19.02.13

Luftfahrt

Triebwerksbauer MTU setzt Höhenflug fort

Der Turbinenhersteller MTU profitiert vom Boom bei den Mittelstreckenflugzeugen. Nur eine Durststrecke bei Militärmaschinen und Auswirkungen des Dreamliner-Debakels könnten den Erfolg gefährden.

Foto: dpa

Ein Mitarbeiter von MTU putzt das Schaufelrad einer Turbine.
Ein Mitarbeiter von MTU putzt das Schaufelrad einer Turbine

Der Münchner Triebwerksbauer MTU Aero Engines rechnet nach einem Rekordjahr 2012 auch in diesem Jahr mit zweistelligem Wachstum. MTU profitiert dabei von einer steigenden Nachfrage nach neuen Triebwerken und einem Ausbau des Servicegeschäfts.

Das große Wachstum verspricht sich MTU, wie die gesamte Luftfahrtbranche, nicht mehr in Europa, sondern vor allem in Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten. Eher schlecht läuft derzeit das Geschäft mit Triebwerken für Militärjets.

MTU-Chef Egon Behle warnte davor, dass in Deutschland das Wissen um diese speziellen Antriebe verloren gehen könnte, sollten nicht in kürzester Zeit ein Nachfolgeprogramm für den Eurofighter aufgelegt werden. Behle geht davon aus, dass man das Umsatzniveau mit militärischen Triebwerken halten kann, von Wachstum wolle er aber nicht sprechen.

Bei MTU ist von einem "bombastischen Jahr 2012" die Rede. In der Tat konnte der Triebwerkshersteller seinen Umsatz um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro steigern. Behle hielt daher an seinen Plänen fest, die Erlöse bis 2020 aus eigener Kraft auf sechs Milliarden Euro zu schrauben. Das operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 374 Millionen Euro. Unterm Strich verdiente MTU 233 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent.

Triebwerk für den A320 ist der Umsatzbringer

Für dieses Jahr hat sich der Konzern weitere Bestwerte vorgenommen. So soll der Konzernumsatz um zehn bis zwölf Prozent steigen. Dasselbe gilt für das operative Ergebnis und den Gewinn nach Steuern. Mit Aufträgen über 11,5 Milliarden Euro in den Büchern ist MTU für gut drei Jahre ausgelastet.

Aktuell ist noch das Triebwerk V2500, das Kurz und Mittelstreckenflugzeuge wie den Airbus A320 antreibt, der große Umsatzbringer bei MTU. Wachstum der Zukunft verspricht sich MTU durch das Servicegeschäft, aber vermehrt auch vor allem mit seinem sogenannten "Geared Turbofan", einem neuen und besonders spritsparenden Triebwerk.

Dabei ermöglicht ein Getriebe unterschiedliche Drehzahlen von Fan, auch Gebläse genannt, und Niederdruckturbine mit dem Ergebnis, dass sich die Lärmemissionen verringern und Kerosin sparen lassen. MTU ist da Teil eines von Pratt & Whitney geführten Konsortiums. Nun geht es nach der Entwicklungsarbeit darum, die Fertigung des Getriebefan voranzutreiben.

Kunden der PW1000G genannten Triebwerksfamilie sind unter anderem Bombardier mit seiner C-Series, der Mitsubishi Regional Jet und Embraer, die sich anschicken, den Platzhirschen Boeing und Airbus Konkurrenz zu machen. Aber auch der modernisierte A320Neo wird mit diesen Triebwerken ausgestattet.

Boeing-Debakel könnte MTU belasten

Was auch für MTU zum Problem werden könnte, ist das Debakel um den 787 Dreamliner des US-Konzerns Boeing. Aus heutiger Sicht gehe man zwar davon aus, dass es zu keiner Unterbrechung der Produktion des Passagierflugzeugs kommt, sagte Behle. Wenn doch, dürfte sich aber auch automatisch die Produktion der Triebwerke verzögern. "Wenn die Lieferkette eingebremst wird, wird sie eingebremst", sagte Behle. MTU hält einen Anteil von 6,9 Prozent an dem Triebwerkskonsortium, das Antriebe für den Dreamliner herstellt.

Der Dreamliner hat Probleme mit leicht entzündbaren Batterien. Nachdem an Bord von zwei Maschinen die Lithium-Batterien Feuer fingen, erließ die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA ein weltweites Flugverbot. Daher dürfen die 50 ausgelieferten Flugzeuge derzeit nicht abheben.

MTU schafft zusätzliche Jobs

Boeing hat aber die Erlaubnis für Testflüge und arbeitet derzeit an einer Übergangslösung, um die Flugzeuge wieder sicher zu machen. Bislang ist die Produktion nicht gestoppt werden, weshalb auch die Zulieferer und damit auch MTU weiter ihre Komponenten fertigen.

Mehrere Dutzend fertige Flieger stehen daher schon bereit, sind aber noch nicht ausgeliefert worden. Konkurrent Airbus hatte als Reaktion auf die Boeing-Probleme mitgeteilt, man setze nun "Plan B" um und verwende für den neuen Flieger A350 keine Lithium-, sondern herkömmliche Nickel-Cadmium-Batterien.

Das Umsatzplus bei MTU geht auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen einher. So stieg die Zahl der Beschäftigten um mehr als 300 Mitarbeiter oder 4,1 Prozent auf 8.500. Auch in diesem Jahr will MTU Stellen schaffen.

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