24.02.13

Praxis-Test

Flinc-App verspricht spontane Mitfahrgelegenheiten

Daumen raus am Straßenrand? Das war früher. Die Flinc-App erlaubt Mitfahrgelegenheiten sofort an Ort und Stelle zu suchen. Der Praxis-Test zeigt: Leider fehlen dem innovativen Angebot oft die Fahrer.

Foto: Computer Bild

Flinc verspricht eine Mitfahrgelegenheit, wenn man sie braucht – auch spontan
Flinc verspricht eine Mitfahrgelegenheit, wenn man sie braucht – auch spontan

Party zu Ende und ab nach Hause. Dumm nur, wenn das eigene Auto zu Hause steht und der letzte Bus bereits abgefahren ist. Taxi? Zu teuer. Kumpel anrufen? Der schläft bestimmt schon. Wie wär's mit einer Mitfahrgelegenheit?

Die klassische Mitfahrzentrale verlangt nach vorheriger Planung und fällt in diesem Falle leider aus. Aber Flinc schafft das auch ohne Ankündigung. Als Alternative zur geplanten Mitfahrt erlaubt Flinc, an Ort und Stelle einen Fahrer zu suchen.

Abfahrtsort und Ziel in die App eingeben, und schon sucht sie nach passenden Fahrern, benachrichtigt über potenzielle Fahrer und ermöglicht die Kontaktaufnahme in der App per Anruf, SMS und Direktnachricht. Seit dem Start 2011 haben sich rund 100.000 Teilnehmer registriert.

Klingt toll. Aber klappt das auch in der Praxis? "Computer Bild" hat's ausprobiert. Der erste Test fand auf der Strecke von Hamburg nach Mannheim statt – hat geklappt. Für den innerstädtischen Verkehr versuchte der Redakteur vom Hamburger Flughafen in die City zu gelangen – leider ohne Erfolg.

Die Mitfahrzentrale für die Stadt

Weil sich registrierte Flinc-Fahrer und -Mitfahrer auf dem Live-Fahrplan der App "live" sehen können, sind mit Flinc sogar spontane Stadtfahrten möglich. Passen die Strecken zusammen, kann der Fahrer Mitfahrer direkt kontaktieren und mitnehmen. Mit einer herkömmlichen Mitfahrzentrale funktioniert das nicht.

Umwege berücksichtigt Flinc automatisch und zeigt die geänderte Route grafisch an. Die Nutzung von Flinc ist kostenlos, Mitfahrer müssen sich aber an den Spritkosten beteiligen. Den Fahrpreis bestimmt die App. Das verhindert, dass Fahrer per Flinc quasi als Taxifahrer Geld verdienen.

Zudem deckt die Haftpflichtversicherung des Fahrers bei einem Unfall die Ansprüche der Mitfahrer. Kurze Strecken kosten zwischen zwei und fünf Euro, bezahlt wird sofort nach der Fahrt in bar.

Leider zu wenige Fahrten

Der Haken: Weil nur jeder vierte Flinc-Nutzer Fahrten anbietet, finden die anderen Nutzer häufig keine Mitfahrgelegenheit. Bislang ist es sogar wahrscheinlicher, in einen Autounfall verwickelt zu werden, als innerhalb von 30 Minuten eine Mitfahrgelegenheit zu finden.

Deshalb der Tipp: Probieren Sie's einfach mal aus, in einigen Städten gibt es schon erstaunlich viele "Flincer". Und wenn Sie Ihr Wunschziel schon einen Tag vorher eintragen, erhöhen sich Ihre Chancen ungemein.

Allerdings konkurriert Flinc dann mit bekannten Mitfahrzentralen. Mitfahrgelegenheit.de zum Beispiel wirbt mit vier Millionen Mitgliedern in 5000 Städten – spontane Fahrten sind jedoch nicht möglich.

Gut, aber mit Tücken

Flinc hat Potenzial: spontan ans Ziel ohne vorherige Planung? Top! Im Experiment wollte mich jedoch innerhalb der nächsten Stunde niemand mitnehmen. Hinzu kommt die unsichere Registrierung: Bei Mitfahrzentralen registriert sich der Fahrer meist mit einem Ausweis und erhält das Geld, auch wenn die Mitfahrer nicht erscheinen.

Bei Flinc genügen ein fiktiver Name und eine funktionierende E-Mail-Adresse. Lediglich die Facebook-Funktion vermittelt etwas Sicherheit. Insgesamt ist Flinc eine geniale Idee, die nur mehr Teilnehmer benötigt.

Flinc auf einen Blick

Innovativ, kostensparend, mobil. Ginge es nach Flinc, wären wir alle flinker.

- Flinc startete 2011 und hat mittlerweile rund 100.000 Mitglieder, die mit Android- und iOS-Smartphones Fahrten suchen und anbieten.

- Die App punktet mit einer dynamischen Vermittlung. Selbst wer bereits unterwegs ist, kann noch über einen potenziellen Mitfahrer informiert werden und ihn mitnehmen.

- Bundesweit wurden im November 2012 rund 400.000 Fahrten innerhalb Deutschlands angelegt. Alleine auf den Großraum Hamburg entfielen davon 14.000 Fahrten.

- Auf einen Fahrer kommen vier Mitfahrgesuche, entsprechend dünn ist derzeit das Angebot. Flinc will deshalb den Fahrern mehr Möglichkeiten geben. Im neuesten Update können Fahrer Suchende anschreiben und einladen.

Quelle: "Computer Bild". Mehr zum Thema finden Sie in der "Computer Bild", Ausgabe 5/2013.

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So geht's mit Flinc
  • Eine Fahrt anlegen

    Damit ihn potenzielle Mitfahrer finden können, muss der Fahrer Abfahrtszeit sowie Start- und Zielort eingeben. Suchen Sie eine Mitfahrgelegenheit, tippen Sie auf Startort und bestimmen danach den Zielort. Soll's innerhalb der nächsten Stunde losgehen, wählen Sie dies unter zeitliche Flexibilität aus. Weitere Einstellungen finden Sie unter Regelmäßig, Mitfahreranzahl ... - etwa, ob sie regelmäßig pendeln wollen. Im Feld Hinweis an Fahrer können Sie zum Beispiel angeben, dass Sie Nichtraucher sind oder gern im Auto essen. Suchen aktiviert das Mitfahrgesuch.

  • Fahrer auswählen

    Das Flinc-Symbol erscheint im oberen Bereich, wenn ein passender (Mit-)-Fahrer gefunden wurde. Außerdem erscheint ein Hinweis in der App. Die Zahl gibt die Anzahl der Treffer an. Tippen Sie auf den Namen der Person. Der Preis der Fahrt und die ungefähre Abfahrtszeit werden angezeigt. Die Farbe des Streckensymbols signalisiert im Ampelschema, ob es einen Umweg gibt oder ob die Strecken gut zusammenpassen. Ein erneuter Tipp auf den Namen zeigt die Strecke an.

  • Fahrt bearbeiten

    Der Abfahrtsort oder der Zeitpunkt der Fahrt haben sich geändert? Tippen Sie auf die drei Striche links oben, öffnen Sie das Dashboard. Wählen Sie die gewünschte Fahrt aus, und öffnen Sie das Menü per Tipp auf die Menü-Taste des Smartphones.

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