Preivergleich
Gas ist in Berlin besonders günstig
Mehr als 200 Gasversorger senken bundesweit die Preise ab Oktober um durchschnittlich 8,4 Prozent. Auf die Berliner können viele dennoch nur neidisch schauen. Hier ist das Gas besonders günstig. Ein exklusiver Preisvergleich.
Von Daniel Wetzel
Gas ist in Berlin im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands besonders günstig. Das unabhängige Verbraucherportals toptarif.de hat exklusiv für Morgenpost Online bundesweit die Preise untersucht. Mindestens 264 Versorger bieten Gas von Oktober und November an billiger an – teilweise um bis zu 24 Prozent. Besonders billig wird das Heizen in Berlin: Die Gasag senkt hier wie angekündigt zum vierten Mal in diesem Jahr die Preise – auf das dann günstigste Niveau in Deutschland.
Nach den Berechnungen haben die angekündigten Preissenkungen bundesweit eine Größenordnung von durchschnittlich 8,4 Prozent. Damit wird ein vierköpfiger Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch um rund 121 Euro entlastet.
Grund für die Gaspreissenkung ist der Verfall des Ölpreises. Notierte dieser noch vor gut einem Jahr bei einem Rekordwert von 140 Dollar pro Barrel (Fass), gab er bis zu Beginn diesen Jahres auf rund 30 Dollar nach. Die Gaspreise folgten dieser Entwicklung wegen der üblichen vertraglichen Gleitklauseln mit rund sechs Monaten Verzögerung. "Insgesamt gab es 2009 bei jedem der rund 750 deutschen Versorgungsunternehmen knapp 2,4 Preissenkungen um durchschnittlich 20 Prozent", stellt Thorsten Bohg, Energieexperte von toptarif.de fest.
Von den Gaspreissenkungen im laufenden Jahr profitieren die Verbraucher allerdings in sehr unterschiedlichem Maße. Während Haushalte in Berlin, Hamburg, Bremen und Niedersachsen für 20.000 Kilowattstunden Gas im Schnitt weniger als 1200 Euro zahlen müssen (jeweils günstigster Tarif des örtlichen Versorgers), ist die Versorgung in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu Beginn der kalten Jahreszeit mit über 1300 Euro bis zu 18,5 Prozent teurer. Offenbar reagieren viele Stadtwerke und Regionalversorger sehr unterschiedlich auf die gesunkenen Importpreise. Während im Saarland und in Bremen die Gaspreise nun um 26 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, wurden sie in Thüringen etwa nur um rund 15 Prozent günstiger.
"Mit weiteren Preissenkungen in der Heizperiode ist allerdings nicht zu rechnen", betont Bohg. Denn der Ölpreis stieg in den vergangenen Monaten wieder von 30 auf rund 70 Dollar pro Fass. Nach der üblichen halbjährigen Verzögerung müssten die Gaspreise deshalb zum Jahreswechsel wieder steigen. Tatsächlich hat eine Minderheit von zwölf Versorgern ihre Preise zum 1.Oktober sogar erhöht – und damit die Trendwende für ganz Deutschland bereits eingeläutet.
Die Gefahr wieder anziehender Gaspreise sieht auch Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands Verbraucherzentrale. "Preissteigerungen von zehn bis 15 Prozent sind angesichts der Entwicklungen auf dem Ölmarkt nicht auszuschließen." Er rät den Verbrauchern daher, auf dem jetzigen niedrigen Niveau Jahresverträge abzuschließen, denn: "Wir gehen jetzt wieder in eine Phase von Preissteigerungen hinein."
Toptarif-Experte Bogh glaubt auch, dass Preisvergleiche gerade jetzt lohnend wären: "Viele Anbieter am Markt bieten günstige Tarife mit Preisgarantien über die Heizperiode hinaus an." Der Spareffekt könne pro Haushalt "mehrere hundert Euro ausmachen."
Der größte städtische Gasversorger Europas, die Berliner Gasag, kündigte auf Nachfrage von Morgenpost Online schon einmal an, ihre Preise über die ganze Heizperiode bis mindestens April nächsten Jahres konstant lassen zu wollen – trotz des jüngsten Ölpreisanstiegs. Dies gelte jedoch nur, wenn es in den kommenden Monaten bei den Ölnotierungen nicht noch einen drastischen Ausreißer gebe, hieß es bei der Gasag.
Das Unternehmen hatte bereits im August angekündigt, seine Preise zum 1. Oktober um nochmals zehn Prozent zu senken. Es ist dies die größte der insgesamt vier Preissenkungen der Gasag in diesem Jahr.
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