23.02.2013, 07:23

Kreditwürdigkeit London will nach Herabstufung weiter eisern sparen


Dunkle Wolken über London: Nach der Herabstufung hat der britische Finanzminister Osborne eine entschlossene Fortsetzung der Reformpolitik angekündigt

Foto: Andy Rain / dpa

Dunkle Wolken über London: Nach der Herabstufung hat der britische Finanzminister Osborne eine entschlossene Fortsetzung der Reformpolitik angekündigt Foto: Andy Rain / dpa

Die britische Regierung will nach dem Verlust der Bestnote AAA die Ausgaben weiter kürzen. Die Opposition fordert aber das Gegenteil.

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Großbritannien will Schatzkanzler George Osborne weiter eisern sparen. Die Entscheidung der Ratingagentur Moody's bestärke ihn in seiner Entschlossenheit, zur Bekämpfung des Haushaltsdefizits Ausgaben zu kürzen, erklärte Osborne. Die oppositionelle Labour Party verlangte dagegen am Sonnabend, die Regierung solle die Konjunktur anschieben und dafür weitere Schulden in Kauf nehmen.

Moody's hatte Großbritannien am Freitagabend die Bestnote AAA entzogen und stuft die Kreditwürdigkeit des Landes jetzt nur noch mit AA1 ein. Grund seien die hohe Verschuldung und die auf mittlere Frist schwachen Wirtschaftsaussichten. In dieser Lage könne die britische Regierung Schocks schlechter auffangen. Dieser Trend werde sich vor 2016 nicht umkehren, erklärte die Ratingagentur.

Osborne erklärte, die Herabstufung sei für ihn eine Erinnerung an die Schuldenprobleme des Landes. "Wir werden den Plan weiter umsetzen, der das Defizit bereits um ein Viertel vermindert hat und uns Zinsen auf niedrigstem Niveau und eine Rekordzahl von Arbeitsplätzen verschafft hat", kündigte der Schatzmeister an.

Labour-Sprecher Ed Balls erklärte dagegen, Osborne sei nicht imstande, seinen Fehler einzugestehen. "Der Plan hat nicht funktioniert", sagte Balls. Premierminister David Cameron müsse sich fragen, wie er die Wirtschaftspolitik im Interesse des Landes verändern könne.

Moody's hatte betont, die Kreditwürdigkeit des Landes sei weiter sehr hoch und der Ausblick stabil. Politischer Willen in Verbindung mit einer mittelfristigen Unterstützung der Wirtschaftskraft werde es der Regierung erlauben, den Haushalt zu konsolidieren.

Herabstufung kam nicht überraschend

Die Entscheidung zur Herabstufung kam wenig überraschend. Denn zuvor hatten bereits die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch den Ausblick für Großbritanniens Rating als negativ eingestuft. Die britische Regierung hatte zuletzt die Wachstumsprognosen gesenkt.

Weil die Entscheidung erwartet worden sei, werde sie möglicherweise nur geringe negative Auswirkungen haben, meinte der Finanzanalyst Howard Archer von IHS Global Insight. Dafür spreche auch, dass kaum noch Länder übrig seien, die von allen drei Ratingagenturen die Bestnote AAA hätten.

Großbritannien wird nach offiziellen Prognosen im bis April laufenden Fiskaljahr umgerechnet rund 138 Milliarden Euro neuer Schulden aufnehmen. Das ist in etwa so viel wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig stagniert die Wirtschaft. Vergangenes Jahr gab es nur in einem Quartal Wachstum.

(AP/tj)
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