Studie
Topverdiener zahlen immer weniger Steuern
Freitag, 27. November 2009 20:25 - Von Tobias KaiserTopverdiener müssen im Schnitt immer weniger Steuern zahlen. In den vergangenen fünf Jahren sank der weltweite Spitzensteuersatz von 31,2 Prozent auf 28,9 Prozent, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG. Großverdiener in Deutschland kommen unter dem Strich gut weg.

In Deutschland sank der Spitzensteuersatz seit 2003 von 48,5 auf 45 Prozent. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Bereich. Der Höchststeuersatz greift erst ab einem Einkommen von 250.000 Euro, der reguläre Höchstsatz beträgt 42 Prozent.
KPMG erwartet, dass die Sätze künftig wieder steigen könnten. Es sei „davon auszugehen, dass spätestens jetzt der Sinkflug gestoppt ist“, sagte KPMG-Steuer-Experte Ernst Gröbl. Einige Länder wollten angesichts von Haushaltslöchern Spitzenverdiener stärker belasten. So erhöhte Irland seinen Spitzensteuersatz in diesem Jahr um fünf Prozentpunkte auf 46 Prozent, Großbritannien beschloss, 2010 den Steuersatz für Topverdiener um zehn Prozentpunkte anzuheben. Der Spitzensteuersatz betrifft nur einen kleinen Teil der Steuerzahler, die allerdings sind für den Fiskus besonders wichtig, erklärt Viktor Steiner, Leiter der Forschungsabteilung Staat im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Die untersten 50 Prozent der Einkommensbezieher zahlen praktisch keine Einkommensteuer, während das oberste Prozent der Steuerzahler 20 Prozent der Einnahmen aus der Einkommensteuer generieren.“ Deren Steuerlast liege aber meist weit unter dem offiziellen Steuersatz.Wichtiger als der Satz ist deshalb die tatsächliche Steuerbelastung. Hier kommen deutsche Spitzenverdiener nach den KPMG-Berechnungen im europäischen Vergleich gut weg: Wer hierzulande 70.000 Euro verdient, zahlt nur 20,1 Prozent Einkommensteuer, weit weniger als in Großbritannien (25,4 Prozent) oder Österreich (23,6 Prozent).
Werden die Beiträge zur Sozialversicherung in die Rechnung einbezogen, stehen Top-Verdiener noch besser da. Wegen der Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung zahlt ein Spitzenverdiener, der knapp 210.000 Euro verdient, durchschnittlich nur 5,3 Prozent Sozialabgaben.Erschienen am 24.08.2009
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