22.02.13

Stellenabbau

Die Commerzbank spart bei den Privatkunden

Im Privatkundengeschäft der Commerzbank verlieren 1800 Mitarbeiter den Job. Damit fällt der Arbeitsplatzabbau zunächst weniger radikal aus als befürchtet. Doch die letzte Entscheidung steht noch aus.

Foto: dpa

Die Zentrale der Commerzbank spiegelt sich im Schaufenster einer Filiale, in der ein Werbeplakat hängt. Der dazu gehörende TV-Spot rund um eine Joggerin, in dem sich die Bank selbst eine Mitschuld an der Finanzkrise gab, sorgte für Aufsehen
Die Zentrale der Commerzbank spiegelt sich im Schaufenster einer Filiale, in der ein Werbeplakat hängt. Der dazu gehörende TV-Spot rund um eine Joggerin, in dem sich die Bank selbst eine Mitschuld an der Finanzkrise gab, sorgte für Aufsehen

Die Horrorszenarien bleiben vorerst aus, doch die Commerzbank hält den Druck auf ihre Belegschaft aufrecht. Deutschlands zweitgrößte Bank will in ihrem schwächelnden Privatkundengeschäft 1800 Vollzeitstellen streichen. Bis 2015 soll somit etwa jeder siebte der derzeit rund 13.000 Arbeitsplätze in der Sparte wegfallen.

Die entsprechende Grundsatzerklärung des Vorstands bleibt deutlich hinter den zunächst befürchteten Einschnitten zurück. Im Raum stand ein Abbau von bis zu 3400 Stellen in der Sparte. Allerdings bleibt die Bankführung ihrer Linie treu, von den Arbeitnehmern Entgegenkommen zu fordern – und mit weiteren Einschnitten zu drohen, falls dies ausbleiben sollte.

Die Bank werde "alles tun, um betriebsbedingte Beendigungskündigungen weitestgehend zu vermeiden", heißt es in der Erklärung des Vorstands. Er formuliert dafür aber eine sehr konkrete Bedingung: Es werde bis zum 31. Dezember 2014 keine Kündigungen geben, "sofern bis zum 31. Dezember 2013 ein Abbau von 600 Vollzeitkapazitäten in der AG Inland erreicht wurde."

Gewerkschaftsvertreter sind gespalten

Der Konzernbetriebsratsvorsitzende Uwe Tschäge wertete das als "Schritt in die richtige Richtung". Er bedauere jedoch, dass sich der Arbeitgeber nicht zu einem bedingungslosen Kündigungsschutz durchgerungen habe.

Mark Roach, der für die Gewerkschaft Ver.di im Aufsichtsrat der Bank sitzt, zeigte sich weniger erbaut. "Der Vorschlag des Vorstands ist völlig unzureichend", sagte er der Berliner Morgenpost. Am Grundproblem des heftigen Schrumpfkurses im Privatkundengeschäft ändere sich nichts.

Außerdem stünden diverse Zumutungen wie die Umgruppierung von Mitarbeitern in schlechter bezahlte Tarifgruppen weiterhin im Raum. Roach bezweifelt zudem, dass das Abbauziel für dieses Jahr erreichbar sein wird. "Schließlich sind bis Ende 2013 Kündigungen noch ausgeschlossen, und für einen freiwilligen Stellenabbau wurden bereits alle Register gezogen."

Weitere Einschnitte sind nicht ausgeschlossen

Ende Januar hatte die Commerzbank angekündigt, bis zum Jahr 2016 insgesamt 4000 bis 6000 Vollzeitstellen streichen zu wollen. Für Empörung sorgte bei Belegschaftsvertretern insbesondere, dass die Bankführung schon im Vorfeld dieser Mitteilung Druck aufgebaut hatte. Wenn sich die Belegschaft beim Thema Öffnungszeiten flexibel zeigt, könne der Abbau geringer ausfallen, sagte Privatkundenvorstand Martin Zielke damals sinngemäß.

Auch nun schließt das Management weitere Einschnitte nicht aus. "Mit Blick auf Stabilität und Wachstum des Privatkundengeschäfts werden wir uns vorerst darauf beschränken", erklärte Personalvorstand Ulrich Sieber in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview.

Wichtig sei, dass angestoßene Initiativen im Privatkundengeschäft Erfolge zeigten. "Gelingt uns das, wird sich der notwendige konzernweite Abbau eher am unteren Ende der kommunizierten Bandbreite bewegen."

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Systemrelevante Banken
  • Definition

    Systemrelevante Banken, deren Pleite das gesamte Finanzsystem erschüttern kann („too big to fail“), sollen nach dem Willen der Regulierer an eine besonders kurze Leine kommen. Die größten und wichtigsten Banken – im Fachjargon G-SIBs (global systemically important banks) genannt – müssen von 2016 an noch schärfere Kapitalanforderungen erfüllen als alle anderen Banken. Außerdem müssen sie schon in den nächsten Monaten einen Plan aufstellen, wie sie in einer existenzbedrohenden Krise ohne Schaden für das Finanzsystem wieder auf die Beine kommen oder abgewickelt werden können – also quasi ein „Testament“ machen.

