19.02.13

Arbeitsmarkt Berlin

Neue Jobagentur soll sich nur um junge Arbeitslose kümmern

Regionaldirektion, Unternehmerverband und Grüne sagen der Jugendarbeitslosigkeit den Kampf an. Eine zentrale Berufsagentur soll helfen.

Foto: dpa

Jobcenter in Berlin: In der Hauptstadt liegt die Jugendarbeitslosigkeit deutlich über dem Bundesdurchschnitt
Jobcenter in Berlin: In der Hauptstadt liegt die Jugendarbeitslosigkeit deutlich über dem Bundesdurchschnitt

Die Regionaldirektion Berlin, die Unternehmerverbände und die Grünen haben die Gründung einer Berufsagentur nur für jugendliche Arbeitslose gefordert. "Das ist ein zentraler Baustein für uns, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen", sagten die Arbeitsmarkt-Experten der Berliner Grünen, Stefanie Remlinger und Sabine Bangert am Dienstag. Berlin könne es sich nicht leisten, angesichts des drohenden Fachkräftemangels auf einen großen Teil der Jugendlichen zu verzichten.

Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Berlin trotz des anhaltenden Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Zur Zeit sind knapp 22.000 Berliner unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet (13,4 Prozent). Dazu kommen 15.000 weitere Jugendliche, die in unterschiedlichen Bildungsmaßnahmen untergebracht sind. Nach Schätzungen von Experten kommen noch rund 10.000 Jugendliche und Heranwachsende hinzu, die in keiner Statistik auftauchen. Damit befindet sich jeder vierte Jugendliche nicht in einer regulären Schul- oder Berufsausbildung.

Hamburg als Vorbild

"Hier liegt ein massiver sozialer Brennstoff", sagten die beiden Arbeitsmarktexperten der Grünen. Jeder zweite Berliner Langzeitarbeitslose zwischen 30 und 40 Jahren verfügt weder über einen Schul- noch über einen Berufsabschluss und wird die Sozialsysteme wohl ein Leben lang belasten. Deshalb sei es sinnvoll, Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf "aus einer Hand" zu betreuen. Die Jugendberufsagentur solle eine zentrale Anlaufstelle für alle unter 25-Jährigen sein, die einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen. Hamburg hat im vergangenen Jahre eine solche Agentur ins Leben gerufen und gute Ergebnisse erzielt.

Auch der Chef der Berliner Regionalagentur, Dieter Wagon, unterstützt diese Forderung. "Wir werden uns auf der kommenden Beiratssitzung damit beschäftigen", sagte sein Sprecher, Olaf Möller. Die Agentur kümmere sich seit langem um neue Konzepten zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, eine zentrale Anlaufstelle wäre nach Ansicht der Regionaldirektion ein sinnvoller Schritt. Das sieht der Berliner Unternehmerverband (UVB) genauso. "Vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit ist das ein Modell, mehr Jugendliche in einen Beruf zu bekommen", sagte UVB-Sprecher Frank Hufnagel. Mit der Einrichtung soll nach dem Willen der Initiatoren das Kompetenzwirrwarr im Umgang mit jugendlichen Arbeitslosen aufgelöst werden. Viele Jugendliche gingen dem System verloren, weil sie zwischen den unterschiedlichen Instanzen hin- und hergeschoben würden. "Es gibt ein politisches Steuerungsproblem", so Remlinger und Bangert.

Künftig soll den jugendlichen Arbeitssuchenden ein Mitarbeiter zur Seite gestellt werden, der nach dem besten Qualifizierungsweg für die Betreffenden sucht. "Maßnahmen, die nicht zu einem Abschluss führen, müssen ersatzlos gestrichen werden", forderte Bangert.

Viele Azubis brechen Lehre ab

Neben der hohen Arbeitslosenquote unter Berliner Jugendlichen verzeichnet die Stadt auch eine hohe Abbrecherquote bei Auszubildenden. Jeder dritte Azubi beendet die Ausbildung ohne Abschluss. Damit sie nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit abgleiten, soll die auch ihnen durch die Berufsagentur gezielt in einen passenden Beruf geholfen werden.

Größtes Problem bei der zentralen Erfassung jugendlicher Arbeitssuchender ist der Datenschutz. Die Regionaldirektion hat keinen Überblick darüber, welcher Schulabgänger eine Ausbildung absolviert, weiter zur Schule geht oder nichts macht. Parallel sollte nach Ansicht der Grünen über die Wiedereinführung der Berufsschulpflicht nachgedacht werden. Jeder Jugendliche ohne Ausbildungsplatz müsste dann weiter zur Schule gehen, bis der Übergang in einen Beruf oder ein Studium gelingt. Entsprechende Vorschriften existieren in mehreren Bundesländern, darunter Baden-Württemberg.

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