in den vergangenen Monaten mehrfach attackiert worden. Ein Hacker hatte es geschafft, sich die Passwörter unter anderem des Twitter-Mitgründers Evan Williams zu besorgen und war so an E-Mail-Konten herangekommen. Dort fanden sich geheime Geschäftsberichte des Unternehmens, die unter anderem die ehrgeizigen Wachstumsziele – die Rede war in den Dokumenten von 1,5 Milliarden Dollar Umsatz in wenigen Jahren – offen legten.
Ein vermeintlicher Hacker-Angriff auf das Twitter-Konto von Sarah Brown, Ehefrau des britischen Premiers Gordon Brown, entpuppte sich dagegen als Computerattacke von dessen dreijährigem Sohn. Dieser hackte zu Hause auf der Tastatur von Browns PC herum, als die Frau des Regierungschefs noch eingeloggt, aber nicht im Zimmer war. Eine Million Nutzer erhielten darauf hin von Brown die Botschaft "Fvdfzsrsazxzzxcvbnmadgfhjjkqwrtyuuuiop".
Im August 2009 lieferten sich vermutlich Russen und Georgier über das Internet Auseinandersetzungen, in deren Folge auch der Micro-Blogging-Dienst blockiert wurde – ebenso wie das Netzwerk Facebook.
Russische Hacker versuchten demnach nach Angaben der Betreiber, die Konten eines Georgiers in den sozialen Netzwerken auszuschalten und starteten einen konzertierten Angriff, um die Internetserver lahmzulegen, eine Denial-of-Service-Attacke.
Nach Angaben von Twitter verwenden weltweit 58 Millionen Menschen den Kurznachrichtendienst. Sie können Botschaften von bis zu 140 Zeichen ( tweets ) versenden, sowohl an vernetzte Nutzer ( followers ) auf deren Handys als auch über das Internet für alle lesbar.
Im Dezember führte Twitter einen deutschen Sprachservice ein, nachdem es zunächst nur auf Englisch, später auf Japanisch, Spanisch, Italienisch und Französisch verfügbar war. Die Nutzer können nun die deutsche Sprachversion über ihre persönlichen Einstellungen einstellen.
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