19.02.13

McKinsey-Konkurrenz

Beraterbranche bündelt Kräfte für globalen Markt

Bewegung auf dem hart umkämpften Beratermarkt: Nachdem eine große Fusion geplatzt ist, rüstet sich Booz & Company mit einem kleinerem Konkurrenten für den globalen Wettbewerb.

Foto: dpa

Die Beraterbranche ist im Umbruch: Die Großen der Branchen schlucken kleinere Konkurrenten, um im Wettbewerb bestehen zu können
Die Beraterbranche ist im Umbruch: Die Großen der Branche schlucken kleinere Konkurrenten, um im Wettbewerb bestehen zu können

Vor zweieinhalb Jahren war für Booz & Company eine Hochzeit mit einem Partner auf Augenhöhe zum Greifen nahe gewesen: Über mehrere Monate hinweg hatte die Strategieberatung über eine Eheschließung mit A.T. Kearney verhandelt.

Gemeinsam wäre man auf Rang drei der Weltrangliste aufgerückt – gleich hinter die mächtigen Branchengrößen Boston Consulting Group und McKinsey. Trotz der Aussicht auf die gebündelte Marktmacht scheiterte der Deal am Ende dennoch, wohl auch weil die Kulturen beider Unternehmen zu weit auseinander lagen.

Nachdem der große Coup platzte, setzt Booz & Company nun auf den Zukauf kleinerer Rivalen, um sich für den zunehmend schwierigen, weltweiten Kampf um begehrte Beraterverträge zu rüsten.

Spekulationen haben sich bestätigt

Schon seit Wochen hatte es Spekulationen gegeben, denen zufolge das Unternehmen den mit 17 Partnern und 145 Beratern deutlich kleineren Konkurrenten Management Engineers (ME) übernehmen wolle. Nun sorgte Deutschland-Chef Klaus-Peter Gushurst für Gewissheit.

Man habe mit dem Management von ME eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet, sagte er der Berliner Morgenpost. Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden und der Partner beider Unternehmen werde diese am 2. April rechtskräftig. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Weltweit liefern sich Beratungsfirmen derzeit ein Hauen und Stechen um möglichst attraktive Zukäufe – in der Hoffnung, durch eine gebündelte Kraft und ein möglichst breites Beratungsspektrum dem spürbar gestiegenen Kostendruck etwas entgegen setzen zu können.

Die Branche sieht sich mit immer stärkeren Rabattforderungen seitens ihrer Kunden konfrontiert; zudem wird die Nachfrage nach möglichst tiefgründigen, industrienahen Beratungsleistungen immer größer.

ME hat in Deutschland starke Position

Deutschland-Chef Gushurst erachtet ME auch vor diesem Hintergrund als perfekte Ergänzung: Mit der Spezialisierung unter anderem auf das Restrukturierungsgeschäft sowie auf Beratung in ausgewählten Industrien wie Autozulieferer und Pharma passe die "Akquisition hervorragend zu unseren strategischen Wachstumszielen für Europa und insbesondere den Schlüsselmarkt Deutschland".

Auch Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sieht die 1978 gegründete Beratungsfirma, die ihr Hauptgeschäft in Deutschland macht, als Teil der Champions League der Strategieberater.

Aus der Sicht von ME besteht der Reiz der Ehe mit dem deutlich größeren, mehr als 3000 Berater zählenden Rivalen denn auch vor allem in der damit gewonnenen globalen Reichweite. Booz & Company sei der perfekte Partner, "um unseren Beratungsansatz und unsere Expertise noch stärker auf internationaler Ebene auszurollen", so Hanno Brandes und Helmut Surges, Geschäftsführer von Management Engineers.

ME kommt auf einen geschätzten Jahresumsatz von etwa 85 Millionen Euro, Booz & Company auf 1,3 Milliarden Euro.

Fusionen unter Beratern: ein schwieriges Geschäft

Fusionen gelten gerade in der Beratungsbranche als besonders schwierig: Größter Stolperstein sind die in der Regel auf vielen, starken Partnern gründenden Firmenstrukturen; Eitelkeiten und kulturelle Unterschiede machen eine Eingliederung oder Unterordnung in ein großes Ganzes oft schwieriger als es ohnehin schon ist.

Aus kulturellen Gründen war denn wohl auch die 2010 verhandelte Übernahme von Roland Berger durch Deloitte gescheitert. Obwohl das Management für die Fusion plädiert hatte, war diese letzten Endes am Veto der Partner geplatzt.

Das Volumen des Beratermarkts hierzulande lag 2011 bei knapp 21 Milliarden Euro; mit einem Deutschlandumsatz von geschätzt 256 Millionen Euro lag Booz & Company dem Marktforscher Lünendonk zufolge auf Platz sieben der größten Anbieter.

Zusammen mit ME (schätzungsweise 74 Millionen Euro in Deutschland) würde das Unternehmen auf Platz vier aufrücken – hinter McKinsey, BCG und Roland Berger.

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