21.02.13

Geschäftsbericht

Allianz verdoppelt Gewinn auf 5,2 Milliarden Euro

Europas größter Versicherer Allianz trotzt Hurrikan "Sandy" und der Zinsflaute: Der Konzern verdoppelte seinen Gewinn – und erzielte das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte.

Von Sebastian Jost
Foto: dpa
Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann (r.) mit Finanzvorstand Dieter Wemmer in Unterföhring
Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann (r.) mit Finanzvorstand Dieter Wemmer in Unterföhring

Versicherungskonzerne machen derzeit eigentlich vor allem mit ihren Sorgen Schlagzeilen. Das äußerst niedrige Zinsniveau macht der Branche schwer zu schaffen, auf die klassische Lebensversicherung mit garantierter Rendite stimmt sogar schon mancher Experte oder Assekuranzmanager den Abgesang an.

Mitten in diese vermeintliche Malaise platzt Europas Marktführer Allianz mit einem Paukenschlag hinein: Der Konzern hat im Jahr 2012 das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte verbucht. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 5,2 Milliarden Euro. Dabei profitierte der Versicherer allerdings von vergleichsweise geringen Ausgaben für Naturkatastrophen.

Vorstandschef Michael Diekmann wollte die strukturellen Schwierigkeiten der Branche denn auch nicht kleinreden: Die Niedrigzinsphase stelle die Allianz vor große Herausforderungen, sagte er. Und er begrüße es, dass man endlich eine breite Diskussion über die Zukunft der Lebensversicherung führe.

Dabei sieht er die von Verbraucherschützern oft kritisierte Assekuranz mit ihren Kunden in einem Boot. Angesichts der niedrigen Renditen müsse ein Sparer derzeit ein Drittel mehr zurücklegen als bei einem historisch durchschnittlichen Zinsniveau, wenn er im Alter keine Einbußen haben wolle. Angesichts dieser "Bestrafung" dürfen die Anleger nach Diekmanns Auffassung keinesfalls weiter belastet werden.

Lebensversicherungen und Riester-Renten müssten daher von der geplanten Finanztransaktionsteuer ausgenommen werden. Sie dürfe "nicht auf Finanzgeschäfte angewandt werden, die zum Aufbau der Altersvorsorge dienen", sagte Diekmann. Wegen der Niedrigzinsen müssten die Sparer ohnehin schon die Zeche für die staatliche Politik des billigen Geldes bezahlen.

Konzern übertraf Prognose

Mit einem operativen Ergebnis von 9,5 Milliarden Euro übertraf der Konzern seine im Herbst nochmals nach oben geschraubte Prognose – obwohl der Hurrikan "Sandy" das vierte Quartal belastete. Mehr verdiente die Allianz nur 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, rechnet man im Rückblick den Ausflug ins Bankgeschäft heraus. Den verdoppelten Gewinn im vergangenen Jahr verdankte die Allianz allerdings auch der Tatsache, dass große Sonderbelastungen ausblieben. 2011 hatten milliardenschwere Abschreibungen auf griechische Anleihen die Bilanz verhagelt.

Ins neue Jahr geht Diekmann mit Optimismus. Die Schuldenkrise habe sich entspannt, Europa dürfe mit seinen Reformen aber nicht nachlassen. Größter Wachstumstreiber ist im Moment die Vermögensverwaltung. Der Konzern könne in diesem Umfeld ein Ergebnis von etwa 9,2 Milliarden Euro schaffen.

40 Prozent des Überschusses sollen nun als Dividende an die Aktionäre fließen – wie im Vorjahr 4,50 Euro je Aktie. Diekmann verteidigte die im Branchenvergleich eher geringe Ausschüttung. Der Konzern wolle sein Geld nicht nur für die Dividende ausgeben, sondern könne sich auch Zukäufe vorstellen. Zu konkreten Übernahmezielen äußerte er sich nicht.

Finanzkreisen zufolge ist die Allianz im Rennen um den türkischen Versicherer Yapi Kredi Sigorta. Im vergangenen Jahr streckten die Münchner zudem ihre Fühler nach der Provinzial Nordwest aus, Deutschlands zweitgrößtem Sparkassen-Versicherer – bislang allerdings vergeblich: Politik und Sparkassenverbände favorisieren einen Zusammenschluss innerhalb des öffentlich-rechtlichen Sektors.

Wenige Naturkatastrophen im Jahr 2012

Bereits Mitte Januar hatte die Allianz in Sachen "Sandy" Entwarnung gegeben. Der Hurrikan war im Oktober über Nordamerika hinweggefegt und hatte milliardenschwere Schäden angerichtet.

Auf die Allianz entfallen 455 Millionen Euro – was locker ins Budget passte. Insgesamt gab es 2012 vergleichsweise wenig Naturkatastrophen. Das operative Ergebnis der Schaden- und Unfallversicherung stieg daher um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro.

Auch die Lebensversicherung legte zu und profitierte von einem höheren Anlageergebnis. Ihr läuft inzwischen aber die Vermögensverwaltung den Rang ab, die sich zum zweitwichtigsten Standbein der Allianz gemausert hat. 2012 trug sie mit drei Milliarden Euro fast ein Drittel zum operativen Konzernergebnis bei, in diesem Jahr soll es ähnlich viel werden.

Vor allem das Investmenthaus Pimco mit prominenten Fondsmanagern wie Bill Gross sammelt rund um den Globus ordentlich neue Gelder ein. Das verwaltete Vermögen der gesamten Asset-Management-Sparte liegt inzwischen bei fast 1,9 Billionen Euro, zum Vorjahr ein Plus von zwölf Prozent. Große Konkurrenten wie die Deutsche Bank tun sich in der Vermögensverwaltung derzeit deutlich schwerer.

2013 Übergangsjahr für Europa

Allerdings kämpft auch die Allianz mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die es immer schwerer macht, Gelder lukrativ anzulegen. Weil sichere Bundesanleihen nichts mehr abwerfen und Aktien riskant bleiben, geht die Allianz auch als Finanzierer mehr und mehr in renditestärkere Immobilien- und Infrastrukturinvestments, die verlässliche Einnahmen garantieren.

Ein Selbstläufer ist das aber nicht, wie der für die Kapitalanlagen zuständige Vorstand Maximilian Zimmerer einräumte: Der Wettbewerb in diesen alternativen Anlageklassen sei hoch.

An die Politiker richtete Vorstandschef Diekmann die Warnung, Europa sei noch längst nicht über den Berg. Die EZB habe erst einmal Zeit gekauft. Jetzt gehe es darum, in den Schuldenländern nicht nur zu sparen, sondern auch für Wachstum zu sorgen.

Daher werde 2013 ein weiteres Übergangsjahr für den Kontinent sein. Hinter die Reformbemühungen in Spanien setzt die Allianz offenbar ein großes Fragezeichen: Der Versicherer baute seinen Bestand an spanischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr um rund die Hälfte auf 2,6 Milliarden Euro ab, stockte dafür aber bei italienischen Bonds auf.

Quelle: mit rtr/dpa
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