28.02.13

Managergehälter

Banken laufen Sturm gegen neue Bonusregeln

Europa hat auf die Finanzkrise reagiert und setzt enge Grenzen für die Boni der Banker. Die Bankmanager fürchten nun, dass ein Teil ihres Geschäfts nach New York oder Singapur abwandert.

Von Florian Eder und Sebastian Jost
Quelle: Reuters
28.02.13 2:48 min.
Nach zähen Verhandlungen haben sich das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten auf Regelungen zur Begrenzung von Banker-Boni geeinigt. Kritik kommt vor allem aus Großbritannien.

Europa setzt den Banken die weltweit engsten Grenzen für die Bezahlung ihrer Mitarbeiter. Der Bonus eines Bankers darf künftig höchstens das Doppelte seines Fixgehalts betragen. Die Branche läuft dagegen Sturm. Sie fürchtet, dass die europäischen Finanzinstitute im weltweiten Wettbewerb zurückfallen werden.

Bankmanager sprachen von einem "vernichtenden Schlag" vor allem für London, einen der weltweit wichtigsten Standorte für das Kapitalmarktgeschäft der Banken, eine Sparte, in der hohe Bonuszahlungen bislang üblich sind. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson sprach von einer Entscheidung pro Singapur, Zürich und New York. "Brüssel kann den weltweiten Markt für Banker-Talente nicht kontrollieren, Brüssel kann nicht die Boni weltweit festsetzen."

Andreas Treichl, Chef der Ersten Bank in Österreich, warnte ebenfalls vor schmerzlichen Folgen: "Da werden zahlreiche der hoch bezahlten Leute im Investmentbanking europäische Institute verlassen." Auch in Deutschland lehnten Branchenvertreter die neuen Bestimmungen ab. "Die starre Obergrenze von leistungsabhängigen Boni zum Festgehalt ist kritisch zu sehen", sagte Andreas Schmitz, Präsident des privaten Bankenverbands BdB. "Diese geht zulasten der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandortes Europa und stellt eine unangemessene Bevormundung der Eigentümer dar."

Deutsche Bank dürfte es hart treffen

Am härtesten dürfte das Bonuslimit hierzulande die Deutsche Bank treffen, die sich als eine der führenden Investmentbanken im weltweiten Wettbewerb sieht. Die Bank wollte sich zu den Konsequenzen nicht äußern und das Regelwerk zunächst prüfen.

EU-Kommission, -Parlament und -Rat hatten sich nach monatelangem Ringen in der Nacht zum Donnerstag auf das neue Bankenregelwerk CRD IV geeinigt, das als Konsequenz aus der Finanzkrise unter anderem strengere Eigenkapitalregeln vorsieht. Dadurch sollen die Banken mögliche Verluste verkraften, ohne Steuergelder zu beanspruchen.

Knackpunkt in den Verhandlungen waren die Boni. Sie sollen nun im Regelfall das Fixgehalt nicht mehr übersteigen. Nur wenn die Aktionäre der Bank zustimmen, ist das Doppelte erlaubt. In diesem Fall muss ein Teil des Bonus über mehrere Jahre gestreckt ausgezahlt werden, wofür dem Banker wiederum eine Art Verzinsung gewährt werden darf.

Falsche Anreize sollen verhindert werden

Die Limits sollen falsche Anreize unterbinden, die die Banker dazu verleiten, übermäßige Risiken einzugehen. Versuche aus Großbritannien, ein Hintertürchen zur Umgehung der Obergrenze einzubauen, hatte das EU-Parlament abgeblockt.

Die Brüsseler Boni-Regelung fällt in eine neue Debatte über Managervergütungen. Am Sonntag wird in der Schweiz über ein Volksbegehren abgestimmt, das Abfindungen verbieten und die Spielräume für Millionengehälter begrenzen soll.

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Bankenregulierung
  • STRAFEN

    Topmanagern bei Banken und Versicherungen drohen künftig empfindliche Strafen, wenn sie gegen Sorgfaltspflichten bei Risikogeschäften verstoßen und ihr Unternehmen durch fragwürdiges Vorgehen in eine Schieflage bringen. Im Zweifel blühen ihnen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. Bislang mussten sie kaum strafrechtliche Konsequenzen fürchten: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise wurde in Deutschland so gut wie kein Top-Banker wegen solcher Verfehlungen vor einem Gericht verurteilt.

  • TRENNUNG

    Banken sollen riskante Handelsgeschäfte vom normalen Einlagen- und Kreditgeschäft abspalten. Ab einer bestimmten Größe müssen Großbanken bestimmte spekulative Teile des Eigenhandels und Geschäfte mit Hedgefonds in eigenständige Handelsgesellschaften auslagern. Als Schwellenwert gilt: Die Vermögenswerte müssen mehr als 20 Prozent der gesamten Bilanzsumme ausmachen oder größer als 100 Milliarden Euro sein. Nach ersten vorsichtigen Schätzungen von Experten könnten bis zu ein Dutzend Banken betroffen sein.

  • TESTAMENT

    Außerdem sollen systemrelevante Institute künftig für den Krisenfall vorsorgen: Banken, deren Zusammenbruch das ganze Finanzsystem gefährden könnte, sollen eigene Sanierungs- und Abwicklungspläne („Banken-Testamente“) vorlegen. Von den größten der Branche hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin solche Krisenpläne bereits eingefordert. Gesetzlich geregelt ist dies bislang aber nicht. dpa

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