22.02.13

Fluggeräte

Himmel voller Drohnen macht Hoffnung und Angst

Drohnen sehen alles. Sie können Leben retten – oder zerstören. Die Angst vor der totalen Überwachung ist groß. Doch die Erprobung unbemannter Fluggeräte schreitet unaufhaltsam voran.

Foto: Joe McNally / National Geographic

Dieser Mikrokopter aus Deutschland hat acht Ausleger und ist stabil genug, um eine Kamera zu tragen. Das Gerät kostet knapp 5000 Euro.

5 Bilder

Ein von US-Präsident Barack Obama im Februar 2012 unterzeichnetes Gesetz weist die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde FAA an, vom 30. September 2015 an den Luftraum der Vereinigten Staaten für Drohnen weitgehend zu öffnen. Bis etwa zur Jahrtausendwende interessierten sich nur Menschen für unbemannte Luftfahrzeuge, die als Hobby ferngesteuerte Flugzeug- oder Hubschraubermodelle flogen.

Und natürlich das Militär, das mit Drohnen wie dem Predator Überwachungsmissionen ausführte. Dann kamen die Anschläge vom 11. September 2001 und die Intervention der USA in Afghanistan und im Irak. Rasch wurden Drohnen zu einem begehrten Kriegsgerät der Streitkräfte.

Die amerikanischen Streitkräfte nutzen heute mehr als 11.000 Drohnen – 2002 waren es weniger als 200. Mindestens 50 weitere Staaten, darunter Deutschland, verfügen über unbemannte Flugroboter. Manche Geräte sind nur so groß wie Motten oder Kolibris, andere riesig.

Mehr als Tausend Unternehmen sind heute im Geschäft, und einige versuchen, Drohnen auch für zivile Zwecke zu entwickeln. In den USA unterstützen Predators bereits die Grenzkontrolleure beim Aufspüren von Schmugglern und illegalen Einwanderern. Von der Weltraumbehörde Nasa betriebene Global Hawks sammeln Daten in der Atmosphäre und spähen ins Innere von Wirbelstürmen.

Überwachung von Industrieanlagen und Rehkitzen

In Deutschland ist die zivile Nutzung unbemannter Fluggeräte weiter fortgeschritten. Als Überwacher von großen Industrieanlagen und Windkrafträdern haben sich die Roboter ebenso etabliert wie als Helfer bei Film- und Fotoaufnahmen. Polizei, Feuerwehr und Bergwacht nutzen sie bei der Suche nach Vermissten oder Verschütteten.

Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen entwickeln Ingenieure derzeit aus einem Falcon 8 einen fliegenden Wildretter. Der 1,8 Kilo schwere, GPS-gesteuerte Oktokopter schwebt nach Eingabe einer Flugroute in 50 Meter Höhe über Felder und Wiesen und spürt mit einer Wärmebildkamera Rehkitze auf.

Nach Schätzungen werden in Deutschland jährlich mehr als 100.000 Kitze von Mähmaschinen verstümmelt oder getötet. "Unter guten Bedingungen findet man mit dem System alle Kitze", sagt Martin Israel vom Institut für Methodik der Fernerkundung. "Das größte Problem für die Wärmebildkamera ist die Sonne. Da kann sich auch mal ein Maulwurfshügel erwärmt haben, der auf dem Wärmebild wie ein Kitz aussieht."

Keine Grenze nach oben

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Das Ziel für das Team um Martin Israel: Bis Ende 2015 wird der fliegende Wildretter so weit optimiert, dass die Industrie daraus ein marktfähiges Produkt machen kann. Für ihre Tests haben die Wissenschaftler eine Aufstiegsgenehmigung für ganz Bayern erworben, so verlangt es die deutsche Luftverkehrsordnung.

In den USA hat die Polizei bisher nur in einem Dutzend Städten eine Erlaubnis der FAA beantragt, Drohnen einzusetzen. Aber im Grunde sind sämtliche Polizeistationen potenzielle Kunden. Selbst Medien, die Privatanwesen von Prominenten ausspähen wollen, gehören zur Zielgruppe. "Da gibt es – im doppelten Sinn – nach oben keine Grenze", sagt Bill Borgia, ein Ingenieur bei Lockheed Martin.

