26.02.13

Wucher-Vorwurf

Venezuela lässt Zara-Läden für drei Tage schließen

Radikaler Schritt: In Venezuela hat die Regierung die Läden der erfolgsverwöhnten Modekette Zara für 72 Stunden schließen lassen. Angeblich solle der spanische Konzern "Wucherpreise" verlangt haben.

Von Ute Müller
Foto: AFP

In Venezuela bleiben die Zara-Geschäfte geschlossen – wie dieser Laden in Caracas
In Venezuela bleiben die Zara-Geschäfte geschlossen – wie dieser Laden in Caracas

So etwas ist der erfolgsverwöhnten spanischen Modekette Zara noch nie passiert. Per Dekret ließ die Regierung von Venezuela ihre Läden im lateinamerikanischen Land für 72 Stunden schließen.

Die Spanier sollen nach der Abwertung der lokalen Währung Bolivar "Wucherpreise" verlangt und mit "betrügerischen Angeboten" geworben haben, hieß es bei dem staatlichen Verbraucherinstitut Indepabis.

Die Zara-Geschäfte, die in Venezuela von dem Franchise-Unternehmen Phoenix World Trading betrieben werden, wurden am vergangenen Freitag geschlossen, nachdem die Behörden bei den Waren eine "willkürliche Preiserhöhung" festgestellt haben wollten.

Fotos in Zeitungen zeigen eine Truppe zumeist jugendlicher "Wettbewerbshüter", bekleidet mit roten Baseball-Kappen und Polohemden, die flugs Vitrinen versiegelten und Waren konfiszierten.

Zudem müssen die Betreiber eine Strafe von 85.000 Dollar zahlen. Venezuela, dessen Präsident Hugo Chávez sich seit Montag vergangener Woche in einem Militärkrankenhaus befindet, hatte seine Währung jüngst um 32 Prozent abgewertet, die Maßnahme trat am 13. Februar in Kraft.

Zufriedenstellende Geschäfte

In der Zentrale des Mutterkonzerns Inditex im nordspanischen Arteixo zeigte man sich am Dienstag unbesorgt, da die Zara-Geschäfte nicht direkt, sondern über ein Subunternehmen betrieben würden. "Auf Märkten, auf denen wir kein riesiges Wachstum erwarten, auf denen wir aber präsent sein wollen, arbeiten wir mit lokalen Unternehmen zusammen", erläuterte eine Sprecherin. Sie konnte nicht bestätigen, ob die Läden diese Woche wieder öffnen.

Das alles braucht den Konzern und seinen unnahbaren Chef Pablo Isla kaum zu bekümmern, schließlich macht Venezuela nicht einmal ein Prozent des Konzernumsatzes aus. Selbst in Spanien, das unter einer schweren Rezession leidet, laufen die Geschäfte zufriedenstellend, da Inditex schon aufgrund seiner schieren Größe in der Krise kleinere Rivalen verdrängen und seinen Marktanteil weiter ausbauen konnte.

Inzwischen bringt es der Konzern auf 5900 Läden weltweit, 91 davon in Deutschland. Längst haben die geschäftstüchtigen Galizier die schwedische Modekette H&M sowohl beim Umsatz als auch beim Expansionstempo abgehängt.

Auch andere Geschäfte bleiben zu

Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt ein neuer Zara-Laden aufgemacht wird. Inditex-Gründer Armancio Ortega hält immer noch 60 Prozent an seiner Firma und ist der reichste Mann Europas. Inditex legt Anfang März seine Bilanzahlen vor und dürfte dann die Konkurrenz mit einem Umsatz von knapp 16 Milliarden Euro weiter abgehängt haben.

Den Chef des venezolanischen Verbraucherinstituts Trino Martínez beeindruckt dies alles nicht. Wenn man noch einmal feststelle, dass Zara die Preise ändere oder die Strafe nicht zahlen sollte, werde man Anzeige erstatten und erneut die Geschäfte schließen.

Schikane gegen ausländische Unternehmen kann man Martínez nicht vorwerfen. Die Regierung in Caracas schloss vergangenen Freitag auch venezolanische Unternehmen, etwa die Modekette Beco oder den staatlichen Baumarkt Epa, aus dem gleichen Grund.

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