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03.11.09

Krankenkassen

Den privaten Versicherern bleiben die Kunden weg

Die jüngste Gesundheitsreform hat den privaten Kranken-Versicherungen einen Scherbenhaufen hinterlassen. Der Zugang ist dermaßen erschwert, dass kaum noch Neukunden in das private System hereinkommen. Bei vielen Versicherungen geht die Zahl der Kunden dramatisch zurück.

© dpa
Die beliebtesten privaten Krankenversicherungen: Debeka, DKV und Allianz
Die beliebtesten privaten Krankenversicherungen: Debeka, DKV und Allianz

Die privaten Krankenversicherer stecken in der Bredouille. Zu schaffen macht den Versicherern jedoch weniger die Finanzkrise als vielmehr die Folgen der Gesundheitsreform von Ulla Schmidt (SPD). Die Zahl der Versicherten sinkt bei vielen Gesellschaften seit Jahren.

Schließlich müssen Arbeitnehmer seit der Reform ganze drei Jahre hintereinander mehr als 48.600 Euro im Jahr verdienen, um überhaupt in die private Versicherung wechseln zu können. 2010 wird diese Grenze sogar auf 49.950 Euro angehoben. Zwar hat die schwarz-gelbe Regierung bereits angekündigt, dieses rigide Reglement wieder zu vereinfachen. Künftig soll ein Wechsel in das private Gesundheitssystem auch dann möglich sein, wenn die entsprechende Einkommensgrenze ein Jahr lang überschritten wird.

Doch stagnierende Einkommen und eine stetig steigende Versicherungspflichtgrenze macht es vielen Arbeitnehmern unmöglich, den Sprung aus dem gesetzlichen System zu schaffen. "Ulla Schmidt hat in der privaten Krankenversicherung einen Scherbenhaufen hinterlassen", sagt Manfred Poweleit, Chefredakteur des Branchendienstes Map-Report. "Mit der erschwerten Wechselmöglichkeit hat sie der privaten Krankenversicherung das Wasser abgedreht." Rund ein Drittel aller Gesellschaften müssen mit Bestandsrückgängen kämpfen.

Das ist ein Ergebnis einer Studie des Branchendienstes Map-Report, der die Bilanzen der privaten Krankenversicherungen (PKV) unter die Lupe genommen hat. So sank die Zahl der Versicherten bei der Allianz seit 2003 um 7,9 Prozent. Ganze 62.145 Versicherte haben dem Münchener Unternehmen somit in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt. Die Signal verlor im gleichen Zeitraum 28.194 Kunden, die DKV 37.100. "Auch wenn Angaben zum Neugeschäft in den Geschäftsberichten häufig leider nicht veröffentlicht werden, lassen Bestandsverluste doch auf ein geringes Neugeschäft schließen", sagt Poweleit.

Doch nicht nur das Neugeschäft, auch hauseigene, handwerkliche Fehler setzen nach Angaben von Experten den Versicherern zu. "Viele Anbieter haben den Fehler gemacht und die Tarifvielfalt ausgebaut", sagt Poweleit. Das Ergebnis: Mit neuen Tarifen wurden vor allem junge Gesunde gelockt - zum Schnäppchenpreis.

Doch die vielen Tarife lassen sich kaum mehr bewirtschaften. Die Zeche zahlen in vielen Fällen die Versicherten. Sie müssen oft höhere Prämien bezahlen. "Ich gehe davon aus, dass es in der alten Tarifwelt zum Jahreswechsel teilweise zu kräftigen Beitragserhöhungen kommt", sagt Thomas Koerner, Versicherungsexperte vom Finanzcenter Koerner in Berlin. Die Versicherten können Beitragerhöhungen zwar umgehen, indem sie bei ihrem Anbieter in einen günstigeren Tarif wechseln - zumindest ist dies gesetzlich so geregelt.

Die Alterungsrückstellungen dürfen die Versicherten dann mitnehmen. "Doch häufig müssen Versicherte, die in einen Tarif mit einem geringeren Selbstbehalt oder mehr Leistung wechseln, eine erneute Gesundheitsprüfung machen", weiß Koerner aus seiner Beratungspraxis.

Viele Versicherte ließen sich dadurch abschrecken. Zudem würden viele Wechselwillige nicht informiert, dass sie auf die Mehrleistungen im neuen Tarif verzichten können. "Versicherte sollten sich auch durch Gesundheitsprüfungen nicht abschrecken lassen und auf ihrem Wechselrecht bestehen", sagt Versicherungsmathematiker Peter Schramm.

Top 10 – Verwaltungskostenquoten (Quelle: Map-Report)

Viele Gesellschaften kämpfen nicht nur wegen der erschwerten Rahmenbedingungen durch die Gesundheitsreform. Auch die steigenden Kosten machen der PKV zu schaffen. Die Leistungsausgaben der Versicherer stiegen nach Angaben des Map-Reports allein im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent.

Schwierigkeiten beim Neukundengeschäft, eine immense Tarifvielfalt, steigende Leistungsausgaben und die Finanzkrise setzen der PKV zu. "Die privaten Krankenversicherer sind bislang jedoch relativ glimpflich durch die Finanzkrise gekommen", sagt Versicherungsexperte Poweleit. Das Volumen der Kapitalanlagen stieg im vergangenen Jahr trotz Finanzkrise.

Doch die anhaltend niedrigen Zinsen auf den Märkten machen auch den privaten Krankenversicherern zu schaffen. So erwirtschafteten die Versicherer im Jahr 2008 im Schnitt gerade noch eine Nettorendite auf ihre Kapitalanlagen von 3,53 Prozent.

2007 lag diese bei immerhin noch 4,75 Prozent. Einer der Spitzenreiter bei der Nettorendite ist der Branchenprimus Debeka. Die Experten der Versicherungsgesellschaft erwirtschafteten im vergangenen Jahr eine Nettorendite von 4,47 Prozent. Deutlich schlechter schneiden beispielsweise die Central und die DKV ab. Die beiden Gesellschaften erzielten eine Nettorendite von 2,25 beziehungsweise 2,26 Prozent.

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