22.02.13

Jahresbilanz

Schwarze Zahlen verhelfen Air-Berlin-Aktie zu Kurssprung

Das Flugunternehmen erzielte einen Gewinn von sieben Millionen Euro. Das liegt vor allem an dem Verkauf des Vielfliegerprogramms.

Von Ernst August Ginten
Foto: dpa

Den kompletten Jahresabschluss will Air Berlin am 20. März 2013 vorlegen
Den kompletten Jahresabschluss will Air Berlin am 20. März 2013 vorlegen

Nicht selten haben Börsianer einfach das richtige Gefühl. Kurz nachdem Hartmut Mehdorn den Chefsessel bei Air Berlin im Januar für seinen Nachfolger Wolfgang Prock-Schauer freigemacht hatte, begann der Kurs der Aktien zu steigen. Scheinbar ohne Grund. Am Freitag explodierte er dann regelrecht und legte zeitweise noch einmal um elf Prozent zu.

Denn die Berliner Fluggesellschaft hat es das erste Mal seit 2007 wieder geschafft, ein Jahr mit Gewinn abzuschließen. Knapp sieben Millionen Euro Gewinn stehen unter dem Strich. Vor Steuern und Zinsen schaffte das Unternehmen einen kleinen Gewinn (Ebit) von 70 Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Minus von 247 Millionen gestanden hatte. Die Überraschung ist geglückt, Analysten waren weiterhin von roten Zahlen ausgegangen. Der Umsatz stieg leicht von 4,2 auf 4,31 Milliarden Euro.

Nachträgliche Korrektur der Vorjahresbilanz

Geschuldet ist die gute Entwicklung zumindest zum Teil dem Schrumpfkurs, den die Gesellschaft im Herbst 2011 unter der Führung des Übergangschefs Hartmut Mehdorn eingeleitet hatte. Unrentable Routen wurden gestrichen und die Flotte von 170 auf 155 Maschinen verkleinert. Der Sparkurs hatte allerdings auch dazu geführt, dass die Zahl der Fluggäste im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 33,3 Millionen zurückgegangen ist.

Das Streichen unrentabler Strecken ist aber nur ein Grund für das Erreichen der schwarzen Zahlen. Erst der Verkauf des Kundenbindungsprogramms "Top Bonus" von Air Berlin für rund 185 Millionen Euro an eine gemeinsam mit dem Großaktionär Etihad Airways neugegründete Gesellschaft hat den Gewinn möglich gemacht.

Doch die Freude über diese Entwicklung dürfte beim Vorstand um Prock-Schauer nicht ungetrübt sein. Denn die als Bilanzpolizei bekannte Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung zwingt Air Berlin zu einer nachträglichen Korrektur der Vorjahresbilanz – die Berliner Fluggesellschaft hat aus Sicht der Prüfstelle im vorvergangenen Jahr deutlich mehr Miese gemacht als ausgewiesen. Der Verlust für 2011 stieg deshalb nach der Neubewertung rückwirkend um fast 150 Millionen auf 420 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte sich bei den erwarteten Steuervorteilen verschätzt.

Dauerhafte Kooperation mit Etihad

Damit schrumpft auch das Eigenkapital kräftig. Von den einst für Ende 2011 ausgewiesenen 254 Millionen Euro bleiben nach der Korrektur und dem Gewinn Ende 2012 noch 130 Millionen Euro übrig. Zum Vergleich: Für diese Summe bekäme Air Berlin beim Flugzeughersteller Airbus gerade noch zwei A320-Mittelstreckenflieger zum Listenpreis.

Etihad-Chef James Hogan freute sich trotzdem über die aktuellen Zahlen und zeigte dies auch demonstrativ. Der Gewinn sei "sehr erfreulich" und ein klarer Indikator dafür, "dass unsere Partnerschaft mit Air Berlin konkrete Ergebnisse erzielt". Die strategische Partnerschaft beider Airlines sei eine dauerhafte Allianz. "Wir freuen uns darauf, das Potenzial in Bereichen wie gemeinsamen Beschaffungsstrategien, Infrastruktur und Wartung sowie Pilotentrainings weiter auszuschöpfen."

900 Arbeitsplätze sollen wegfallen

Angesichts der schlechten Zahlen der Berliner für das erste Halbjahr 2012 war Hogan von seinen Anteilseignern – dem Herrscherhaus des arabischen Emirats Abu Dhabi – erheblich unter Druck gesetzt worden. Deshalb wohl jetzt auch noch mal sein ausdrückliches Bekenntnis, dass es sich um eine "dauerhafte Allianz" mit der deutschen Airline handelt. Die fliegt mittlerweile Touristen und Geschäftsleute nach Abu Dhabi, die dort dann auf dem Weg nach Asien und Afrika umsteigen. In den Flugzeugen von Air Berlin wird derzeit die Businessclass auf den bei Etihad üblichen Standard umgerüstet.

Über den Berg ist Air Berlin aber noch lange nicht. Das weiß auch der neue Vorstandschef Prock-Schauer. "Wir sind noch nicht am Ziel und sind uns bewusst, dass zum Ergebnis in 2012 auch Einmaleffekte beigetragen haben", sagte er. Vergangene Woche erhielten rund 90 Mitarbeiter in der Berliner Zentrale ihre Kündigung. Rund 900 der insgesamt 9300 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Das laufende Sanierungsprogramm "Turbine" soll im aktuellen und im kommenden Jahr insgesamt rund 450 Millionen Euro einsparen helfen. Ihren kompletten Jahresabschluss will Air Berlin wie geplant am 20. März vorlegen.

Hohe Gewinne bei Billigfliegern

Mit ihrem Sparkurs steht die kränkelnde Fluggesellschaft nicht allein da. Viele europäische Fluglinien wie Air France-KLM, Iberia und SAS steuern mit harten Schritten gegen rote Zahlen an. Auch Deutschlands Nummer eins am Himmel, die Lufthansa, die im vergangenen Jahr unter dem Strich fast eine Milliarde Gewinn einstrich, kürzt Tausende Stellen. Dem Sparzwang soll auch die Konzernzentrale in Köln zum Opfer fallen. Den klassischen Fluglinien machen in Europa vor allem Billigflieger wie Ryanair und Easyjet zu schaffen, die mit ihren Geschäftsmodellen weiter hohe Gewinne schreiben und vermehrt auf Geschäftskunden abzielen. Dazu kommen Faktoren wie die deutsche Ticketsteuer und vor allem die hohen Treibstoffpreise.

Quelle: mit dpa
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