Machtkampf um Autokonzern
GM-Chef Fritz Henderson ist zurückgetreten
Samstag, 30. Januar 2010 15:09General-Motors-Chef Fritz Henderson hat seinen Posten geräumt. Sein Nachfolger wird vorläufig der GM-Verwaltungsratschef Ed Whitacre. Zwischen den beiden war ein Machtkampf um die Ausrichtung des Konzerns ausgebrochen. Henderson war erst Ende März an die Spitze von General Motors gerückt.

Henderson habe eine „bemerkenswerte“ Leistung vollbracht, indem er das Unternehmen durch eine „außerordentlich schwierige Zeit“ geführt habe, sagte Whitacre, der sich bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der GM-Konzernzentrale äußerte. Allerdings seien sich „alle einig gewesen, dass einige Änderungen erforderlich sind“. Im Vorfeld hatte es immer wieder geheißen, es gebe Meinungsverschiedenheiten zwischen Henderson und dem Verwaltungsrat.
Das Tagesgeschäft des Autobauers werde wie gewohnt weitergehen, betonte Whitacre. Er sei „überzeugter als je zuvor“, dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei und Verbrauchern in aller Welt höchste Qualität bei Fahrzeugen anbieten könne.
Rücktritt nach acht Monaten
Henderson hatte die Konzernspitze Ende März übernommen, als der damalige Unternehmenschef Rick Wagoner angesichts der bevorstehenden Insolvenz zum Rücktritt veranlasst wurde. Der 51-Jährige Henderson mit dem Spitznamen „Fix-it-Fritz“ (Bring es in Ordnung Fritz) sollte GM wieder auf Kurs bringen. Ihm war der Ruf eines erfahrenen Krisenmanagers vorauseilt. Er stieg 1984 bei Opel ein und verbrachte verschiedene Stationen im Ausland. Anfang 2006 holte ihn Wagoner als Finanzvorstand an den GM-Firmensitz in Detroit zurück.
Allerdings konnte auch Henderson den Autobauer nicht vor der Insolvenz retten: In seine Amtszeit fiel im Juni mit dem Konkurs des 101 Jahre alten Traditionskonzerns der größte Bankrott in der Geschichte der US-Industrie. Unter seiner Ägide wurde zudem der geplante Verkauf von Opel Anfang November überraschend abgeblasen. Henderson galt als Befürworter eines Opel-Verkaufs an das Konsortium um den kanadischen Autozulieferer Magna und die russische Sberbank, was auch die bevorzugte Lösung der Bundesregierung gewesen wäre.
9000 Stellen sollen wegfallen
General Motors ist seit Monaten damit beschäftigt, die Geschäfte neu zu ordnen. Davon betroffen sind unter anderem die deutsche GM-Tochter Opel und die schwedische Tochter Saab. GM hatte erst am Mittwoch angekündigt, von dem geplanten Abbau von europaweit 9000 Stellen zur Sanierung von Opel würden zwischen 50 und 60 Prozent auf deutsche Werke entfallen. Laut Opel-Betriebsrat will GM im Opel-Stammwerk Rüsselsheim rund 2500 der insgesamt 14. 500 Stellen abbauen. Im Werk Bochum sollen demnach knapp 1800 der rund 4800 Stellen wegfallen, in Eisenach und Kaiserslautern jeweils rund 300 Arbeitsplätze.
Der Führungswechsel an der GM-Spitze offenbart neue Turbulenzen beim einst größten Autobauer überhaupt. Vor zwei Wochen teilte GM mit, das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten einen Milliardenverlust eingefahren. Zur Zukunft hatte die GM-Spitze sich allerdings optimistisch geäußert – auch, wenn in nächster Zeit erneute Verluste anstehen dürften.
Derzeit konzentriert sich der Autokonzern auf seine Marken Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac, während die Produktion von Pontiac und Saturn heruntergefahren wird. Die Marke Hummer soll verkauft werden.
GM war einst der weltgrößte Autobauer, kein anderer Konzern verkaufte zwischen 1931 und 2007 so viele Fahrzeuge. Diesen Rang lief der japanische Toyota-Konzern GM allerdings mittlerweile ab.AFP/AP/reuters/dpa/kami





















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