DIHK-Umfrage
Jedes vierte Unternehmen plant Stellenabbau
Die Wirtschaft ist noch nicht über dem Berg. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die Morgenpost Online exklusiv vorliegt, will jedes vierte befragte Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Stellenabbauen. Dabei trifft es eher ungelernte Arbeiter, Akademiker haben bessere Chancen.
Von Stefan von Borstel
Jedes vierte Unternehmen plant in den kommenden zwölf Monaten einen Abbau von Arbeitsplätzen. Davon sind vor allem gering qualifizierte Arbeitnehmer in der Industrie betroffen. Höherqualifizierte mit Hochschulabschluss brauchen sich dagegen kaum Sorgen um ihre Beschäftigung machen. In diesem Segment wollen die Unternehmen unter dem Strich mehr Mitarbeiter einstellen als entlassen.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages unter mehr als 20.000 Unternehmen zu ihren Beschäftigungsplänen. "Derzeit halten die Unternehmen erfreulicherweise weitgehend an ihren Stammbelegschaften fest", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann Morgenpost Online. Dennoch müsse in den kommenden Monaten noch mit steigender Arbeitslosigkeit gerechnet werden.
Nur jedes zehnte Unternehmen will danach in den kommenden zwölf Monaten Mitarbeiter neu einstellen. Der Umfrage zufolge werden vor allem bei den Dienstleistern der Informationstechnologie, im Bereich Gesundheit und soziale Dienste und in der Pharmabranche Stellen aufgebaut. Gesucht werden vor allem Akademiker.
Dagegen wollen sich 62 Prozent der Unternehmen, die Stellen abbauen, sich von Beschäftigten ohne Berufsausbildung trennen. "Im Bereich gering Qualifizierter belasten hohe Sozialbeiträge und Mindestlöhne die ohnehin schwierige Situation zusätzlich", kritisierte Driftmann. "So werden Wege in Beschäftigung verbaut – gerade für Menschen ohne berufliche Qualifikation."
Zum Teil sind aber auch Höherqualifizierte von der Krise betroffen. Denn in den Exportunternehmen, die ihre Beschäftigung anpassen müssen, seien auch viele gut qualifizierte Arbeitnehmer tätig. "Diese haben allerdings deutlich bessere Aussichten wieder eine neue Beschäftigung zu finden", heißt es im Bericht. "Bei höheren Qualifikationen zeichnet sich schon jetzt ein neuer Engpass ab", sagte Driftmann. "Die Unternehmen suchen am Ende der Krise vor allem in diesem Bereich schon wieder neue Kräfte."
Von den befragten Unternehmen sahen sich 33 Prozent überhaupt nicht von der Krise betroffen, bei den kleinen Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten waren es sogar 44 Prozent. Hauptleidtragende sind dagegen die großen, export-orientierten Industrieunternehmen. Fast die Hälfte der Firmen reagiert mit Einstellungsstopps (42 Prozent) auf die Krise. Ein Drittel der Unternehmen hat die Arbeitszeit reduziert, indem etwa Überstunden abgebaut oder Arbeitszeitkonten geräumt wurden.
24 Prozent griffen zur Kurzarbeit, vor allem in der Industrie war es fast jedes zweite Unternehmen. Nur 13 Prozent reagieren mit einem Abbau der Stammbelegschaft. Bei den Autozulieferern ist es allerdings jedes dritte, und bei den Werkzeugmaschinenherstellern jedes vierte, das sich von Stammarbeitern trennt.
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