Haftung für Arcandor
Wie Madeleine Schickedanz ihr Geld verspielte
Auf die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz kommen stürmische Zeiten zu. Die 65-Jährige hat ihr Vermögen zur Sicherung von Krediten für Arcandor-Aktien eingesetzt. Vermögensberater von Schickedanz ist ausgerechnet Josef Esch – der zuvor für Arcandor einen seltsamen Immobiliendeal einfädelte.
Von Hagen Seidel
Gustav Schickedanz stirbt 1977. Dessen Witwe Grete zeigt dem damaligen Postminister Kurt Gscheidle (M.) und dem neuen Vorstandschef Hans Dedi (mit Gustavs Tochter Louise verheiratet ) das Versandzentrum der Quelle in Erlangen.
Die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz haftet mit 215 Millionen Euro für einen Aktien-Kredit, mit dessen Hilfe sie einst Anteile am nun insolventen Handelskonzern Arcandor erwarb. Nach einem Bericht des "Stern" haftet sie mit dieser Summe; da die Aktien nach der Insolvenz des Unternehmens kaum noch einen Wert haben, droht diese Finanzkonstruktion in eine gefährliche Schieflage zu geraten.
Denn das Bankhaus Sal. Oppenheim könnte bei Bedarf nahezu auf das gesamte Vermögen zugreifen, das in Deutschland noch auf den Namen von Madeleine Schickedanz läuft. Darunter sind zahlreiche Immobilien in München, Nürnberg, am Tegernsee, in Hamburg sowie das Schickedanz-Elternhaus im fränkischen Hersbruck sowie das dortige Schickedanz-Warenhaus.
Das Institut wollte sich zu den Meldungen um die Kundin Schickedanz nicht äußern. Wegen der hohen Risiken warnen Anlageexperten grundsätzlich davor, Aktienkäufe auf Kredit zu finanzieren. Das Amtsgericht Essen hatte für 37 Firmen der Arcandor-Gruppe das Insolvenzverfahren eröffnet.
Nach Informationen von Morgenpost Online soll der Schickedanz-Kredit, der mit 215 Millionen Euro besichert ist, nur einen Wert von 160 Millionen Euro haben. Der Sicherheitspuffer diene dazu, die monatlichen Belastungen für Schickedanz zu reduzieren, hieß es.
Erstmals bestätigte ein Sprecher, dass der Troisdorfer Immobilienunternehmer und Finanzexperte Josef Esch die Finanzen der Quelle-Erbin verwaltet. Ein Esch-Sprecher wollte sich allerdings nicht zu der Frage äußern, ob sein Mandant auch eine Generalvollmacht von Frau Schickedanz besitzt.
Nach Worten des Sprechers besteht für Schickedanz aktuell nicht die Gefahr, dass die Bank Sal. Oppenheim, die selber von der Krise betroffen ist, auf die Immobilien zugreift. "Da gibt es keinen Druck und keinen Handlungsbedarf, von keiner Seite", erklärte er.
Josef Esch ist ein alter Bekannter in Sachen Arcandor und KarstadtQuelle. Er fädelte mit dem früheren Konzernchef Wolfgang Urban einen undurchsichtigen Immobiliendeal ein, einen der "Oppenheim-Esch-Fonds".
Weil der spätere Aufsichtsrats- und Vorstandschef von KarstadtQuelle, Thomas Middelhoff, gegen dieses Geschäft zum Nachteil des Unternehmens keine rechtlichen Schritte eingeleitet hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Middelhoff. Der Manager bestreitet, dass sein Handeln mit seinen privaten Investitionen zu tun gehabt habe.
Middelhoff und seine Frau hatten, lange vor seinem Engagement bei KarstadtQuelle, "Oppenheim-Esch-Fonds" gezeichnet, die Karstadt-Warenhäuser zum Gegenstand haben. Sal. Oppenheim hat inzwischen angekündigt, die Zusammenarbeit mit Esch deutlich zu reduzieren.
Gegen Esch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachtes von Bestechung und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit der Erweiterung der Kölner Messehallen.
Im Juli hatte Schickedanz, die rund 30 Prozent der Aktien von Arcandor hält, in einem Interview gesagt, wegen des Niedergang des Unternehmens müsse sie inzwischen von 600 Euro im Monat leben, beim Discounter einkaufen und sei gar auf Kräutlein aus dem eigenen Garten angewiesen.
Diese Äußerungen hatten der ehemaligen Milliardärin in der Öffentlichkeit Hohn und Spott eingebracht. Im Internet wurde sogar eine Sammelbörse für die ehemals Superreiche eingerichtet.
Laut "Stern" hat die Familie allerdings rechtzeitig bedeutende Vermögensteile auf einen Schickedanz-Sohn überschrieben, unter anderem die Familienvilla in Fürth. Die Mutter hat hier lebenslanges Wohnrecht.
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