18.02.13

Lebensmittelskandal

Deutschland prüft härtere Strafen gegen Fleisch-Panscher

Bund und Länder haben über den Pferdefleisch-Skandal und sein Folgen beraten. Die Runde billigte dabei Aigners Aktionsplan, will aber mehr.

Foto: dpa

Lebensmittelprobe auf Pferdefleisch: Mittlerweile sind auch deutsche Lieferanten
Lebensmittelprobe auf Pferdefleisch: Mittlerweile sind auch deutsche Lieferanten

Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern wollen Lebensmittelhersteller härter bestrafen, die bei den Zutaten ihrer Produkte betrügen. Strafen und Bußgelder sollten überprüft werden, kündigte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner am Montag nach einem Treffen mit ihren Ressortkollegen aus den Ländern zu den Konsequenzen aus dem Pferdefleisch-Skandal an. Zudem sollten die Gewinne, die durch die falschen Inhaltsangaben erzielt würden, abgeschöpft werden können. Über die Ausmaße des Skandals konnte Aigner keine Angaben machen. "Wir rechnen damit, dass jetzt noch mehr Fälle aufgedeckt werden", sagte die CSU-Politikerin.

Die Ministerrunde billigte weitgehend einen von Aigner bereits Sonntag vorgestellten "Nationalen Aktionsplan", ergänzt um die Überprüfung von Sanktionen gegen Lebensmittelpanscher. Demnach sollen in Deutschland Lebensmittel auf mehr unzulässige Inhalte überprüft werden, als von der EU geplant. So solle auch untersucht werden, ob Lebensmittel wie etwa Döner Schweinefleisch enthielten. Dies ist für Muslime aus religiösen Gründen inakzeptabel.

Auch Aldi Nord findet Pferdefleisch

Im europaweiten Pferdefleisch-Skandal geraten nun immer mehr deutsche Lieferanten ins Visier. Der Liechtensteiner Partner der Supermarktkette Lidl, die Firma Hilcona, erklärte am Montag, die Rohware für das Produkt "Combino Tortelloni Rindfleisch" sei vom Lieferanten Vossko aus dem Münsterland gekommen, es enthalte undeklariertes Pferdefleisch. Das Nudelgericht war am Freitag vom Discounter Lidl aus den Regalen entfernt worden.

Nach Aldi Süd hat inzwischen auch Aldi Nord Pferdefleisch in Fertiggerichten gefunden. In "Tiefkühl Penne Bolognese 750 g" und "Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind" seien Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen worden, teilte Aldi Nord in Essen mit. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax aus Brandenburg sei nur in den Aldi-Nord-Regionalgesellschaften Meitzendorf (Raum Magdeburg), Mittenwalde (Raum Süd-Ost-Berlin, Süd-Ost-Brandenburg) und Hoyerswerda (Raum Süd-Ost-Brandenburg, Nord- und Ost-Sachsen) vertrieben worden.

Omnimax wiederum bekommt die Produkte vom Konservenhersteller Dreistern in Neuruppin in Brandenburg. Eine Dreistern-Sprecherin betonte, in dem Gulasch seien nur Spuren von Pferde-DNA gefunden worden. "Auch wir sind Opfer von Etikettenschwindel. Wir sind nicht Täter", sagte sie. Auch Aldi Süd war von Omnimax beliefert worden und hatte dies bereits am Freitag mitgeteilt.

Die Tiefkühl Penne Bolognese eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden, teilte das Unternehmen mit. Aktuell bestünden keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko. Die Lieferanten hätten gebeten, die Artikel vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen.

Liechtensteiner beenden Zusammenarbeit mit deutschem Lieferanten

Die Firma Hilcona berief sich auf Untersuchungen in Schweizer Labors. "Die Analysen haben ergeben, dass der Lieferant Vossko aus Deutschland die falsch deklarierte Ware geliefert hat", erklärte das Liechtensteinische Unternehmen. Hingegen sei von der zuvor ähnlich wie Vossko verdächtigten Schweizer Firma Suttero nur reines Rindfleisch an Hilcona geliefert worden.

Ein Sprecher der Firma Vossko aus Ostbevern in Nordrhein-Westfalen bestätigte, dass Hilcona die Zusammenarbeit mit Vossko aufgekündigt habe. "Wir lassen gerade durch zwei Labore Proben unserer vier Lieferanten von Rindfleisch aus dem vergangenen neun Monaten untersuchen. Frühestens Dienstagabend werden wir erste Ergebnisse haben", sagte ein Vossko-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Bei den Lieferanten handele es sich um drei deutsche Partner und einen aus dem europäischen Ausland. Näheres wollte der Sprecher nicht sagen.

Bei Hilcona im liechtensteinischen Ort Schaan war für Lidl das Nudelgericht "Combino Tortelloni Rindfleisch" unter dem Markennamen Gusto hergestellt worden. Darin hatten die österreichischen Gesundheitsbehörden Spuren von Pferdefleisch entdeckt. Das Produkt wurde inzwischen aus den Regalen genommen.

Spitzenkoch Schuhbeck erschüttert

Produkte des Spitzenkochs Alfons Schuhbeck sind nach seinen Angaben nicht vom Pferdefleisch-Rückruf des Fertigprodukte-Herstellers Schuhbecks Geniesser Service (SGS) in Laage (Mecklenburg-Vorpommern) betroffen. "Ich bin erschüttert", sagte Schuhbeck der "Bild"-Zeitung. "Die Firma SGS hat eine Lizenz von mir, hochwertige Gericht zu produzieren – die Produkte, in denen Pferdefleisch gefunden wurde, stammen aus einer ganz anderen Linie." Das erklärt auch der SGS auf seiner Homepage.

Wie SGS mitteilte, waren in Fertiggerichten mit Anteilen von Rindfleisch für die Supermarktkette Rewe Bestandteile von Pferdefleisch gefunden worden. Die SGS habe sofort nach Bekanntwerden des Pferdefleischskandals von allen Lieferanten schriftliche Bestätigungen erhalten, dass kein zugeliefertes Produkt Pferdefleisch enthält. Allerdings seien bei Rohware vom Hackfleisch-Hersteller Vossko geringe Pferdefleisch-Anteile gefunden worden. Auch Schweizer Supermärkte nahmen am Montag sieben Produkte aus den Regalen, die undeklariertes Pferdefleisch enthalten sollen.

Quelle: dpa/Reuters/ap
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