22.02.13

Arbeitsmoral

"Frankreich hat schöne Frauen, aber die Politiker ..."

Er wollte ein Reifenwerk kaufen und war schockiert über die Arbeitsmoral der Franzosen. Seitdem liefert sich Morry Taylor einen Briefwechsel mit der Regierung und verhöhnt die französische Lebensart.

Von Gesche Wüpper
Foto: AP/dpa

Maurice Taylor bei einer Pressekonferenz im Jahr 2009
Maurice Taylor bei einer Pressekonferenz im Jahr 2009

Der amerikanische Investor Maurice "Morry" Taylor hat im Streit mit der sozialistischen Regierung Frankreichs noch einmal nachgelegt. In seiner schriftlichen Antwort auf den Brief von Reindustrialisierungs-Minister Arnaud Montebourg wirft er ihr vor, völlig realitätsfremd zu sein und mit ihrer Politik für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich zu sein.

"Extremistisch, das ist Ihre Regierung", schreibt der Chef des amerikanischen Reifenherstellers Titan. Frankreichs Regierung habe keine Ahnung, wie man ein Unternehmen aufbaue und lenke.

Reindustrialisierungs-Minister Montebourg hatte ursprünglich gehofft, dass der US-Investor ein von der Schließung bedrohtes Werk von Goodyear in Nordfrankreich übernehmen würde. Doch der Titan-Chef lehnte nach mehreren Besuchen der Fabrik ab und erklärte, Montebourg könne "die Arbeiter behalten". "Die französischen Beschäftigten bekommen hohe Gehälter, aber sie arbeiten lediglich drei Stunden. Sie haben eine Stunde für ihre Pausen und für ihr Mittagessen, diskutieren drei Stunden lang und arbeiten drei Stunden", höhne er in seinem ersten Brief.

Montebourg hatte sich daraufhin bei Taylor beleidigt mit einer schriftlichen Antwort revanchiert, die einer Kriegserklärung gleicht. "Ihre extremistischen und beleidigenden Aussagen zeugen von einer kompletten Ignoranz", heißt es darin.

Das wollte der 68-jährige Titan-Chef, der sich in den USA einen Ruf als knallharter Sanierer von finanziell angeschlagenen Unternehmen erworben hat, nicht auf sich sitzen lassen. "Ihr Brief vom 20. Februar zeigt, wie fern die politische Klasse (in Frankreich) von den wirklichen Problemen dieser Welt lebt", schreibt Taylor.

Taylor erwartet sechs Stunden Arbeit pro Tag

"Ich muss zugeben, dass die meisten besonnenen Geschäftsmänner übereinstimmen, dass ich verrückt gewesen sein muss, bereit gewesen zu sein, eine Millionen auszugeben, um eine Reifenfabrik in Frankreich zu kaufen und dann Gehälter zu zahlen, die zu den höchsten der Welt gehören."

Er habe zudem nie gesagt, dass er die Löhne der Belegschaft der französischen Goodyear-Fabrik habe kürzen wollen. "Wir haben nur gesagt, wenn man für sieben Stunden Arbeit bezahlt werden will, muss man mindestens sechs Stunden arbeiten", schreibt Taylor trocken.

Montebourg sei in seinem Brief auch die Antwort schuldig geblieben, warum die französische Regierung selber es unterlassen habe, die Reifenfabrik von Goodyear zu retten. "Ihre Regierung hat die kommunistische Gewerkschaft die am besten bezahlten Arbeitsplätze in der französischen Reifenindustrie zerstören lassen", kritisiert Taylor.

"Warum ist die Arbeitslosigkeit in Frankreich so hoch, vor allem bei den Jugendlichen?", gibt er zu bedenken. "Das ist wegen der Politik Ihrer Regierung so, Monsieur."

"Frankreich hat wirklich schöne Frauen"

Der US-Investor, der sich nach einem langen Machtkampf mit den Gewerkschaften in den USA den Spitznamen "Grizzly" erworben hat, lässt es sich nicht nehmen, Frankreich noch mehr zu verspotten. "Frankreich hat wirklich schöne Frauen und fantastischen Wein", schreibt er. Er wisse dagegen nicht, was die französischen Politiker taugen.

Aber eines stehe fest, so Taylor: "Ich bin nicht die Person, mit der man sich anlegen sollte. Das müssten Ihre Mitarbeiter bei Ihren Recherchen im Internet gemerkt haben." Und fügt bissig an: "Ich danke Ihnen, dass Sie meinen Brief in der Öffentlichkeit haben durchsickern lassen. Ich habe dafür mehr positive als negative Kommentare bekommen."

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