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27.08.09

Insolventer Konzern

Arcandor-Chef hat goldenen Handschlag sicher

Schon nächste Woche könnte Arcandor-Chef Eick das Unternehmen verlassen. 15 Millionen Euro hat ihm Sal. Oppenheim garantiert. Auch zwei weitere neue Vorstände haben ein garantiertes Einkommen. Im Gegensatz dazu müssen Zehntausende Mitarbeiter wegen der Insolvenz Gehaltseinbußen hinnehmen.

© AP
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick sind 15 Millionen Euro sicher
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick sind 15 Millionen Euro sicher

Das Engagement der Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim beim insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor wird noch teurer, als bisher bekannt. Nach Informationen von Morgenpost Online haben die Gesellschafter des Bankhauses nicht nur Vorstandschef Karl-Gerhard Eick sein Millionengehalt garantiert, sondern zum Teil auch den von Eick engagierten neuen Vorstandsmitgliedern Arnold Matschull (Einkauf) und Zvezdana Seeger, die sich um den Verkauf von Konzernbestandteilen wie den Premiumhäusern KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger kümmern sollte. Sal. Oppenheim bestätigte, dass es für Seeger und Matschull die Zusage einer begrenzten Absicherung für den Fall der Insolvenz gegeben habe. Eick hat eine Garantie für sämtliche Bezüge.


Keine Stellungnahme gibt es zu Gerüchten, wonach Konzernchef Eick in der kommenden Woche – mit Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens am 1. September – sein Amt aufgibt. Die Hinweise darauf mehren sich.


Eick bekommt nach seinem über fünf Jahre laufenden Vertrag pro Jahr zwei Mio. Euro, zuzüglich möglicher Boni von einer Mio. pro Jahr – also 15 Mio. Euro. Diese Maximal-Summe ist ihm durch die Zusage des Großaktionärs, der Gesellschafter von Sal. Oppenheim, auch in der Insolvenz sicher. Derzeit jedoch ist die Bezahlung gestoppt. Eick setzte als neuer Vorstandschef gegen den Willen der Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat durch, dass die neu eingestellten Manager Seeger und Matschull nicht nur in den Rang von Generaldirektoren, sondern von Vorstandsmitgliedern erhoben wurden.


Ob beide weiterhin im Konzern bleiben, ist unsicher. Schließlich sollten sie Aufgaben für Arcandor – und somit übergreifend für Karstadt und Primondo – übernehmen. Weil Karstadt und Primondo künftig eigene Wege gehen werden, stellt sich die Sinnfrage für die Jobs.

In der Chefetage von Arcandor gibt es somit zwei Sorten von Vorstandsmitgliedern: Auf der einen Seite Eick, Seeger und Matschull, die vor den Insolvenzfolgen geschützt sind, auf der anderen Seite Karstadt-Chef Stefan Herzberg und Primondo-Boss Michael Sommer, die keine solche Sicherung haben.


Für Eick wird sich mit der Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens einiges ändern. Denn dann ist nicht mehr er der offizielle Konzernchef von Arcandor, sondern der mutmaßliche Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Mitte August hatte Eick die Suche nach einem Käufer für Gesamt-Arcandor aufgegeben. Jetzt sollen die Teile verkauft werden.

Auch die leere Hülle Arcandor braucht aber künftig einen Chef. "Irgendwer muss ja die Briefe vom Gericht entgegen nehmen", hieß es unlängst in der Zentrale. Doch dafür ist keiner erforderlich, der drei Mio. Euro im Jahr kassiert. Gut möglich, dass Eick zurücktritt – vorausgesetzt, der Abschied wird ihm ordentlich vergoldet.


Wolfgang Urban, einer der Vorgänger, hatte sich nach dem unfreiwilligen Ende seiner Konzern-Karriere 2004 mit der Auszahlung von Bezügen für weitere drei Jahre begnügt, obwohl sein Vertrag noch fast fünf Jahre Laufzeit hatte. Und auch der Ende Februar ausgeschiedene Thomas Middelhoff hat nicht die gesamte Summe mitgenommen, die ihm zustand.

Wie Morgenpost Online aus dem Firmenumfeld erfuhr, bekam er von seinem Ausstiegspaket (knapp vier Mio. Euro) nur die Hälfte ausgezahlt. Bevor die zweite Hälfte überwiesen werden konnte, meldete Arcandor Insolvenz an. Das Unternehmen muss jetzt nicht mehr zahlen. Middelhoff kann die Millionen wohl abschreiben.

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