Streit um Kraftwerke
RWE will Atommeiler noch 80 Jahre laufen lassen
Dienstag, 9. Februar 2010 15:17Trotz des in Deutschland beschlossenen Atomausstiegs schlägt der Energiekonzern RWE längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke vor. Bis zu 80 Jahre könnten die alten Meiler noch am Stromnetz bleiben, meint RWE-Chef Jürgen Großmann. Schwarz-Gelb signalisiert die Bereitschaft zu Gesprächen.
Der Energiekonzern RWE hat mit einem Vorstoß für eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken um mehrere Jahrzehnte den Streit über die Kernenergie neu entfacht. RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann sprach sich dafür aus, Atommeiler statt wie jetzt 32 Jahre bis zu 80 Jahre am Netz zu lassen.RWE-Chef Großmann sagte der „Rheinischen Post“: „Baugleiche Reaktoren laufen in den Niederlanden, Frankreich oder Belgien 60 Jahre und mehr, in den USA sind jetzt sogar 80 Jahre im Gespräch.“ Das sei zwar keine Vorfestlegung für Deutschland, aber die derzeitige Laufzeitbegrenzung von 32 Jahren bleibe unter den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten. RWE in Essen ist nach eigenen Angaben der größte Stromerzeuger in Deutschland.
Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte dagegen, die Atomindustrie wolle mit ihren Meilern bis zum letzten Tag Kasse machen: „Das hohe Risiko alter Schrottmeiler und die offene Frage, was mit den immer weiter wachsenden strahlenden Atommüllbergen passieren soll, ist ihnen vollkommen egal.“
Der Atom-Ausstieg war im Jahr 2000 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung mit der Atomindustrie vereinbart worden. Die letzten der 17 deutschen Atomkraftwerke sollten danach spätestens 2022 vom Netz gehen.Grünen-Fraktionschefin Renate Künast will noch 2009 einen Untersuchungsausschuss zum Streit über ein Atommüll-Endlager in Gorleben auf den Weg bringen. Ein Antrag solle bereits im November in den Bundestag eingebracht werden: „Wir wollen zügig zu einem Untersuchungsauftrag kommen. Man kann das alles vor Weihnachten durchkriegen.“
Der Ausschuss soll sich unter anderem damit befassen, welche Rolle die frühere schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) bei der Auswahl Gorlebens gespielt hat. Es waren Vorwürfe der Manipulation aufgekommen.Der Salzstock im niedersächsischen Gorleben soll nach dem Willen von Union und FDP weiter auf seine Eignung als Endlager untersucht werden. Unter Rot-Grün war ein Stopp der Erkundung bis 2010 vereinbart worden.
dpa/ohtErschienen am 02.11.2009
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