20.02.13

"The Giving Pledge"

Verwirrung um Spenden von SAP-Gründer Plattner

Die Hälfte des Vermögens spenden – das ist Voraussetzung für die Aufnahme im Klub "The Giving Pledge". Auch SAP-Gründer Hasso Plattner ist der Runde wohl beigetreten. Doch es gibt Verwirrung.

Von Jens Hartmann
Foto: dpa

SAP-Mitbegründer und Kunst-Sammler Hasso Plattner: Geht er nun zusammen mit Bill Gates stiften oder nicht?
SAP-Mitbegründer und Kunst-Sammler Hasso Plattner: Geht er nun zusammen mit Bill Gates stiften oder nicht?

Der Bentley steht auf dem Parkplatz vor der Tür, oben im Büro sind auf dem Schreibtisch die Modelle zweier Segeljachten zu sehen. Ein paar Kunstkataloge liegen in Griffweite. Mit Insignien des Reichtums kann Hasso Plattner, der auch mal bekennender Fan der "Sportwagenmarke mit dem Pferd" war, wie er Ferrari bezeichnet, durchaus etwas anfangen.

Ob in seiner Wahlheimat Kalifornien oder in Walldorf, wo er in seiner Funktion als Großaktionär und Aufsichtsratschef bisweilen auch mal die Firmenzentrale des Softwarekonzerns SAP besucht.

Den Grundstock für sein Vermögen, das das Wirtschaftsmagazin Forbes auf 5,4 Milliarden Euro schätzt, legte Plattner vor fast 41 Jahren, als er mit vier Kollegen von IBM das Unternehmen Systemanalyse und Programmentwicklung, kurz SAP, gründete. Aus dem Kleinbetrieb ohne eigenes Büro und ohne eigenen Computer ist inzwischen der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware und eines der wertvollsten Unternehmen Deutschlands geworden.

Förderung von Kultur und Bildung

Nun wird Plattner Mitglied der von Warren Buffett und Bill Gates gegründeten Initiative "The Giving Pledge" ("Das Spendenversprechen"). Über die SAP-Pressestelle ließ Plattner mitteilen: "Ich freue mich, Mitglied der Giving Pledge Stiftung zu sein. Im Rahmen meiner Mitgliedschaft werde ich das gesamte Kapital meiner Förderstiftung mit den Schwerpunkten Bildung, Kultur und Gesundheit im Sinne des weltweiten Anspruchs von Giving Pledge einsetzen." Bildung und Gesundheit seien ganz wesentliche Voraussetzungen für Menschen, um ihre Leben sinnvoll und erfolgreich zu gestalten.

Damit machte Plattner allerdings deutlich, dass er nicht die Hälfte seines Vermögens an "The Giving Pledge" abtritt, sondern weiter seine eigenen beiden Stiftungen finanzieren will: Die Hasso-Plattner-Stiftung für Softwaresystemtechnik, die das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam finanziert. Und die Hasso-Plattner-Förderstiftung, die Bildungsprojekte oder Projekte zur Aids-Prävention in Südafrika unterstützt und die auch im Sinne von "Giving Pledge" wirken soll.

Allerdings gab es am Mittwochabend Verwirrung über Plattners Engagement bei "The Giving Pledge". Nach mehreren Medienberichten hat Plattner die Mitgliedschaft in dem Klub der Superspender am Mittwoch sogar dementiert. Dies berichteten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" auf ihrer Website und die "Bild"-Zeitung. Der "Tagesspiegel" berichtete, Plattner fühle sich von Bill Gates ausgenutzt.

Zu den bisherigen Mitgliedern gehören der Gründer des Online-Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und der Hollywood-Regisseur und Star-Wars-Erfinder George Lucas.

Plattner in seinem Element

Hasso Plattner ist stets in seinem Element, wenn er sich mit Studenten zusammensetzt und mit ihnen über "Design Thinking" spricht. Das ist eine Methode kreativer Zusammenarbeit bunt zusammengewürfelter Gruppen, die sich Fragen annehmen wie: Wie vereinfachen wir den Umgang mit Demenzkranken? Oder: Wie kann man Ärzten am Krankenbett helfen, dass sie in Sekundenschnelle Daten vergleichbarer Fälle bekommen, um ihren Therapievorschlag für Krebskranke besser zu unterfüttern?

Unter anderem aus diesen Fragestellungen ist eine ultraschnelle Datenbanksoftware namens Hana entstanden, die einer der Gründe dafür ist, dass SAP auch für dieses Jahr wieder mit einem Rekordjahr rechnet. Plattner ist zwar eigentlich schon länger im Rentenalter, aber jung geblieben. Er spielt E-Gitarre, Golf und ist begeisterter Hochsee-Segler.

Ausgerechnet das viel gescholtene deutsche Bildungswesen habe bei ihm die Basis für seinen Erfolg und späteren Wohlstand gelegt, sagt er. "Ich hatte das große Privileg, an einer der besten deutschen technischen Universitäten, der Universität von Karlsruhe, zu studieren, und die Ausbildung war so gut wie kostenlos. Ohne Zweifel bildete sie die Grundlage für meinen persönlichen Erfolg", sagte Plattner. Daher sei er auch bereit, der Gesellschaft, die ihm diese Ausbildung ermöglicht habe, etwas zurückzugeben.

Vorbild für andere

Plattner spendete für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses, fördert weltweit die Wissenschaft, wobei ihm die IT-Welt am Herzen liegt, und engagiert sich für Projekte gegen Aids. Es sei eine enorme Belohnung zu sehen, welche Wirkung eine Spende haben könne, sagt er. Seine Stiftung biete ihm die Möglichkeit, sowohl das Unternehmen zu unterstützen, das er einst gegründet habe, als auch für die Gesellschaft Gutes zu tun.

Unter den fünf SAP-Gründern ist das Mäzenatentum weit verbreitet. Klaus Tschira fördert in einer eigenen Stiftung die Naturwissenschaften. In Heidelberg hat er das Haus der Astronomie errichten lassen, das nun zur Max-Planck-Gesellschaft gehört. Dietmar Hopp ist nicht nur Mäzen des Bundesliga-Klubs TSG 1899 Hoffenheim, sondern fördert mit seiner Stiftung Sommerschulen, Kindertagesstätten und medizinische Projekte wie die Untersuchung von Neugeborenen auf Gendefekte in der Uniklinik Heidelberg. Hans-Werner Hector ist wiederum in Mannheim als Kunstmäzen aktiv.

Mit seinem sozialen Engagement sieht sich Plattner in einer Vorbildrolle. "Viele berühmte Menschen haben das früher getan, und ich fühle mich gut damit, vielleicht auch Vorbild für andere zu werden."

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