21.02.13

Staatsanleihen

Notenbanken verdienen prächtig an Krisenhilfen

Die Euro-Zentralbanken halten Krisen-Staatsanleihen im Wert von mehr als 200 Milliarden Euro, die den Bankern 2012 üppige Zinsgewinne brachten. Einen Teil des Geldes will allerdings Griechenland.

Von Sebastian Jost
Foto: dpa

Die Bauarbeiten an der künftigen Zentrale der Europäischen Zentralbank gehen weiter. Die EZB verdient derweil kräftig an den Krisenanleihen
Die Bauarbeiten an der künftigen Zentrale der Europäischen Zentralbank gehen weiter. Die EZB verdient derweil kräftig an den Krisenanleihen

Kein Instrument der Europäischen Zentralbank (EZB) ist so umstritten wie dieses: Der milliardenschwere Kauf von Staatsanleihen aus Krisenländern gilt bei Kritikern als Verstoß gegen das Mandat der Notenbank und obendrein als höchst riskant. Doch zumindest fürs Erste ist die Aktion ein glänzendes Geschäft für die Notenbanker und damit auch für die Finanzminister in Europa.

Im vergangenen Jahr warfen die vom Euro-System gehaltenen Anleihen mehr als zehn Milliarden Euro an Zinsen ab. Und angesichts einer durchschnittlichen Restlaufzeit der Anleihen von mehr als vier Jahren dürfen sich die Notenbanken schon jetzt auf weitere Milliardengewinne freuen - sofern die Krisenstaaten von Griechenland bis Irland ihre Schuld tatsächlich voll zurückzahlen können.

Im Rahmen des sogenannten SMP-Programms kaufte die EZB von Mai 2010 bis Januar 2012 gezielt Anleihen von angeschlagenen Staaten auf, um zu verhindern, dass die entsprechenden Regierungen an den Kapitalmärkten immer höhere Zinsen zahlen müssen. Im September beschloss der EZB-Rat das Nachfolgeprogramm OMT, das bisher aber noch nicht zum Einsatz kam.

Rechnerische Zinsgewinne von 14 Milliarden Euro

Die von den Euro-Notenbanken derzeit gehaltenen Staatspapiere haben einen Nominalwert von 218 Milliarden Euro. Davon liegen allerdings nur rund acht Prozent direkt bei der EZB, der Rest verteilt sich auf die 17 nationalen Zentralbanken (NZB) des Euro-Systems.

Allein der EZB-Anteil warf im vergangenen Jahr Zinserlöse von 1,1 Milliarden Euro ab, 100 Millionen mehr als im Vorjahr. Den Zinsgewinn des gesamten Euro-Systems aus den Anleihen gibt die EZB nicht bekannt, da jede NZB selbst für ihre Bilanz verantwortlich ist.

Rechnerisch ergäbe sich jedoch ein Überschuss von 13 bis 14 Milliarden Euro. Die Gewinne der Notenbanken werden letztlich an die Staatshaushalte der jeweiligen Euro-Länder ausgeschüttet.

Italien ist der dickste Brocken

Erstmals gab die EZB auch bekannt, wie sich die SMP-Bestände der Notenbanken auf einzelne Länder verteilen. Fast die Hälfte des Portfolios machen demnach italienische Staatsanleihen aus - die Notenbanken hält solche Papiere in einem Nominalwert von 103 Milliarden Euro.

Spanische Anleihen summieren sich auf 44 Milliarden Euro, griechische auf 34 Milliarden Euro. Weitere Profiteure des SMP-Programms waren Portugal (23 Milliarden Euro) und Irland (14 Milliarden).

Allein die griechischen Anleihen, die zum Zeitpunkt der EZB-Intervention teilweise zweistellige Zinssätze abwarfen, brachten der Zentralbank im vergangenen Jahr 555 Millionen Euro ein. Für das gesamte Eurosystem ergibt sich also ein Zinsgewinn von mehreren Milliarden Euro.

Griechenland bekommt einen Teil des Geldes

Diese Zahl steht besonders im Fokus, denn die Euro-Länder haben sich verpflichtet, diese Erlöse nicht einzustreichen, sondern zur Entlastung Griechenlands einzusetzen. Am Schuldenschnitt für das angeschlagene Land hatte die EZB nicht teilgenommen.

Auch jenseits der SMP-Anleihen steht die EZB momentan gut da. Ihre Überschüsse aus geldpolitischen Geschäften, die vor allem aus Krediten an Banken bestehen, betrugen im Vorjahr knapp 2,2 Milliarden Euro. Nach Abschreibungen und Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite ergab sich ein Nettogewinn von 998 Millionen Euro, 37 Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: Reuters
06.12.12 1:17 min.
Die Europäische Zentralbank verzichtet trotz schwacher Wirtschaftsaussichten für die allermeisten Euro-Länder vorerst auf eine weitere Zinssenkung. Sie ist aber nicht vom Tisch.
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