21.02.13

Geldnot

Erzbistum Danzig verpfändet seine Gotik-Kathedrale

Die Diözese muss 1,6 Millionen Steuern an den Staat zurückerstatten. Der bistumseigene Verlag hatte fiktive Rechnungen gestellt und sie die Mehrwertsteuer erstatten lassen. Jetzt herrscht Finanznot.

Foto: pa/akg images/akg
Danzig
Die Kathedrale des Zisterzienserkloster im Stadteil Oliwa in Danzig. Sie wurde verpfändet

Das finanziell angeschlagene Erzbistum Danzig hat seine Kathedrale verpfändet. Ein Bistumssprecher bestätigte einen Pressebericht, demzufolge eine Hypothek von rund fünf Millionen Euro ins Grundbuch eintragen wurde. Dies sei wegen der ausstehenden Rückzahlung von Krediten erfolgt, schrieb die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" .

Außer der im 13. Jahrhundert errichteten Kathedrale sind den Angaben zufolge auch der Sitz der Kurie, das Diözesanmuseum und das Priesterseminar mit Hypotheken belastet. Sie liegen alle im Stadtteil Oliva auf der Anlage eines früheren Zisterzienserklosters.

Der stellvertretende Chefökonom des Bistums, Andrzej Leszczynski, sagte Radio Gdansk: "Obwohl die Schulden das Erzbistum erdrücken, ist eine Versteigerung der Oliver Kathedrale und des Gebäudes des Priesterseminars nicht möglich." Die Kirche sei nicht bedroht, versicherte Leszczynski. Wann die Hypothek eingetragen wurde, blieb unklar.

Fingierte Rechnungen

Das Bezirksgericht Danzig hatte das Erzbistum in der vergangenen Woche zur Rückzahlung von 1,6 Millionen Euro an die Staatskasse verurteilt. Der bistumseigene Verlag "Stella Maris" habe beim Finanzamt für die Jahre 1999 bis 2002 Rechnungen für fiktive Beratungsdienste eingereicht und sich die anfallende Mehrwertsteuer erstatten lassen, so die Richter.

Wegen des bislang größten Betrugsskandals um ein kirchliches Unternehmen in Polen belaufen sich die Schulden der Diözese laut Medienberichten auf rund 16 Millionen Euro. Bereits 2005 mussten Autos und Möbel der Kurie zwangsversteigert werden, weil der Verlag Forderungen einer Bank und eines Leasing-Unternehmens in Millionenhöhe nicht erfüllen konnte.

Der 1992 vom damaligen Erzbischof Tadeusz Goclowski gegründete "Stella Maris"-Verlag mit Druckerei wurde laut Staatsanwaltschaft zur Geldwäsche missbraucht. Dem früheren Verlagschef und weiteren mutmaßlichen Beteiligten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Wegen der Affäre schloss das Bistum den Verlag 2009.

Die im 13. Jahrhundert als Zisterzienserkirche erbaute gotische Kathedrale ist unter anderem wegen ihrer Orgel bekannt. Sie galt zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als eine der größten in Europa. Mit Gründung des Bistums Danzig 1925 wurde das Gotteshaus zur Bischofskirche. Das Zisterzienserkloster schrieb 1660 Geschichte, als dort im sogenannten Friedensvertag von Oliva Österreich, Polen und Schweden die Souveränität Preußens anerkannten.

Quelle: KNA/woz
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