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Versandhändler

Quelle-Aus bedroht Arbeitsplätze bei der Post

Nach 82 Jahren steht das traditionsreiche Versandhaus Quelle vor dem Aus. Sämtliche Rettungsbemühungen für das insolvente Fürther Unternehmen mit rund 10.500 Beschäftigten sind gescheitert. Die Folgen der Abwicklung des Unternehmens sind weitreichend: Auch bei der Deutschen Post drohen Stellenstreichungen.

Nach dem Aus des Versandhändlers Quelle drohen bei der Deutschen Post Stellenstreichungen. Es sei noch zu früh für eine endgültige Entscheidung, sagte Post-Sprecher Claus Korfmacher. Es werde derzeit beraten, welche Konsequenzen zu ziehen seien.

Der Insolvenzverwalter des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, hatte den geplanten Verkauf der Versandhandelsgruppe Primondo – ein großer Post Kunde – als Ganzes für gescheitert erklärt. Am Nachmittag will Görg die Quelle-Belegschaft in Fürth über die Schließung des Deutschlandsgeschäfts des Universalversenders informieren.

Die Post hatte sich bereits im Juli mit der Gewerkschaft Ver.di auf die Verkürzung der Kündigungsfristen für Tarifverträge von rund 3000 Beschäftigten verständigt, die die Logistik für die Arcandor-Töchter Karstadt und Quelle abwickeln. Der überwiegende Teil dieser Mitarbeiter arbeite für die Karstadt-Warenhäuser, so Korfmacher.

Zum Umsatzvolumen, das die Post jährlich aus Aufträgen der Arcandor-Versandhandelssparte Primondo mit Quelle und Karstadt erzielt, macht der Konzern keine Angaben. Die Post-Tochter DHL hatte 2005 die Warenhauslogistik für den Essener Konzern sowie das Versenden von Gütern wie Kühlschränken für eine Laufzeit von zehn Jahren übernommen. Damals waren die Post und Arcandor von einem jährlichen Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Euro ausgegangen.

Für das Druckunternehmen Prinovis, das die Quelle-Kataloge druckt, bleibt die Schließung des Versandhändlers zunächst ohne Auswirkungen. „Für uns bedeutet das nichts“, sagte ein Sprecher des Gemeinschaftsunternehmens der Medienkonzerne Bertelsmann und Axel Springer ("BILD", Morgenpost Online ONLINE). Das Management habe für das kommende Jahr sehr konservativ geplant. Daher sei derzeit auch kein Stellenabbau vorgesehen.

Arcandor war im Sommer in die Insolvenz geschlittert und mit ihm die Versandtochter Quelle sowie die Warenhäuser Karstadt. Insolvenzverwalter Görg erklärte, für Primondo habe keiner der vier Interessenten in der vorgegebenen Frist ein Angebot abgegeben. Die nun bevorstehende Schließung werde nochmals 1500 Arbeitsplätze bei Quelle kosten. Für 2500 der 10.500 Beschäftigten war bereits ein Sozialplan ausgehandelt worden.

Noch am Montag vier Interessenten für Quelle

Das Aus von Quelle Deutschland war zwar zu erwarten – und doch kam es am Montagabend plötzlich. Noch am Wochenende zuvor hatte der Insolvenzverwalter erklären lassen, alle vier Interessenten seien noch im Rennen. Nach Informationen von Morgenpost Online waren das die Finanzinvestoren Cerberus, Golden Gate und Texas Pacific Group (TPG), bei denen der französische Versender Redcats mit im Boot war. Redcats ist Teil der PPR-Gruppe, der auch die deutsche Sportmodemarke Puma gehört. TPG ist zudem einer der Eigentümer des Armaturenherstellers Grohe. Als vierter Interessent wird Sun Capital gehandelt – er galt aber zuletzt als Wackelkandidat.

Nach Informationen von Morgenpost Online hatte sich – trotz der gegenteiligen Stellungnahme der Insolvenzverwaltung - bereits am Wochenende angezeichnet, dass keiner der Interessenten tatsächlich ein Angebot vorlegen werde.

Alle wollten zugesichert haben, dass das so genannte Factoring auch über den 1. Januar 2010 hinaus gesichert wird. Bei dem Verfahren bekommt der Versender von einer Bank – gegen Gebühr - umgehend den kompletten Rechnungsbetrag bezahlt, auch wenn die Kundschaft den Betrag in Raten bezahlt. Das kommt bei Quelle sehr häufig vor. Die Essener Valovis-Bank, die diesen Service bisher leistete, wollte aber aussteigen. „Der Versandhandel funktioniert ohne solide finanzierte Ratenzahlungssysteme nicht“, erklärte Jörg Nerlich, der Beauftragte des Insolvenzverwalters für Quelle.

Branchenkenner erwarten jetzt, dass sich diese und zusätzliche Interessenten um den Kauf der lukrativen Reste von Primondo bemühen werden. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang auch der Name des Hamburger Versandhauses Otto. Sowohl die Spezialversender und das Osteuropa-Geschäft von Quelle als auch der Homeshoppingsender HSE 24 verdienen weiterhin Geld. Ohne die Problemsparte Quelle Deutschland könnte der Insolvenzverwalter jetzt hohe dreistellige Millionenbeträge aus dem Primondo-Verkauf erzielen, heißt es im Markt.

dpa/Reuters/PHJ/sl



Erschienen am 20.10.2009

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