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27.11.09

Nachfrageboom

Schweinegrippe lässt Knoblauchpreis explodieren

Der Preis für Knoblauch jagt derzeit einen Rekord nach dem anderen: Auf chinesischen Märkten zahlen die Kunden bis zu 40 Mal mehr als noch vor einem Jahr – vor allem wegen der Schweinegrippe. Denn den Knollen werden magische Heilkräfte nachgesagt. Aber es gibt noch zwei weitere Gründe für den unerwarteten Boom.

© picture-alliance / Photocuisine/Photocuisine.de
Knoblauchknolle: Vor allem Chinesen sind derzeit ganz verrückt danach
Knoblauchknolle: Vor allem Chinesen sind derzeit ganz verrückt danach

Es ist leichter als Gold, weniger haltbar und riecht so streng, dass europäische Vampire Reißaus nehmen. Aber "Da Suan", wie Knoblauch auf Chinesisch genannt wird, zieht Spekulanten im Reich der Mitte ebenso an, wie sonst nur das Edelmetall. Schuld daran sind seit März horrende Preissprünge für die uralte Kulturpflanze.

Eigentlich müsste sie spottbillig sein, weil China mit über elf Millionen Tonnen Knoblauch pro Jahr bisher fast 80 Prozent der Weltnachfrage erntete und die Auslandsmärkte damit überschwemmte. Seit jedoch die Mär besonders in Asien die Runde macht, dass der tägliche herzhafte Biss in eine Knoblauchzehe nicht nur unliebsame Nachbarn, sondern auch die grassierende Schweinegrippe auf Distanz hält, schnellte die landeseigene Nachfrage rasch nach oben.

Andere asiatische Länder von Japan bis Korea, die sich früher gegen Knoblauch-Importe regelrecht abschotteten, ließen sich von den Heilsversprechen anstecken und öffneten ihre Türen für das mutmaßliche Allheilmittel.

Das allein erklärt jedoch nicht, warum selbst auf den Bauernmärkten im Hauptanbaugebiet Shandong die weißen Knollen dieses Jahr bis zu 40mal teurer wurden als 2008. Neun Yuan (90 Cents) kostete plötzlich das Kilo, in Kanton sogar noch einmal das Doppelte. Die zunehmende Nachfrage fällt mit einer Verknappung des Angebots zusammen.

2008 verfielen die Preise durch Exporteinbrüche so heftig, dass viele der fünf Millionen Knoblauchbauern Chinas die Nase vom Anbau voll hatten. Deshalb wurde in diesem Jahr in Shandong etwa ein Drittel weniger Fläche bebaut.

Chinas Finanzzeitung "Guoji Jinrongbao" fand gestern einen weiteren Grund: Schlaue Investoren aus Dongbei, Wenzhou und Shanxi hatten für umgerechnet 30 Millionen Euro Teile der Ernte aufgekauft, als sie noch 30 Cents pro Kilo kostete. Jetzt werfen sie sie mit Gewinn auf den Markt. Vampire mögen den deftigen Rohstoff nicht. Spekulanten aber können nicht genug davon kriegen.

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