23.02.13

Ratgeber

So empfangen Sie Internetradio auch im Auto

Mehr als 70.000 Radiosender gibt es weltweit. Mit Internetradio können Sie viele davon auch im Auto hören. Zum Empfang genügt ein Smartphone mit Internetradio-App. Der Ratgeber zeigt, wie das geht.

Foto: Ralf Timm

Im Display des BMW erscheint zum Beispiel das Aupeo-Logo (grün), und das Cover des Albums wird angezeigt. Über das Drehrad kann der Fahrer Titel, Interpret, Album und Musikstil wählen. Das iPhone in der Handyschale ist mit der Autoantenne verbunden
Im Display des BMW erscheint zum Beispiel das Aupeo-Logo (grün), und das Cover des Albums wird angezeigt. Über das Drehrad kann der Fahrer Titel, Interpret, Album und Musikstil wählen. Das iPhone in der Handyschale ist mit der Autoantenne verbunden

Das Radioangebot aus dem Internet ist riesig – und viel größer als im normalen Hörfunk. Denn überall gibt es das volle Programm, nicht nur eine Auswahl regionaler Sender, die auf ein Bundesland oder eine Stadt begrenzt sind.

Zum Empfang genügt ein Smartphone mit Internetradio-App – sogar im Auto, wenn sich das Telefon an die Radioanlage anschließen lässt. Allerdings macht das Herumfummeln auf dem Touchscreen während der Fahrt wenig Freude. Und ohne Außenantenne ist die Funkverbindung oft so schlecht, dass Tonaussetzer den Radiogenuss stören.

Mit einem Webradio-Stick für den USB-Anschluss am Autoradio (100 Euro) plus UMTS-Surfstick geht's auch ohne Smartphone. Die Empfangsprobleme bleiben allerdings dieselben, weil der Surfstick ständig gegen das abschirmende Metall der Fahrgastzelle anfunken muss.

Internetradio ab Werk

Autohersteller wie Audi, BMW oder Mercedes bieten Lösungen ab Werk an, bei denen sich das Fahrzeug mit dem Smartphone verbindet. Die Bedienung läuft dann ganz komfortabel über den Navi-Bildschirm ab, die Verbindung ins Internet hält eine empfangsstarke Außenantenne.

Voraussetzung ist meist ein Apple iPhone, das Audi-System akzeptiert auch Android-Smartphones. Auf dem Telefon wird eine App des Autoherstellers installiert, die wiederum einen Webradiodienst anzapft.

Solche Dienste stellen Übersichten mit Tausenden von Internetsendern zusammen. "Radio.de" kooperiert mit Audi, "TuneIn" mit BMW, "Aupeo" mit BMW und Mercedes.

Was kostet der Festeinbau?

Mercedes bietet das nötige "Drive Kit Plus" für 680 Euro in der A-, B- und C-Klasse an. Weitere Modelle sollen folgen. Audi verlangt mindestens 3150 Euro, bei BMW beginnt der Spaß ab 3380 Euro. Allerdings geht mit solchen Systemen dann viel mehr als nur Internetradio.

BMW bietet Internetradio für alle Modelle an. Voraussetzung sind das Navigationssystem Professional (ab 2390 Euro), die Handy-Vorbereitung mit Bluetooth und USB (ab 740 Euro), ein iPhone sowie die Sonderausstattung "Apps" (250 Euro).

Außerdem muss die kostenlose App "BMW Connected" auf dem Smartphone installiert sein. Dann verbindet sich das Auto mit dem iPhone und greift auf Webradio-Apps zu, die speziell für das BMW-System vorbereitet sind.

Aktuell ist das bei "TuneIn" und "Aupeo" der Fall. TuneIn bietet eine riesige Auswahl an Radiostationen aus aller Welt (über 50.000), Aupeo schickt statt fremder Sender ein eigenes Musikprogramm zum Hörer, das sich personalisieren lässt – nach Lieblingskünstlern, Genres oder Stimmungen wie "ruhig", "fröhlich" oder "energiegeladen".

Wer die regelmäßigen Werbeunterbrechungen von Aupeo nicht mag, kann beim Anbieter ein werbefreies Premium-Abo für 4,49 Euro im Monat oder 49,95 Euro pro Jahr abschließen. Das liefert mit höherer Datenrate (bis 192 Kbps) auch besseren Klang. Bei den TuneIn-Programmen hängen Klangqualität und die Häufigkeit der Werbespots vom eingestellten Sender ab.

Klangqualität schwankt stark

Die Musikauswahl erscheint auf dem Bildschirm des BMW, über einen Dreh-Drückknopf auf der Mittelkonsole lässt sich das Angebot durchsuchen und die App auf dem iPhone fernsteuern. Titel-, Genre- oder Stationsnamen werden genauso eingegeben wie Ziele ins Navigationssystem, der Fahrer muss sich also nicht umgewöhnen.

Praktisch: Verkehrsfunkdurchsagen kommen aus dem UKW Radio dazu, auch wenn gerade ein ausländischer Sender läuft. Im Test der Kollegen von "Auto Bild" funktionierte das Internetradio problemlos bis Tempo 160 – ein gutes Handy-Netz vorausgesetzt.

Kein Wunder: Die Datenverbindung wird über die Autoantenne gehalten. Die Klangqualität schwankt stark, je nach Datenrate des Senders. Größere Datenmengen sorgen aber auch dafür, dass das Inklusivvolumen des Mobilfunk-Vertrags schnell erschöpft ist.

Fazit: Das Internetradio im Auto funktioniert problemlos, klingt aber nicht immer gut. Und optimale Musikwiedergabe gibt's nur dort, wo auch der Handy-Empfang gut ist.

So funktioniert Hörfunk

Beim Hörfunk (Kurz-, Lang-, Mittel-, Ultrakurzwelle, DAB+) wird das Programm als Radiowellen durch die Luft gesendet und allen Bewohnern des Sendegebiets angeboten. Beim analogen Hörfunk sendet pro Frequenz eine Station, bei Digitalradio DAB+ senden mehrere.

Auch Spartenprogramme (Verkehr, Musik, Sport) sind möglich. Analoge Sender lassen sich leicht durch Hindernisse oder schwache Sendeleistung stören. DAB+ ist durch die Umrechnung in Einsen und Nullen (Digitalisierung) stabiler. Hörfunk finanziert sich mit Werbung (privat) oder Gebühren (öffentlich-rechtlich). Im Ausland entstehen keine zusätzlichen Kosten.

So funktioniert Internetradio

Das Programm kommt als Datenstrom aus dem Internet. Zum Empfang muss das Auto oder Smartphone einen Zentralrechner anwählen und per Mobilfunk eine Internetverbindung herstellen. Die abgerufene Datenmenge geht vom Inklusivvolumen des Handy- Vertrags ab.

Programme mit geringer Tonqualität (48 kbps) verbrauchen etwa 320 KB in der Minute, 128 kbps bereits fast ein Megabyte (MB). Je nach Sender und Surfverhalten reicht eine Flatrate mit 1000 MB für wenige Stunden oder mehrere Tage Musikwiedergabe. Wegen teurer Roaming-Gebühren ist Internetradio im Ausland keine Alternative zum UKW-Empfang.

Quelle: "Audio Video Foto Bild". Mehr zum Thema finden Sie in der "Audio Video Foto Bild", Ausgabe 3/2013.

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