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Kriminalität

So läuft der große Betrug am Geldautomaten

Kameras machen Kriminellen an Geldautomaten mittlerweile keine Angst mehr. Die Schäden durch Manipulation der Maschinen nehmen deutlich zu. Allerdings gibt es Wege, das Kopieren der Karten zu unterbinden. Doch solange die Branche auf veraltete Magnetstreifen setzt, wird sich am Betrug wenig ändern.

?Mit aufreizender Lässigkeit, ohne jede Tarnung, montiert ein Mann einen Tastaturaufsatz auf dem Geldautomaten, während ein zweiter den Vorraum der Bankfiliale sichert. Nach 30 Sekunden ist der Spuk vorbei.

Allerdings nicht für all jene, die in den folgenden Stunden den präparierten Automaten nutzen, um Geld von ihrem Konto abzuheben. Für die geht er nämlich gerade erst los. Durch Manipulation am Geldspeicher gelangen die Täter später an die Kontodaten, übermitteln sie an Komplizen im Ausland, und die räumen dann mit einer gefälschten Karte die Konten der Ahnungslosen ab.

„Skimming“ ist europaweit auf dem Vormarsch. Der englische Begriff steht für „abschöpfen“ und hat es dieses Jahr zur Aufnahme in den Duden gebracht. Denn der Datenklau am Automaten nimmt rasant zu. So waren 2008 allein in Deutschland 809 Geldautomaten Ziel von Manipulationen, ein Anstieg um 77 Prozent zum Vorjahr. Der Schaden wird auf 40 Millionen Euro geschätzt, europaweit dürfte er zehnmal so hoch sein.

Dabei müsste Skimming kein Problem sein. Zum einen könnten Kunden durch aufmerksames Verhalten viele Manipulationen an Geldautomaten erkennen und den Betrugsversuch unterbinden. Vor allem an der Tastatur lässt sich relativ leicht durch Abtasten und Rütteln feststellen, ob sich jemand daran zu schaffen gemacht hat.

Skimming kann aber auch nur deshalb so erfolgreich sein, weil es bestehende Schwächen in der Infrastruktur nutzt. Zwar sind deutsche Karten seit 1979 durch das „modulierte Merkmal“ (MM), eine geheime, maschinenlesbare Substanz im Kartenkörper, die mit einer entsprechenden Box im Geldautomaten korrespondiert, geschützt. Dieses Prinzip hat sich aber international nicht durchgesetzt. Deshalb erfolgen Abhebungen mit den Kartendubletten auch praktisch immer im Ausland.

Doch es gäbe einen Weg, das Kopieren der Karten ganz zu unterbinden. Das aber würde den kompletten Verzicht auf die günstige, aber veraltete Magnetstreifentechnik erfordern. Die Alternative: Der von Europay, Mastercard und Visa entwickelte EMV-Chip. Er ermöglicht es, die darin gespeicherten Daten gegen Verfälschung und Kopieren zu schützen, was beim Magnetstreifen nicht möglich ist.

Die Banken allerdings scheuen den Aufwand, die Geldautomaten – Kaufpreis 15.000 bis 35.000 Euro – und die Karten, die durch den Chip je 3 Euro teurer würden, flächendeckend auf das sichere System umzustellen. Kein Wunder: Es geht deutschlandweit um 50.000 Automaten, 90 Millionen Geld- und EC-Karten sowie 23 Millionen Kreditkarten. So behelfen sich die Institute mit Anti-Skimming-Mechanismen, die etwa das Magnetfeld der Karte stören. „Angesichts der Schadenssumme ist der Leidensdruck da noch nicht hoch genug“, sagt ein Insider.

So geht die Umrüstung langsam voran. Erst Ende 2010 sollen in Europa sowohl Zahlungskarten als auch Bezahlterminals und Geldautomaten umgerüstet sein. So lange behalten auch jene Karten ihre Schwachstelle Magnetstreifen, die schon einen EMV-Chip haben.

Und da ein internationaler Standard über Europa hinaus in weiter Ferne liegt – in den USA etwa gibt es keinerlei Bestrebungen in diese Richtung – dürfte Skimming Bankkunden auch in Deutschland weiter beschäftigen. Da hilft nur Selbstschutz.



Erschienen am 13.09.2009

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