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04.11.09

Beschäftigung

Nachfrage nach Zeitarbeitern nimmt deutlich zu

Die Leiharbeitsfirmen haben ihren Personalbestand in den vergangenen Monaten kräftig aufgestockt. Zwischen Mai und September sind gut 71.000 neue Stellen entstanden. Auch im Oktober ist die Tendenz deutlich positiv. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist vor allem in drei Branchen gestiegen.

© DPA
Ein Manpower-Stand auf einer Jobmesse: Die Deutschland-Chefin des Unternehmens rechnet damit, dass in Kürze die Höchstmarke von 830.000 Zeitarbeitern überschritten wird
Ein Manpower-Stand auf einer Jobmesse: Die Deutschland-Chefin des Unternehmens rechnet damit, dass in Kürze die Höchstmarke von 830.000 Zeitarbeitern überschritten wird

Deutschlands Unternehmen setzen wieder auf das Instrument Zeitarbeit. "Die Nachfrage zieht spürbar an", berichtet Ingrid Hofmann, die Vizepräsidentin des Bundesverbandes Zeitarbeit Personaldienstleistungen (BZA), im Gespräch mit Morgenpost Online. Die Leihfirmen stocken daher ihren Personalbestand wieder auf. Nach Verbandsangaben sind bei den Zeitarbeitsfirmen hierzulande alleine zwischen Mai und September gut 71.000 neue Stellen entstanden. Die Gesamtzahl stieg dadurch auf 588.000, meldet der BZA. Das ist ein Plus von fast 14 Prozent. Offizielle Daten für Oktober liegen derzeit noch nicht vor. "Die Tendenz war aber auch dort deutlich positiv", sagt Hofmann.

Gestiegen ist die Nachfrage vor allem im Gesundheitswesen und in der Energiebranche, insbesondere in den Bereichen Solar und Windkraft. Aber auch in der Automobilindustrie legten die Leihzahlen zuletzt wieder zu. Das zeigt auch der so genannte Zeitarbeitsindex des BZA, der Morgenpost Online exklusiv vorliegt.

Danach stammen die höchsten Zuwachsraten im August aus Regionen, in denen der Automobilsektor stark vertreten ist, also beispielsweise Ostbayern und Halle/Leipzig mit BMW, das gerade erst angekündigt hat, zum Jahresende die Kurzarbeit einzustellen, Landshut/Ingolstadt mit Audi und Chemnitz/Zwickau mit Volkswagen.

Im September lagen die Werte dort zwar etwas niedriger, die Regionen gehörten aber immer noch zu denen mit den meisten Zuwächsen. "Wir können in der Automobilindustrie wieder Leute einsetzen", bestätigt Ingrid Hofmann auch aus der Praxis. So hat ihre Firma Hofmann Personal Leasing derzeit rund 1.900 Mitarbeiter bei Autoproduzenten und Zulieferern im Einsatz. Im Frühjahr waren es gerade mal gut 1.000. Gesucht werde sowohl für die Produktion als auch für die Verwaltung, berichtet Hofmann.

Überrascht ist die Unternehmerin deswegen nicht. "Nach Krisen hat die Zeitarbeit immer einen großen Sprung gemacht", erklärt Hofmann. Vera Calasan, Deutschland-Chefin von Branchengröße Manpower, hält es sogar für möglich, dass die bisherige Höchstmarke von 830.000 Zeitarbeitern in Deutschland nun "ziemlich schnell" überschritten wird.

Manpower investiere daher momentan in Strukturen, um das bevorstehende Wachstum zu bewältigen. "Die Unternehmen haben in der Krise gemerkt, dass Flexibilität der Schlüsselfaktor für den Erfolg ist", begründet Calasan, die seit Oktober im Amt ist. Das Know-how der Personaldienstleistungsunternehmen werde daher nach der Rezession noch höher wertgeschätzt.

Und die Überlassung von Arbeitnehmern beschränke sich längst nicht mehr nur auf die Produktionsbereiche, sondern umfasse alle Ebenen bis hinein ins Management, berichtet die Manpower-Chefin. Calasan hält es daher für realistisch, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der rund acht Mrd. Euro schweren Branche in den kommenden Jahren auf bis zu 2,5 Millionen ansteigt. Denn Deutschland habe noch Nachholbedarf.

Tatsächlich liegt der Anteil der Zeitarbeiter unter den gut 40 Mio. Erwerbstätigen hierzulande bei gerade 1,4 Prozent. Zum Vergleich: In Ländern wie den USA, England, Frankreich oder den Niederlanden liegt dieser Wert bei vier Prozent. "Deutschland ist bei der Zeitarbeit nach wie vor ein Wachstumsmarkt", meint daher auch BZA-Vize Hofmann. Zumal die Zahlen nun selbst im September angestiegen sind. Zuvor gab es in diesem Monat seit 15 Jahren ein Minus, da die Firmen dann immer ihre Urlaubsvertretungen zu den Zeitarbeitsfirmen zurückgeschickt haben. Bis Jahresende rechnet Hofmann mit noch weiterem Wachstum. Möglicherweise kann sogar das Minus aus dem Frühjahr aufgeholt werden.

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