  • G-SIBS

    Aus Deutschland steht nur noch die Deutsche Bank auf der vorläufigen Liste von 28 Banken, aus der Schweiz die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse. Die Commerzbank ist nach ihrem Schrumpfkurs aus der Liste der global systemrelevanten Banken herausgefallen.

    Die 28 Banken sind je nach ihrer Bedeutung für das globale Finanzsystem in vier „Körbe“ eingeteilt, in denen sie Kapitalaufschläge von 2,5, 2,0, 1,5 und 1,0 Prozent erhalten sollen – zusätzlich zu den sieben Prozent Grundkapital und Gewinnrücklagen, die alle Institute aufbauen müssen.

  • Körbe

    Korb 4 (2,5 Prozent): Citigroup (USA), Deutsche Bank, HSBC (Großbritannien) und JP Morgan Chase (USA).

    Korb 3 (2,0 Prozent): Barclays (Großbritannien), BNP Paribas (Frankreich).

    Korb 2 (1,5 Prozent): Bank of America, Bank of New York Mellon, Goldman Sachs, Morgan Stanley (beide USA), UBS, Credit Suisse (beide Schweiz), Royal Bank of Scotland (Großbritannien), Mitsubishi UFJ (Japan).

    Korb 1 (1,0 Prozent): Bank of China (China), BBVA (Spanien, neu), Banque Populaire CdE, Credit Agricole, Societe Generale (alle Frankreich), ING Bank (Niederlande), Mizuho, Sumitomo Mitsui (alle Japan), Nordea (Schweden), Santander (Spanien), Standard Chartered (Großbritannien, neu), State Street, Wells Fargo (beide USA), Unicredit (Italien).

    Nicht mehr auf der Liste: Lloyds (Großbritannien), Dexia (Belgien) und Commerzbank.

  • Sonderregeln

    Nach Basel III müssen alle Banken künftig mehr als dreimal so viel hartes Eigenkapital vorhalten wie bisher. Das ist den Aufsehern aber noch nicht genug. Sie sehen in sehr großen und weltweit vernetzten Geldhäusern ein besonderes Risiko, das unter Kontrolle gehalten werden soll. Paradebeispiel ist die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor drei Jahren – damals erreichte nicht nur die Finanzkrise ihren Höhepunkt, weil quasi als Dominoeffekt immer mehr Banken in Schieflage gerieten. Auch die Weltwirtschaft glitt in die Rezession ab.

  • Kriterien

    Banken sollen nie mehr „too big to fail“ sein – so groß, dass sie sich darauf verlassen können, in einer Existenzkrise vom Staat gerettet zu werden, weil sonst das Finanzsystem ins Wanken geraten würde. Denn in diesem Bewusstsein könnten sie bedenkenlos Risiken aufnehmen. Als Kriterien für „G-SIBs“ haben die Aufseher Größe, Vernetzung, Mangel an Ersetzbarkeit, Internationalität und Komplexität festgelegt und diese nach einem Punktesystem bewertet. Doch in der Realität ist das schwer fassbar. Andererseits: Regulierer sind sich auch ohne Rangliste sicher, wer dazu gehört.

  • Überprüfung

    Bis die Kapitalregeln in Kraft treten, kann sich daran noch einiges ändern. Banken können schrumpfen oder wachsen. Erst Ende 2014 wird die endgültige Liste der G-SIBs festgelegt. Doch auch danach ist sie nicht in Stein gemeißelt. Die Aufseher wollen sie einmal im Jahr überprüfen und veröffentlichen und damit Anreize schaffen, dass Banken weniger riskant werden. Übrigens: Hätte es die Regeln schon 2008 gegeben, Lehman hätte nicht auf der Liste gestanden.

  • Testamente

    Zunächst müssen sie nur ihr „Testament“ aufsetzen. Ab 2016 wird zudem der SIB-Zuschlag auf das Eigenkapital verlangt – in verschiedenen Abstufungen. Um das Polster aufzubauen, haben sie bis Anfang 2019 Zeit. Bläht sich eine Bank noch stärker auf, drohen die Regulierer sogar mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent.

  • Unterschiede

    Am stärksten werden nach der bisherigen Rangliste Universalbanken belastet, die ein großes Einlagengeschäft haben und zugleich Investmentbanking betreiben. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley kommen mit einem kleineren Aufschlag davon. Von ihrer Pleite wären – wenigstens direkt – keine Kleinsparer betroffen.

  • Vor- und Nachteile

    Höhere Eigenkapitalquoten verteuern das Geschäft für Banken – ein klarer Nachteil. Andererseits dürften SIBs wegen ihrer Kapitalkraft das größte Vertrauen der Investoren genießen. Das macht die Refinanzierung für sie billiger und treibt ihnen im Einlagengeschäft Kunden zu, weil sie nicht um die Existenz der Bank bangen müssen. Doch geschützt werden sollen nur die Sparer – für die Banken selbst soll ein Mechanismus geschaffen werden, wie sie schadlos abgewickelt werden können. Daran arbeiten Regulierer und Politiker fieberhaft.

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