19.02.13

Arbeitsbedingungen

Amazon trennt sich von einem weiterem Dienstleister

Angesichts der Kritik am Umgang mit Leiharbeitern hat der Internet-Händler Amazon die Zusammenarbeit mit einer weiteren Firma beendet.

Foto: dpa

Der Versandriese Amazon geriet zuletzt wegen des Umgangs mit Leiharbeitern massiv in die Kritik.
Der Versandriese Amazon geriet zuletzt wegen des Umgangs mit Leiharbeitern massiv in die Kritik.

Der Internet-Versandhändler Amazon trennt sich angesichts der anhaltenden Kritik am Umgang mit Leiharbeitern von einem weiteren Dienstleister. Die Firma war unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter verantwortlich.

"Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, zu gewährleisten", teilte Amazon am späten Montagabend in München mit.

Bereits am Montag hatte Amazon die Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst beendet. Sie war unter anderem Wohnanlagen für Saisonkräfte in Logistikzentren überwachte. "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Sprecherin am Montag in München und bestätigte einen Bericht von "Sueddeutsche.de".

Seit der Ausstrahlung einer ARD-Dokumentation über schlechte Arbeitsbedingungen von Zeitarbeitern in Deutschland erlebt der US-Konzern einen Sturm der Entrüstung. Vor allem im Internet machen viele Kunden ihrem Unmut Luft und drohen mit einem Boykott. Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit einem Lizenzentzug gedroht.

Die Zeitarbeitsbranche will unsaubere Praktiken nicht hinnehmen. "Immer dort, wo illegale beziehungsweise unethische Machenschaften im Zusammenhang mit Zeitarbeitseinsätzen praktiziert werden, distanzieren wir uns ausdrücklich hiervon", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Werner Stolz, am Montag in Münster. Die Mitglieder des Verbands hätten sich einem Ethikkodex verpflichtet und arbeiteten zudem mit einer Schlichtungsstelle zusammen.

Kritik an den Arbeitsbedingungen im Versandhandel hatte es bereits zuvor gegeben, etwa beim Online-Versandhaus Zalando. Das Unternehmen hat dagegen nach eigenen Angaben Maßnahmen ergriffen. "Wir haben Sozialstandards entwickelt, die für unsere eigenen Standorte gelten sowie für Dienstleister im Bereich Logistik. Diese Standards wurden von unseren Dienstleistern unterschrieben. Die Einhaltung soll künftig durch externe Prüfer kontrolliert werden", sagte ein Sprecher am Montag.

Überwachung mit Kameras

Der 2008 gegründete Online-Händler Zalando beschäftigt nach eigenen Angaben im Jahresmittel an eigenen Standorten rund zehn Prozent Zeitarbeiter in der Logistik. "Unsere eigenen Mitarbeiter bekommen 8,50 Euro Einstiegslohn pro Stunde, die Zeitarbeiter bekommen genau das Gleiche." In Brieselang in Brandenburg gab es im Jahr 2012 rund 100 Zeitarbeiter bei Zalando.

Der Kölner Enthüllungsjournalist Günter Wallraff prangerte die Arbeitsbedingungen bei Amazon an: "Mir sind mehrfach von dort Beschäftigten grausamste Arbeitsbedingungen geschildert worden", sagte der Autor am Montag. Das betreffe vor allem Saison- und Leiharbeiter. Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. "Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene."

Die Gewerkschaft Ver.di kämpft indes um höhere Löhne für die fest angestellten Amazon-Beschäftigten. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit dem US-Unternehmen stattgefunden, berichtete der Frankfurter Ver.di-Sekretär Bernhard Schiederig am Montag. Man fühle sich stark genug, einen Tarifvertrag durchzusetzen. Ver.di verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche.

Quelle: dpa/sei
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