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08.10.09

Umstrittener Vorstand

Sarrazin hat seine Bundesbank-Karriere verbaut

Bundesbank-Chef Axel Weber straft seinen Vorstand Thilo Sarrazin mit Verachtung. Der umstrittene Manager wird es nach seinen abfälligen Sprüchen gegen Araber, Türken und Berlin im Allgemeinen schwer haben, innerhalb der Bank noch einen bedeutsameren Posten als den des Bargeld-Wächters zu erlangen.

© dpa
Sarrazin

Es gibt in der Bundesbank eine Gepflogenheit: Jeden Tag müssen die Vorstände, so sie denn im Haus sind, miteinander essen gehen. Dem Vernehmen wird diese Tradition derzeit wie immer fortgeführt, auch wenn die Stimmung im Führungsgremium so schlecht sein dürfte wie selten zuvor. "Es war großer Mist, was Sarrazin uns da eingebrockt hat", heißt es aus Bundesbankkreisen. "Jetzt stehen alle Bundesbankvorstände wie Idioten da." Persönlich geschnitten werde Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin von seinen Kollegen jedoch nicht.

Anders steht es um Sarrazins Verhältnis zu seinem Vorgesetzen Axel Weber. Seit der Veröffentlichung von Sarrazins inzwischen legendärem Interview, in dem er sich abfällig über in Berlin lebende Türken und Araber äußerte, versucht Weber, Sarrazin zu disziplinieren und mit Verachtung zu strafen. Indirekt hat Weber vergangenes Wochenende Sarrazin zum Rückzug aufgefordert.

Jeden Tag aufs Neue hagelt es auch von Parteifreunden, Gewerkschaften und Verbänden Rücktrittsforderungen. Doch es sieht stark danach aus, als ob Sarrazin diese Krise aussitzt. Zurücktreten wird er nicht, und entlassen werden kann er nur wegen starker Verfehlungen im Amt, und das auch nur in einem höchstschwierigen Verfahren. Dafür reichen seine Aussagen nicht aus.

Doch die Chancen, dass Sarrazin bei der Bundesbank noch viel mehr wird als wie derzeit der Wächter über das Bargeld, tendieren erst einmal gegen Null. Schon vom ersten Tag an haben Weber und Sarrazin nicht zueinander gefunden, heißt es aus der Bundesbank.

Das liegt zum einen daran, dass Sarrazin gleich unglücklich ins neue Amt startete und seinem Ruf als Provokateur alle Ehre machte: Öffentlich forderte er, bevor überhaupt gewählt, die Leitung der Finanzmarktabteilung ein. Ein Unding in den konspirativen Notenbank-Welt. Zum anderen dulde das Alphatier Weber aber auch ungern Vorstände neben sich, die ihm in der Öffentlichkeit die Schau stehlen, heißt es.

Seit seinem Interview ist Sarrazin in der Gunst Webers noch tiefer gefallen. Damit hat Sarrazin ein Problem, denn Weber besitzt bei der Postenverteilung innerhalb des Bundesbankvorstandes ein Vetorecht. "Nach der Nummer hat Sarrazin natürlich nun schlechte Karten", sagt ein Bundesbanker. Dabei werden 2010 zwei Vorstandsposten frei. Und bei Amtsantritt im Mai dieses Jahres wurde Sarrazin versichert: Zeige er Geduld und verhalte er sich ruhig, könnten ihm einflussreichere Posten offenstehen.

Doch genau da liegt das Problem: Sarrazin kann "einfach nicht die Klappe halten", drückte es ein Notenbanker schlicht aus. Das war allerdings schon vor seinem Amtsantritt bei der Bundesbank bekannt. Und so wirft die Personalie Sarrazin die Frage auf, ob das Ernennungsverfahren von Bundesbank-Vorständen nicht dringend reformiert werden muss.

Die sechs Vorstandsmitglieder der Bundesbank werden vom Bundespräsidenten ernannt. Das Vorschlagsrecht für den Präsidenten, den Vizepräsidenten und ein weiteres Vorstandsmitglied obliegt der Bundesregierung. Die drei verbleibenden Vorstände werden vom Bundesrat im Einvernehmen mit der Bundesregierung vorgeschlagen. Die Vorstandsmitglieder werden in der Regel gleich für acht Jahre ernannt.

So geht es oft nach politischem Proporz, wer ins Führungsgremium darf. "Der Bundesbankvorstand darf nicht länger ein Verschiebebahnhof für politische Günstlinge sein", sagt ein Beobachter. Auch Geldpolitikexperte Manfred Neumann sagt: "Man darf nicht länger nach dem Muster verfahren: Im Bundesbankvorstand können wir vielleicht noch einen unterbringen." Im kommenden Jahr enden die Amtszeiten von Hans-Helmut Kotz und Hans-Georg Fabritius.

Weber hat die Sorge, dass die Politik ihm zwei Vorstände vor die Nase setzt, mit denen er nichts anfangen kann. Dann darf er den Laden ganz allein schmeißen, heißt es aus der Bundesbank. Dabei zeigt die englische Notenbank, wie es anders gehen kann: Sie hat ihre freien Vorstandsposten international ausgeschrieben, ein Ausschuss wählte die besten Kandidaten aus und schlug sie der Regierung vor.

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