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16.12.09

Spitzeneinkommen

Deutsche Konzerne reformieren die Chef-Gehälter

Die Aufsichtsräte großer Konzerne reagieren auf den stark gewachsenen politischen Druck und reformieren die Chef-Gehälter. Volkswagen schafft Aktienoptionen als Bonus ab und die Commerzbank beschließt eine "Malus"-Regel. Damit kann es bei schlechten Leistungen zu Gehaltsabzügen kommen.

© ddp/DDP
Ausserordentliche Hauptversammlung der Volkswagen AG
Vorstand und Aufsichtsrat des Autoherstellers Volkswagen bei der Hauptversammlung Anfang des Monats. Künftig sollen die Gehälter der VW-Chefs anders berechnet werden

In Deutschland führen erste Großunternehmen neue Gehaltsregeln für ihr Spitzenpersonal ein. Dazu zählen die teilweise verstaatlichte Commerzbank und Europas größter Autohersteller Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern führt ab dem kommenden Jahr 2010 für seine Manager einen "Langzeitbonus" ein.

Die Gehälter der VW-Spitze sind dann zum Teil daran gekoppelt, wie zufrieden Kunden und Mitarbeiter sind, ob geplante Absatzsteigerungen erreicht werden und wie hoch die Rendite ist. Außerdem schafft VW Aktienoptionen als Teil der Vergütung ab.

VW-Personalvorstand Horst Neumann sagte, der Aufsichtsrat habe das neue System bereits beschlossen. VW habe den Langzeitbonus in rund einem Jahr Vorbereitung entwickelt. Er entspreche auch den neuen gesetzlichen Vorschriften. Die Höhe des Langzeitbonus sei begrenzt und werde jeweils auf Basis der vergangenen vier Jahre berechnet. "Dabei richten wir uns an den Zielen der 'Strategie 2018’ aus", sagte Neumann.

Dazu zählen Kundenzufriedenheit, Rendite, Mitarbeiterzufriedenheit und Beschäftigungssicherheit. Das Gehalt der Vorstände ist auch künftig zu 30 Prozent fix, der Rest ist variabel. Der gesamte variable Teil habe eine mehrjährige Bemessungsgrundlage, sagte Neumann. Ein Teil dieser variablen Vergütung entfalle künftig auf den Langzeitbonus.

Die Aufsichtsräte reagieren mit ihren Beschlüssen auf den stark gewachsenen politischen Druck, Vergütungen von Managern stärker vom langfristigen Erfolg des Unternehmens abhängig zu machen. Der Bundestag hatte im Sommer als Reaktion auf die Finanzkrise ein "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" beschlossen, das kurzfristiges Renditedenken und Boni-Exzesse eindämmen soll.

Zuletzt hatten Frankreich und Großbritannien den Druck auf einheimische Finanzunternehmen massiv erhöht. Sie belegen Bonuszahlungen für Banker mit Sondersteuern von bis zu 50 Prozent. Auch bei den G-20-Gipfeln der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist das Thema ein Dauerbrenner. Denn zu stark an kurzfristigen Gewinnen orientierte Bonuszahlungen bei Banken gelten als eine Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Wohl auch aus diesem Grund beschloss der Aufsichtsrat der Commerzbank ein neues Vergütungssystem. Künftig wird es bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus eine Obergrenze für die Bezüge und eine Malus-Regel geben: Damit können die Aufseher den Topmanagern künftig das Einkommen kürzen, wenn die Bank bestimmte Ertragsziele nicht erreicht.

Aufsichtsratschef Peter Müller sagte, die Bank erfülle damit alle G-20-Vorgaben zur Managervergütung. Sollte die Commerzbank im kommenden Jahr die stillen Einlagen des staatlichen Rettungsfonds SoFFin nicht zurückzahlen, werde die Vergütung der Vorstände erneut auf je 500.000 Euro begrenzt. Für 2008 und 2009 waren die Gehälter nach den SoFFin-Regeln bereits gekappt worden.

Insgesamt sind die Gehälter von Bankmanagern in diesem Jahr in Folge der Finanzkrise deutlich geringer gestiegen als in den Jahren zuvor. Bei Geschäfts- und Spezialbanken seien die Bezüge der Führungskräfte zwischen Juli 2008 und Juli 2009 im Schnitt um 2,1 Prozent gestiegen, teilte die Unternehmensberatung Kienbaum mit. Noch 2007 seien die Gehälter um bis zu 3,8 Prozent geklettert. Banken, die auch in diesem Jahr gute Geschäfte machten, hätten jedoch die Bezüge ihrer Manager um durchschnittlich 4,1 Prozent angehoben. Bei einigen größeren von der Finanzkrise betroffenen Geldhäusern seien die Gehaltserhöhungen aber auch ausgesetzt worden.

Die dicken Boni der staatlich gestützten US-Banken
Millionenboni an die Manager trotz Milliardenhilfe vom Staat – auch in den USA sorgt das Vergütungssystem der Banken für Empörung. Hier einige Beispiele der Zahlungen in großen Banken:
Citigroup: Die einst größte Bank der Welt bekam vom Staat 45 Milliarden Dollar und ist heute zu einem Drittel in Staatsbesitz. Dem Cuomo-Bericht zufolge zahlte das Institut 738 Mitarbeitern einen Bonus von mindestens eine Million Dollar. 124 von ihnen erhielten sogar mindestens drei Millionen Dollar. 2008 machte die Citigroup einen Verlust von 18,7 Milliarden Dollar.
Bank of America: Die Bank of America bekam ebenfalls 45 Milliarden Dollar von der Regierung – und schüttete 3,3 Milliarden Dollar Boni aus. Allein 172 Beschäftigte bekamen mindestens eine Million, davon 28 mehr als drei Millionen Dollar. Das Institut machte im vergangenen Jahr noch 2,56 Milliarden Dollar Gewinn.
Merrill Lynch (von Bank of America übernommen): Die von der Bank of America übernommene Merrill Lynch-Bank gab 696 Beschäftigten Boni von mindestens eine Million Dollar, 149 von ihnen erhielten mindestens drei Millionen Dollar. Der Verlust von Merrill Lynch summierte sich 2008 auf 27,61 Milliarden Dollar.
JP Morgan Chase: JP Morgan wurde mit 25 Milliarden Dollar vom Staat unterstützt, hat dieses Geld aber bereits zurückgezahlt. 1626 Mitarbeiter bekamen mindestens eine Million Dollar. 200 von ihnen erhielten mehr als drei Millionen Dollar.
Goldman Sachs: Die Bank bekam zehn Milliarden Dollar Staatshilfe und zahlte ebenfalls bereits zurück. 953 Beschäftigte bekamen mindestens eine Million Dollar, 200 davon mehr als drei Millionen Dollar.
Wells Fargo Wells Fargo erhielt 25 Milliarden Dollar vom Staat und zahlte 62 Mitarbeitern mindestens eine Million Dollar (Quelle: AP, Stand: 31.7.2009)
Quelle: dpa/AP/dma
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