18.02.13

Frankreich

"Wir wussten nicht, dass es Pferdefleisch war"

Die französische Firma Spanghero steht im Mittelpunkt des neuesten Lebensmittel-Skandals: Sie steht unter Verdacht, 550 Tonnen als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch weiterverkauft zu haben.

Foto: REUTERS

Ein Arbeiter lädt Fleisch der Firma Spanghero in einen Müllcontainer. Dem Unternehmen wurde die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen
Ein Arbeiter lädt Fleisch der Firma Spanghero in einen Müllcontainer. Dem Unternehmen wurde die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen

Auf einem Hügel neben dem Canal du Midi erhebt sich eine mittelalterliche Kirche, umgeben von mit roten Tonziegeln gedeckten Häusern. Eine Idylle im Südwesten Frankreichs, die nichts zu trüben scheint. Doch der erste Eindruck täuscht. Denn seit ein paar Tagen ist in Castelnaudary nichts mehr wie zuvor. Der zwischen Toulouse und Carcassone gelegene Ort mit seinen 12.000 Einwohnern steht im Zentrum des Pferdefleischskandals.

Dabei gilt Castelnaudary eigentlich als Heimat des Cassoulet, einer gastronomischen Spezialität. Doch hier hat auch die Firma Spanghero ihren Sitz. Sie steht im Verdacht, als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch weiterverkauft zu haben.

Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hat dem Betrieb zunächst mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen. Doch inzwischen darf bei Spanghero zumindest teilweise wieder gearbeitet werden.

Denn in Castelnaudary hat nicht nur die auf Fleischgroßhandel spezialisierte Sparte ihren Sitz, die 550 Tonnen Pferdefleisch an die auf Fertiggerichte spezialisierte Firma Comigel weiterverkaufte. Spanghero fertigt in Castelnaudary auch selber Gerichte und Würste nach südwestfranzösischen Rezepten an. Darin soll zum Teil ebenfalls Pferdefleisch verwendet worden sein.

550.000 Euro Profit

"Das Unternehmen retten, ist das einzige, was zählt", sagt Laurent Spanghero. Dabei gehört ihm die gleichnamige Firma gar nicht mehr. Der 73-Jährige hatte sie Anfang der 70er-Jahre zusammen mit seinen sechs Brüdern und zwei Schwestern gegründet, jedoch 2009 wegen finanzieller Schwierigkeiten an die Kooperative Lur Berri weiterverkauft. Diese ließ sich von der Familie das Recht einräumen, ihren Namen weiterverwenden zu dürfen. Denn der steht für eine Rugby-Dynastie, seit zwei der Brüder von Laurent Spanghero in der französischen Nationalmannschaft spielten.

Der Firmengründer macht den jetzigen Spanghero-Chef für den Skandal verantwortlich. Doch Barthélemy Aguerre, so sein Name, weist alle Schuld von sich. "Wir wussten nicht, dass es sich um Pferdefleisch handelte. Niemand wusste, dass der Code 02050080 für Pferdefleisch steht", sagt er. Französischen Medien liegen jedoch Unterlagen vor, die das Gegenteil belegen.

Gewerkschaften werfen der Gruppe Lur Berri vor, zu schnell gewachsen zu sein. Die Kooperative aus dem Baskenland, die 5000 Landwirten aus dem Südwesten Frankreichs gehört, hat ihren Umsatz innerhalb der letzten fünf Jahre auf zuletzt 1,12 Milliarden Euro verdoppelt. Neben Spanghero hat sie 2012 auch Labeyrie übernommen, einen Hersteller von Gänsestopfleber, Räucherlachs und Pasteten.

Statt die heimische Landwirtschaft zu unterstützen und Zutaten von ihr zu verwenden, habe die Kooperative lieber im billigeren Ausland gekauft, kritisieren französische Medien. Nach Angaben von Behörden hat Lur Berri durch den Weiterverkauf von als Rindfleisch deklariertem Pferdefleisch 550.000 Euro Profit gemacht.

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