Den Weg zum großen Geschäft versperrt derzeit noch das Regelwerk der FAA, das Drohnenflüge kommerzieller Unternehmen und staatlicher Behörden sehr stark einschränkt und sie lediglich als privates Hobby erlaubt. Selbst mit einer FAA-Lizenz dürfen Drohnen nicht höher als 120 Meter fliegen.

Ein Himmel voller Drohnen

Der Einsatz von Flugrobotern birgt Risiken, selbst wenn sie von ausgebildetem Personal mit hehren Absichten gelenkt werden – deshalb hat die Luftfahrtbehörde bislang Bedenken. Die Sicherheitsbilanz militärischer Drohnen kann diese nicht zerstreuen.

Nach Angaben der US-Luftwaffe waren ihre drei wichtigsten Drohnen – der Predator, der Global Hawk und der Reaper – seit 2001 in mindestens 120 Zwischenfälle verwickelt, bei 76 davon wurde die Drohne zerstört. In dieser Statistik sind Drohnen anderer Waffengattungen der Streitkräfte und jene der CIA nicht enthalten. Genauso wenig sind Drohnenangriffe aufgeführt, bei denen versehentlich Zivilisten oder Soldaten getötet wurden.

Die Aussicht auf einen Himmel voller Drohnen über den Vereinigten Staaten hat nicht nur Sicherheitsbedenken laut werden lassen. Auch Persönlichkeitsrechte könnten beeinträchtigt werden.

Jay Stanley von der Bürgerrechtsvereinigung American Civil Liberties Union beschreibt sein persönliches Horrorszenario so: Zunächst werden Drohnen zur Unterstützung von Polizeirazzien und Verfolgungsaktionen eingesetzt. "Schon bald jedoch sind zusammengeschaltete Netze von Drohnen und Computern fähig, automatisch mehrere Fahrzeuge und Personen bei ihrer Fortbewegung in einer Stadt zu verfolgen."

Martin Israel hat zu seiner Arbeit am fliegenden Wildretter noch keine negativen Rückmeldungen bekommen. "Ich kann verstehen, dass viele skeptisch sind gegenüber solchen Techniken", sagt er. "Aber auch das GPS wurde einst aus rein militärischen Gründen entwickelt. Heute hat jeder ein Navi im Auto. Wenn es genügend zivile Anwendungen für unbemannte Fluggeräte gibt, wird die Angst schwinden, dass man mit ihnen nur spionieren oder Kriege führen kann."

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter nationalgeographic.de/flugobjekte

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
German Chancellor Angela Merkel (CDU) greets US President Barack Obama in front of the Federal Chancellery in Berlin, Germany, 19 June 2013. Photo: Michael Kappeler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Aktualisiert vor 4 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – US-Präsident zu Gast bei Kanzlerin Merkel

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Ihre Nacht im Hotel Ritz-Carlton ist vorbei. Nun hat ein Tag voller Termine begonnen. Der Liveblog. mehr...

President Obama Visits Berlin - Michelle Obama At The Holocaust Memorial
Aktualisiert vor 3 MinutenFirst Lady
Michelle Obama in Berlin - Besuch an Mauer-Gedenkstätte

Michelle Obama absolviert mit den beiden Töchtern zum Teil ein eigenes Programm. Dabei könnte es einige Überraschungen geben. Der Liveblog. mehr...


Absperrungen in Berlin
06:42Straßensperrungen
Die Verkehrslage in Berlin während des Obama-Besuchs

Straßen sind gesperrt, Busse werden umgeleitet, Bahnen fahren eingeschränkt: Berlin ist wegen des Staatsbesuches von Barack Obama im Ausnahmezustand. Eine Zusammenfassung der Verkehrseinschränkungen. mehr...


Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, verzichtet auf die Obama-Rede
11:03US-Präsident in Berlin
Kein Schatten - Buschkowsky sagt Teilnahme an Obama-Rede ab

Rund 6000 geladene Gäste werden am Nachmittag am Brandenburger Tor die Rede des US-Präsidenten verfolgen. Ein Berliner Politiker sagte jedoch ab: Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin US-Präsident Obama erreicht das Ritz-Carlton
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Deutschland-Reise

So kommt US-Präsident Obama in Berlin an - Tag 1

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote